SZ 16.07.2026
11:18 Uhr

(+) VW ID.Cross: Der Klassenstreber


VW enthüllt das Mini-SUV für rund 28 000 Euro. Der Innenraum wirkt hochwertig, die Basis-Reichweite ist eher bescheiden. Interessant sind beim VW ID.Cross vor allem die Extras aus höheren Klassen.

(+) VW ID.Cross: Der Klassenstreber
Für einen Kleinwagen wirkt der VW ID.Cross ganz schön groß. Auf 4,15 Meter Länge bringt er vier Erwachsene ganz ordentlich unter. VW

Am Samstagmorgen fährt man am besten alleine zum Baumarkt. Was liegt näher, als dann zum Wachwerden brüllend laut Barock zu hören? Zum Beispiel Johann Sebastian Bachs Toccata und Fuge in d-Moll. Die basslastigen Orgel-Beats kommen in einem stillen, gut isolierten Raum am besten. So ein Tonstudio auf Rädern ist traditionell teuer. Man kann dröhnende Kleinwagen zwar mit einem Subwoofer nachrüsten. Aber das Raumgefühl einer riesigen Kathedrale wirkt dadurch nicht unbedingt realistischer.

Hat hier jemand Billigauto gesagt? Bachs Orgelkonzerte sind ein guter Grund, elektrisch zu fahren. Fein abgestuft kommen die Höhen aus den Tiefen des Raums, auch die wummernden Bässe verenden nicht als Klangbrei. Dass so ein kleiner Flitzer an der Ampel alle anderen stehen lässt, erhöht noch das Gefühl von exquisitem Luxus. Highend-Soundsysteme mit 425 Watt Musikleistung gab es bislang eher in der Oberklasse. Im VW ID.Cross kosten sie (je nach Ausstattung) deutlich weniger als 1000 Euro und zeigen beispielhaft, wie so ein Kleiner die Klassengrenzen sprengen kann.

Zaubern kann der rollende Würfel trotzdem nicht: Mit einer Bassbox unter dem Mini-Kofferraum bleibt im Souterrain nur noch Platz für eine Wasserkiste. Aber das ist in Kleinwagen auch nicht anders, die traditionell in matten Farben mit unscheinbaren Rädern und kleinen Motoren verkauft werden. Bloß nicht auffallen! Lediglich Sportableger wie der GTI dürfen mit breiten Gummis und kostspieligen Extras modisch auf der Überholspur fahren.

Seit einem halben Jahrhundert ist GTI das Sportabzeichen von VW. Jetzt gibt es das erste Modell mit E-Antrieb. Aber macht der ID.Polo GTI auch Spaß?

Beim neuen VW ID.Cross herrscht hingegen gleich zur Premiere Lifestyle-Alarm. Schon zum Einstiegspreis von rund 28 000 Euro bietet der wohnliche Innenraum nicht nur abwaschbares Hartplastik, sondern stoffbezogene Flächen, ein mittelgroßes Touchdisplay (12,9 Zoll) und einen hohen Sitzkomfort. Wirklich schick und flott wird der Einstieg ins SUV-Segment aber erst in den Ausstattungslinien „Life“ und „Style“ mit 155 kW (211 PS). In Verbindung mit der 52-kWh-Batterie für eine Reichweite von bis zu 427 Kilometern startet der Spaß dann bei 36 525 Euro.

Vom Namen Cross darf man sich übrigens nicht beirren lassen: Das halbhohe, 4,15-Meter-SUVchen muss auf einen Allradantrieb genauso verzichten wie auf besondere Offroad-Eigenschaften. Es geht lediglich darum, den Batterieblock mit bis zu 19 Zoll großen Rädern zu kaschieren und mit einem poppigen Einrichtungsstil das richtige Lebensgefühl zu treffen.

Wer auf Pendelstrecken in Ruhe Musik hören will, wird auch die moderne Technik zu schätzen wissen: Der „Connected Travel Assist“ hält im dichten Verkehr nicht nur den Abstand und fährt nach einem Stopp automatisch wieder an. Das System reagiert nun erstmals auch auf Ampeln – ein Novum in dieser Preisklasse. Erkennt der Assistent eine rote Ampel, kann er den ID.Cross automatisch bis zum Stillstand abbremsen. Das Signal zum Anfahren muss dann allerdings vom Fahrer kommen.

Moderne Assistenzsysteme gibt es auch bei den Marken aus Asien. Kia ist mit dem EV2 ein besonders praktisches E-Auto mit variabler Rückbank gelungen: Die Sitze lassen sich einzeln vor- oder zurückverschieben, was die Reise in der zweiten Reihe auch für Erwachsene deutlich komfortabler machen kann – wenn nicht gleichzeitig Gepäck befördert werden muss. Vor allem gibt es den kleinen Koreaner auch mit einer großen 61,0-kWh-Batterie für bis zu 453 Kilometer Reichweite.

Spaß beim Fahren hat man in jedem Fall, wenn die kleinen Stromer mit dem tiefen Schwerpunkt ordentlich breite Schlappen aufgezogen haben: Die satte Kurvenlage ist noch so Luxus, den die wenigsten Kleinwagen mit Verbrenner bisher bieten konnten.

Der 4,15 Meter lange ID.Cross kann vieles besser als der ID.3 – und ist mit einem Einstiegspreis von knapp 28 000 Euro auch noch billiger. Ein erster Test.

Das sagt zumindest die Tochter des Testfahrers. Sie macht da einen Fehler, denn der Kia EV2 ist nicht nur relativ günstig, sondern auch praktisch. Und in den Bergen geht der Spaß erst richtig los.

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