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01.04.2026
08:46 Uhr
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Tankstellen dürfen vom 1. April an nur noch einmal am Tag die Preise für Benzin und Diesel erhöhen. Wer davon profitiert – und wer eher nicht.

Vom 1. April an dürfen Tankstellen ihre Kraftstoffpreise nur noch einmal am Tag erhöhen: um zwölf Uhr mittags. Der Bundestag hatte am vergangenen Donnerstag einen Gesetzesentwurf der Regierungskoalition beschlossen. Die hatte auf die gestiegenen Spritpreise als Folge des Iran-Krieges reagiert. Senken dürfen die Tankstellen ihre Preise, sooft sie möchten. Mit der neuen Regel orientiert sich Deutschland an einem Modell, das in Österreich schon seit 15 Jahren existiert. Wer gegen die Regel verstößt, muss Bußgelder von bis zu 100 000 Euro fürchten. Fragt sich nur: Werden dadurch wirklich Benzin und Diesel für Autofahrer günstiger?
Sicher ist das nicht. Denn formell wird nur festgelegt, wann die Preise geändert werden dürfen, nicht wie. Was jeder Einzelne zahlt, hängt künftig entscheidend davon ab, wann man tanken geht. Laut einer Analyse des Verbraucherportals Benzinpreis.de könnte es künftig zu deutlich größeren Preisschwankungen kommen. Die Experten prognostizieren im Tagesverlauf einen einmaligen Preissprung von 30 Cent und mehr. Das entspricht den Angaben zufolge ungefähr dem Dreifachen der heutigen Schwankungsbreite. Für Letztere hat Benzinpreis.de die Veränderungen an 14 000 Tankstellen von 26. Februar bis 12. März 2026 ausgewertet.
Es ist also davon auszugehen, dass die Preise künftig kurz vor der Preiserhöhung um zwölf Uhr am günstigsten sind. So sieht man das auch beim ADAC. Vor allem Berufspendler wären in diesem Fall die Verlierer. Während der Arbeit mal kurz an der Zapfsäule vorzufahren, ist für viele Menschen kaum zu schaffen. Wer am frühen Morgen oder nach Feierabend tankt, muss somit vielleicht mehr zahlen als bisher.
Der meiste Betrieb herrscht derzeit zwischen 16 und 18 Uhr an den Tankstellen. Knapp ein Viertel des gesamten Tagesgeschäfts entfällt auf diesen Zeitraum. Mit der neuen Regelung dürfte sich dies ändern. Damit drehe sich das bisherige System um, heißt es bei Benzinpreis.de. Gewerbliche Fahrer würden dagegen von dem einmaligen Preissprung am Mittag profitieren. Daraus ergebe sich eine sozialpolitisch relevante Umverteilung, die in der Regelungsdiskussion bislang kaum thematisiert werde.
Der ADAC, Deutschlands größter Automobilklub, hat bereits im vergangenen Herbst Bedenken angemeldet. Schon damals wurde über die Spritpreisbremse diskutiert. Die neue Regelung könnte nun dazu führen, dass Sprit am Ende für die Verbraucher teurer wird, warnte ein ADAC-Experte seinerzeit. Wenn die Konzerne nur einmal am Tag die Preise anheben dürften, bestehe die Gefahr, dass die Erhöhung von vorneherein stärker ausfalle als im bisherigen flexiblen Modell. Wie sich die Änderung durch das Gesetz in der Praxis auswirkt, will die Bundesregierung nach einem Jahr evaluieren.
Einigkeit herrscht bei Experten darüber, dass das neue Gesetz mehr Transparenz ermöglicht. Tankstellen änderten in Deutschland laut Bundeskartellamt zuletzt im Durchschnitt 22 Mal täglich ihre Preise, in manchen Fällen auch deutlich häufiger. Nicht selten änderten sich Preise innerhalb weniger Minuten. Da bringen auch Tank-Apps wenig, weil sich der Preis längst geändert haben kann, bis man an der Zapfsäule vorfährt. Kritiker werfen den Mineralölkonzernen vor, ihre Kunden so in die Irre zu führen, was diese zurückweisen.
Kritik an der Preisregulierung kommt auch vom Bundesverband Freier Tankstellen und unabhängiger deutscher Mineralölhändler (BFT). Das Österreich-Modell sei „ordnungspolitisch fragwürdig“, heißt es in einem offenen Brief an den Bundestag. Die Maßnahme treffe vor allem den Mittelstand der Branche und somit „jene freien Tankstellen, die den freien Wettbewerb fördern“. Denn gerade diese würden flexibel auf Marktbewegungen reagieren und so für Wettbewerb sorgen. Die Regierung solle nicht in den Marktmechanismus eingreifen.
So hoch vielen Autofahrern die Preise auch erscheinen: Eine Studie vom Institut der deutschen Wirtschaft (IW) zeigt, dass die aktuelle Preisbelastung an der Zapfsäule für Verbraucherinnen und Verbraucher weniger stark ist als in vorherigen Ölkrisen. Beschäftigte müssen demnach für einen Liter Benzin heute kürzer arbeiten als früher. Die aktuell benötigte Arbeitszeit für einen Liter Benzin liege bei weniger als fünf Minuten. Das sei laut IW „weit entfernt“ von den Preisspitzen bisheriger Ölkrisen. In den Jahren 2011 und 2012, als der Ölpreis infolge der Aufstände in mehreren arabischen Staaten auf mehr als 125 Dollar stieg, lag die benötigte Arbeitszeit bei knapp sechs Minuten je Liter. Das IW begründet den leichten Rückgang damit, dass die Löhne zuletzt stärker gestiegen seien als die Preise.
Die Bundesregierung will durchsetzen, dass Tankstellen nur noch einmal am Tag die Preise für Benzin und Diesel erhöhen dürfen. Doch dadurch könnte es für einige Autofahrer sogar noch teurer werden.
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