SZ 15.07.2026
14:36 Uhr

(+) Unwetter in Bayern: Sechs Soldaten bei Blitzeinschlag verletzt - 3000 Notrufe rund um Nürnberg


Die jungen Männer waren in einem Biwak am Hohen Brendten, als der Blitz einschlug. In Franken haben heftige Unwetter für vollgelaufene Keller, umgestürzte Bäume und gestrandete Reisende gesorgt.

(+) Unwetter in Bayern: Sechs Soldaten bei Blitzeinschlag verletzt - 3000 Notrufe rund um Nürnberg

Bei einem Blitzeinschlag im oberbayerischen Landkreis Garmisch-Partenkirchen sind sechs Soldaten der Bundeswehr verletzt worden. Die Soldaten im Alter von 18 bis 26 Jahren befanden sich am frühen Morgen während eines Gewitters in einem Biwak am Hohen Brendten, einer Anhöhe am Kranzberg bei Mittenwald, wie die Polizei mitteilte. Fünf von ihnen erlitten demnach leichte Verletzungen, ein weiterer wurde mittelschwer verletzt.

Da zunächst unklar war, wie viele Menschen betroffen waren, rückten mehrere Rettungs- und Einsatzfahrzeuge an. Alle Verletzten wurden in eine Klinik gebracht. Bleibende Schäden sind laut Polizei nach ersten Erkenntnissen nicht zu befürchten. Nach dem Verletzungsbild deutet demnach vieles darauf hin, dass ein 18-Jähriger direkt vom Blitz getroffen wurde.

Von Aschaffenburg bis Berchtesgaden: Das Bayern-Team der SZ ist im gesamten Freistaat für Sie unterwegs. Hier entlang, wenn Sie Geschichten, News und Hintergründe direkt aufs Handy bekommen möchten.

In der Nacht auf Mittwoch wurde zudem eine Schulklasse aus Baden-Württemberg auf einem Zeltplatz am Forggensee von einem Gewitter überrascht. Nachdem die Zelte der Siebtklässler und ihrer Lehrer vollständig nass waren, setzten die Lehrkräfte laut Polizei einen Notruf ab. Schließlich konnte eine Notunterkunft in einer Turnhalle in Roßhaupten (Landkreis Ostallgäu) organisiert werden.

Bereits am Dienstagabend haben heftige Unwetter die Region Nürnberg schwer getroffen. Es gibt nach Angaben der Einsatzkräfte mehrere Verletzte. Nach Angaben der Integrierten Leitstelle der Feuerwehr gingen innerhalb von fünf Stunden fast 3000 Notrufe ein. Betroffen von der sehr plötzlich entstandenen Extremwetterlage waren die Städte Nürnberg, Fürth und Erlangen sowie die Landkreise Nürnberger Land und Erlangen-Höchstadt. 3000 Notrufe – „eine so noch nie dagewesene Zahl“, wie die Feuerwehr berichtete. Schlussendlich rückten um die 3000 Kräfte zu rund 1100 Einsätzen aus. Auch Mitarbeiter, die frei hatten, wurden alarmiert, etwa um bei der Annahme der Notrufe mitzuhelfen.

„Die Feuerwehren in der Region waren wirklich sehr stark ausgelastet“, sagte ein Sprecher der Deutschen Presse-Agentur. Sie rückten unter anderem zu umgestürzten Bäumen, vollgelaufenen Kellern sowie Bäumen auf Autos und Gebäuden aus. Auch Menschen seien von Bäumen eingeklemmt worden. Bislang habe es ein bis zwei Schwerverletzte sowie mehrere Leichtverletzte gegeben.

Die Folgen des Unwetters waren auch am Flughafen Nürnberg zu spüren. Wetterbedingt wurde der Flugbetrieb am Abend vorübergehend eingestellt, wie der Flughafen um 19.46 Uhr mitteilte. Nach rund 80 Minuten lief der Betrieb wieder an.

Einsatzkräfte mussten nach Angaben des Flughafens unter anderem umgestürzte Bäume beseitigen und sich um Schäden an Dächern sowie Wasserschäden kümmern. Drei Flüge wurden demnach umgeleitet, vier weitere verspäteten sich.

Im Landkreis Erlangen-Höchstadt überfuhr ein Regionalzug einen Baumstamm, der infolge eines Unwetters auf die Gleise gefallen war. Der Vorfall ereignete sich einem Bundespolizeisprecher zufolge bei Kalchreuth auf der Strecke vom Bahnhof Nürnberg Nordost in Richtung Bahnhof Eschenau. Durch den Aufprall wurde der Zug beschädigt und konnte nicht weiterfahren. Für die 25 bis 30 Reisenden, die den Zug laut dem Bundespolizeisprecher verlassen mussten, wurde ein Schienenersatzverkehr eingerichtet.

Auch die Polizei Mittelfranken registrierte nach eigenen Angaben rund 200 unwetterbedingte Einsätze. Dabei ging es vor allem um umgestürzte Bäume und vollgelaufene Keller.

Die Auswirkungen des Unwetters reichten bis in den Mittwoch: An der Grundschule Am Forstersberg in Röthenbach an der Pegnitz im Landkreis Nürnberger Land fiel der Präsenzunterricht wegen Windbruchs und umgestürzter Bäume aus, wie das bayerische Kultusministerium mitteilte.

Der Dienstag war in Bayern der zweit-blitzreichste Tag des Jahres, wie aus Daten des Blitz-Informationsdienstes Aldis/Blids hervorgeht. 2312 Einschläge zählten die Experten im Freistaat. 2026 gab es bisher nur am 29. Juni mehr – und zwar 2577.
Blitzzahlen können sich je nach Methode unterscheiden. Aldis/Blids zählt nur Wolke-Erde-Blitze und dabei sogenannte Flashes – wenn der Blitz flackert, wird dies nur als ein Blitz gezählt.

Anfang Mai brannte es am Saurüsselkopf in den Chiemgauer Alpen tagelang. Bis sich die Natur von der Katastrophe erholt, wird es Jahrzehnte dauern.  Unterwegs mit Förstern im verbrannten Bergwald.

Lesen Sie mehr zum Thema

In anspruchsvollen Berufsfeldern im Stellenmarkt der SZ.

Sie möchten die digitalen Produkte der SZ mit uns weiterentwickeln? Bewerben Sie sich jetzt!Jobs bei der SZ Digitale Medien

Exklusive Gutscheine für SZ-Abonnenten: