SZ 27.05.2026
16:32 Uhr

(+) Umstrittene Personalie: AfD stellt Kulturreferenten in Tittmoning


Gegen die Entscheidung regt sich Widerstand. Ein Kreis von rund 60 Kulturschaffenden – darunter auch der Kabarettist und Musiker Hans Well – äußern sich in einem Schreiben an die Stadträte besorgt.

(+) Umstrittene Personalie: AfD stellt Kulturreferenten in Tittmoning
Der AfD-Kommunalpolitiker Sebastian Gruttauer ist wohl der erste kommunale Kulturreferent aus den Reihen der AfD in Bayern Foto: Daniel Karmann/dpa

Nach der Wahl eines AfD-Stadtrates zum Kulturreferenten der oberbayerischen Kleinstadt Tittmoning (Landkreis Traunstein) regt sich massiver Widerstand gegen die Personalie. Ein Kreis von rund 60 Kulturschaffenden – darunter auch der Kabarettist und Musiker Hans Well (ehemals Biermösl Blosn), hat in einem Brief an die Tittmoninger Stadträte seine Sorgen postuliert, die mit der Personalie verbunden sind.

„Kultur ist kein unpolitischer Raum. Sie prägt unser gesellschaftliches Miteinander, unsere Werte und unser Verständnis von Offenheit, Vielfalt und Demokratie“, heißt es in dem Schreiben, das der Deutschen Presse-Agentur vorliegt.

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„Kultur erschöpft sich nicht in Traditionen wie Maibaumaufstellen oder Entenrennen – so identitätsstiftend diese auch sein mögen“, heißt es in dem Brief weiter. „Es ist daher mehr als fragwürdig, ob ein Vertreter einer Partei, die immer wieder durch ausgrenzende und demokratiefeindliche Positionen auffällt, glaubwürdig für diese Werte stehen kann“, heißt es in dem Brief weiter. Nach Angaben der Initiatoren ist der AfD-Kommunalpolitiker Sebastian Gruttauer der erste kommunale Kulturreferent aus den Reihen der AfD in Bayern.
Gruttauer, 32, der sich öffentlich meist in bayerischer Tracht und mit langem Vollbart zeigt, hat in der Vergangenheit öffentlich politisch sehr weit rechts anzusiedelnde Positionen vertreten.

„Wir werden mehr und mehr zur Minderheit im eigenen Land“, sagte er etwa in einem seiner Instagram-Posts. „Das darf niemals passieren und darum braucht es Remigration“, sagte er. Zuwanderer träfen in Deutschland auf bereits existierende „Parallelgesellschaften“ und blieben somit „in ihrem eigenen Klüngel“. Integration finde nicht mehr statt.

Die AfD hofft, bei der Wahl im März ihren Erfolgskurs auf der kommunalen Ebene fortzusetzen. Wie stehen ihre Chancen dafür? Und welche Rolle spielt ausgerechnet der Rechtsextremist Björn Höcke dabei? Erkundigungen im Allgäu und im bayerischen Landtag.

Die AfD stellt seit der Stadtratswahl im März drei der 20 Sitze im Kommunalparlament des 5000-Einwohner-Städtchens, das ganz im Osten Bayerns, an der Grenze zum oberösterreichischen Bezirk Braunau gelegen ist. Im Stadtrat ist es üblich, dass jedes Mitglied ein Fachreferat übernimmt. Gruttauer selbst schildert die Situation auf Instagram so, dass es eine Vorabsprache gegeben habe, die ihm das Kulturreferat zusicherte. Später soll seiner Darstellung zufolge ein Stadtrat einen Gegenvorschlag gemacht haben – dieser sei aber nicht angenommen worden. Einer Bitte der Deutschen Presse-Agentur um eine direkte Stellungnahme kam Gruttauer zunächst nicht nach.

Nach einem Bericht des Münchner Merkur soll es Überlegungen geben, die Wahl rückgängig zu machen und Gruttauer mit einem anderen Resort zu versorgen. Bürgermeister Andreas Bratzdrum (CSU) war zunächst nicht für eine Stellungnahme zu erreichen.

Katrin Ebner-Steiner wird die AfD im Landtag künftig mit Ulrich Singer führen. Neu gewählt wurde auch ein riesiger Gesamtvorstand mit fünf Vize-Chefs. Nur so konnten die internen Konflikte übertüncht werden.

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