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08.03.2026
13:16 Uhr
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Das deutsche Nationalteam startet mit zwei deutlichen Siegen in die WM-Qualifikation. Entscheidenden Anteil daran hat Wolfsburgs Vivien Endemann, für Bundestrainer Wück „die Gewinnerin“ des Auftakts.

Offensivspielerin Vivien Endemann (re.) meldete sich mit zwei Toren und vier Vorlagen im deutschen Nationalteam zurück. Marius Nordnes/Nordnes Foto/Getty Images
Ihr Abschluss am Anfang, gut, der war etwas irreführend. Nicole Anyomi auf der rechten und Vivien Endemann auf der linken Seite des Platzes überrannten die Norwegerinnen, Querpass von Anyomi, explosiver, flacher Schuss von Endemann. Der musste doch rein! Aber der Ball prallte in der siebten Minute vom rechten Außenpfosten weg. Und weil Endemann kurz davor schon die Torhüterin angeschossen hatte, statt ins Tor zu treffen, wurde eine leise Vorahnung direkt lauter: Die Sache mit der Chancenverwertung könnte wieder schwierig werden, Bundestrainer Christian Wück selbst hatte schon prognostiziert, dass dieses Thema das deutsche Nationalteam weiterhin begleiten werde. Aber diese Szene sollte dann doch nicht prägend werden für diese Partie, die letztlich ganz andere Erkenntnisse brachte.
Denn beim zweiten Qualifikationsspiel für die Weltmeisterschaft 2027 folgten vier erfolgreiche Abschlüsse von Elisa Senß in der 18. Minute, von Carlotta Wamser (45.+1), Vivien Endemann (45.+3) und Jule Brand (58.). Alle unterschiedlich in ihrer Entstehung, mal wurde beim Verteidigen ein abgeblockter Ball zur Vorlage, mal standen starke Konter am Anfang des Spielzugs, mal luden die Norwegerinnen per Fehlpass in ihren Strafraum ein. Aber alle hatten eine Gemeinsamkeit: Die Schützinnen waren bis zum Schluss fokussiert und präzise, sie vergaben am Samstag nicht zig Chancen. Sieben Abschlüsse aufs Tor verzeichnete die Statistik. Da war die Quote an manch anderem Abend in den vergangenen Monaten schlechter ausgefallen – auf der Suche nach Beispielen muss man gar nicht so weit zurückgehen.
Die zuletzt schwächelnde Offensive der DFB-Frauen hat die dringend notwendige Verstärkung erhalten: Die Bremerin Larissa Mühlhaus zeigt beim 5:0 gegen Slowenien, dass mit ihr künftig zu rechnen ist.
Gegen Slowenien zum Auftakt in dieses Länderspieljahr hatte am Ende zwar auch ein deutlicher Sieg nach einem souveränen Auftritt gestanden. Aber das 5:0 gegen eine kleine Fußballnation konnte nicht darüber hinwegtäuschen, wie viele Gelegenheiten die Deutschen am Dienstag noch ausgelassen hatten, wie viel höher das Ergebnis hätte ausfallen können. „Wir sind für jedes Tor dankbar, das wir erzielen“, hatte Wück in Dresden gesagt. „Ich hätte mir schon gewünscht, dass sie sich noch ein bisschen mehr belohnen. Das ein oder andere Tor mehr hätte uns gutgetan.“ Statt solche Sätze über die Abschlussschwäche in die Wiederholungsschleife zu legen, konnte der 52-Jährige nun von einem „perfekten Start“ sprechen. Das deutsche Team führt dank der Maximalausbeute von sechs Punkten seine Qualifikationsgruppe vor Norwegen, Österreich und Slowenien an.
„Ich trete als Trainer immer auch ein bisschen auf die Euphoriebremse“, sagte Wück angesichts der Strecken, in denen offensichtlich nicht genug Leistung kam. Aber es gab, erkannte der Bundestrainer, auch „Phasen im Spiel, die wirklich sehr dominant waren“. Und das gegen einen Gegner, der zwar zuletzt unter den Erwartungen geblieben ist und sich abermals anfällig zeigte, aber mit gefährlichen Offensivspielerinnen wie Ada Hegerberg von Champions-League-Rekordsieger Lyon oder Caroline Graham Hansen vom FC Barcelona aufwarten kann.
Den Norwegerinnen fehlten jedoch Elemente, die Wücks Team stark machten: Ann-Katrin Berger schnürte ihre Reflexe, ihre Präsenz und ihren kompromisslosen Einsatz zu jenem Paket, das die Torhüterin vor allem bei der EM im Sommer zur herausragenden Figur gemacht hatte. Und auffällig war eben, dass die DFB-Frauen irgendwo zwischen Granulat und akkurat getrimmten Halmen des Kunstrasens im Viking-Stadion von Stavanger ihre Effizienz wiederfanden.
Diese früher so treue Wegbegleiterin, die sich bisweilen rar gemacht hat, folgte erfreulicherweise gleich mehreren Spielerinnen. Die vier Tore gegen Norwegen hatten besagte vier Absenderinnen. Nimmt man die fünf Treffer beim Auftakt gegen Slowenien dazu, waren es sogar sieben, darunter die Doppeltorschützinnen Endemann und Senß. Und das in einer Bandbreite, die von Lea Schüller – für die das 5:0 gegen Slowenien ihr 55. Treffer im 83. Länderspiel war – bis zu Larissa Mühlhaus reichte, die ihr Debüt direkt mit ihrem ersten Treffer krönte. Ihre gelungene Premiere war eine der Geschichten dieser beiden Partien, eine andere lieferte Endemann, die entscheidend dafür war, dass sich so viel Spielfreude ausbreitete.
Ein Jahr lang hatte die 24-Jährige im Nationalteam pausiert, nach ihrer Rückkehr auf den linken Flügel lautet ihre Bilanz: zwei Tore selbst geschossen, vier Treffer vorbereitet. „Ich glaube, ich habe meinen Teil dazu beigetragen, dass wir die Spiele gewinnen konnten“, sagte Endemann der ARD. „Trotzdem will ich mich gar nicht so hoch loben, sondern alles relativ neutral einordnen.“ Im Februar 2024 hatte sie unter Horst Hrubesch bei den DFB-Frauen debütiert, im Sommer war sie beim Gewinn der Bronzemedaille bei den Olympischen Spielen dabei. Doch nach einer starken ersten Saison für den VfL Wolfsburg kam sie auf weniger Einsätze und weniger Treffer, für die EM reichte ihre Leistung nicht. Noch dazu verletzte sie sich am Oberschenkel.
Nun aber wirbelte Endemann in beiden Partien über die Plätze, als sei sie nie weg gewesen, und riss die anderen mit. Sie habe, hatte Endemann in diesen Tagen erzählt, in der schwierigen Phase viel an sich gearbeitet. Im athletischen wie auch im mentalen Bereich. Sie habe auch im Austausch gestanden mit dem Bundestrainer, der jetzt fand: „Sie hat die richtigen Schlüsse gezogen. Man merkt ihr an, welche Freude sie wieder am Fußball hat, mit welchem Enthusiasmus sie auf dem Platz steht. Sie ist wirklich die Gewinnerin dieses Lehrgangs.“ Dass auf Endemanns Position die sonst oft überragende Klara Bühl verletzt fehlte? Geriet angesichts dieses Auftritts fast schon in Vergessenheit.
Und das war mit Blick auf die WM in Brasilien und vor den nächsten Partien gegen Österreich (14. und 18. April) dann doch eine wichtige Botschaft: Zumindest gegen diese Gegner zeigte sich die Breite von Christian Wücks Kader, er setzte alle Feldspielerinnen und zwei Debütantinnen ein. Das war mehr, als zu vermuten war. Jetzt müssen die deutschen Nationalspielerinnen nur die Effizienz davon überzeugen, es sich gemütlich zu machen bei ihnen.
Christian Wück analysiert die Entwicklung des Nationalteams und wie es ihn verändert hat, Bundestrainer zu sein. Er spricht über die Kritik an seinem Kader, fehlende Effizienz und erklärt, wie der deutsche Frauenfußball stärker werden kann.
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