SZ 25.06.2026
20:15 Uhr

(+) Südamerika: Zahl der Toten nach schwerem Erdbeben in Venezuela steigt


Die kurz aufeinander folgenden Beben zählen zu den stärksten des Landes seit 1900. Die Regierung hat den Notstand ausgerufen. Auch THW-Hilfskräfte versuchen, Menschen aus den Trümmern zu retten.

(+) Südamerika: Zahl der Toten nach schwerem Erdbeben in Venezuela steigt

Bei den zwei schweren Erdbeben in Venezuela sind nach vorläufigen offiziellen Angaben bisher mindestens 235 Menschen ums Leben gekommen. Zudem gebe es 4300 Verletzte und 200 Verschüttete, sagte Parlamentspräsident Jorge Rodriguez. Die US-Erdbebenwarte USGS rechnet mit massiven Zerstörungen und schätzt die Zahl der möglichen Todesopfer auf 10 000 bis 100 000. Das doppelte Erdbeben sei eine „wahrhafte Tragödie“ für Venezuela, sagte die geschäftsführende Staatspräsidentin Delcy Rodríguez. Die Regierung rief den Notstand aus.

Rettungskräfte suchen in den Trümmern eingestürzter Gebäude nach Verschütteten. Dutzende Menschen sind bereits lebend gefunden worden, darunter zwei verletzte Kleinkinder im Bundesstaat La Guaira, deren Mutter noch vermisst wurde, wie Fernsehsender berichteten. Der Zugverkehr in dem südamerikanischen Land wurde eingestellt, der internationale Flughafen der Hauptstadt Caracas wurde wegen Schäden geschlossen. Der Schulunterricht werde ausgesetzt.

Die US-Erdbebenwarte USGS gab die Stärke der beiden Erdbeben mit 7,2 und 7,5 an. Es sind somit die heftigsten Beben in dem südamerikanischen Land seit mehr als einem Jahrhundert. Ein noch stärkeres (7,7) gab es zuletzt im Jahr 1900 nordöstlich der Hauptstadt Caracas vor der Küste Venezuelas, wie aus Daten der Organisation hervorgeht.

Laut USGS zählten die Erdbeben auch zu den weltweit stärksten des laufenden Jahres. Das zweite und stärkere Beben ereignete sich demnach in einer Tiefe von nur zehn Kilometern, weswegen mit großen Schäden und auch Opfern zu rechnen war.

Das Zentrum des ersten Bebens am Mittwoch um 18.04 Uhr Ortszeit (00.04 MESZ Donnerstag) lag den Angaben zufolge 24 Kilometer östlich von San Felipe entfernt im Nordwesten des südamerikanischen Landes in einer Tiefe von 21,9 Kilometern. Das zweite Beben ereignete sich nur wenige Kilometer weiter nördlich. Allein in den relativ nahen Städten Puerto Cabello und San Felipe leben nach USGS-Angaben zusammen etwas mehr als 400 000 Menschen.

„Wir haben es mit einer äußerst alarmierenden Situation zu tun“, sagte Innenminister Diosdado Cabello im Fernsehen. Er rief die Menschen dazu auf, an sicheren Orten zu bleiben. Nach schweren Erdbeben seien normalerweise Nachbeben zu erwarten, die bereits beschädigte Gebäude zum Einsturz bringen könnten, warnte der Minister. Um Explosionen zu verhindern, hätten die Behörden angeordnet, die Gaszufuhr zu unterbrechen.

US-Präsident Donald Trump sicherte dem südamerikanischen Land schnelle Hilfe zu. Er habe alle US-Behörden angewiesen, sich darauf vorzubereiten, schnell zu helfen, schrieb er auf seiner Plattform Truth Social. Die beiden Erdbeben seien von „massivem Ausmaß“ gewesen und hätten zu einer „verheerenden Zahl Toter“ geführt, schrieb Trump. Er machte dabei keine Angaben dazu, auf welche Informationen sich seine Aussage zur Opferzahl stützte.
„Wir werden für unsere neuen und großartigen Freunde da sein“, schrieb Trump – wohl mit Blick auf die Übergangsregierung in Caracas. Weiter erklärte er in Bezug auf das wahrscheinliche Ausmaß der Folgen: „Die ersten Berichte sind nicht gut!!!“

US-Außenminister Marco Rubio erklärte kurze Zeit später, die Regierung bringe sofort Such- und Rettungsmannschaften sowie humanitäre und medizinische Hilfe auf den Weg. Auch andere Länder sagten Hilfe zu, darunter Deutschland.

Die Bundeswehr ⁠könne bis zu sechs Transportflugzeuge vom Typ A400M bereitstellen, um Personal und Hilfsgüter etwa des Technischen Hilfswerks ‌und des Deutschen Roten Kreuzes ‌zu befördern, teilt das Verteidigungsministerium mit. „Die Nachricht von den vielen Tausenden Toten in Venezuela hat mich tief erschüttert“, erklärt Verteidigungsminister Boris Pistorius. „Jetzt gilt es, schnell Hilfe zu ‌leisten.“

Knapp 50 Einsatzkräfte des Technischen Hilfswerks (THW) sind am schließlich am Freitag vom Fliegerhorst Wunstorf in Niedersachsen mit einer Bundeswehr-Maschine nach Venezuela geflogen. Mexiko schickt ein 250-köpfiges Team aus Rettungskräften und Medizinern mit vier Flugzeugen sowie fünf Spürhunden und einer Drohne.

Die venezolanische Friedensnobelpreisträgerin und Oppositionsführerin María Corina Machado, die sich derzeit nicht in Venezuela aufhält, schrieb auf der Plattform X: „Mein Herz, meine unendliche Umarmung und meine Gebete gelten in diesen Stunden der Not jeder venezolanischen Familie. Mögen Stärke, Ruhe und Solidarität in dieser schwierigen Zeit unter uns herrschen.“

Die Oppositionsführerin kämpft verbissen darum, doch noch in Venezuela an die Macht zu gelangen. Bisher aber wagt sie sich nicht einmal in ihre Heimat zurück – aus guten Gründen.

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