Frank Castorf weiß nicht weiter. Soll er den Ärger, den eine Freundin gerade mit der Polizei hat, in die Inszenierung einbauen, oder wäre das dann vielleicht doch zu eitel? Damit es auf der Probe langsam mal weitergeht, brüllt er sich durch eine Passage von Klaus Manns „Mephisto“-Roman, eine Klage über Hitlers Machtübernahme, Deutschland 1933: „Wehe, der Himmel über diesem Lande ist finster geworden. Ein Strom von Blut und Tränen ergießt sich durch die Straßen aller seiner Städte.“ Das hat Wut und Schrecken, erst recht, wenn es ein grimmiger Castorf im Hassmodus vorliest. Aber natürlich ist es auch gefährlich nah am pathetischen Kitsch.
