SZ 17.03.2026
14:32 Uhr

(+) Serena und Venus Williams: Als Mittvierziger zu Olympia 2028?


Serena Williams plant offenbar ihr Tennis-Comeback – womöglich will sie bei Olympia 2028 in Los Angeles antreten, im Doppel mit Schwester Venus. Eine Suche nach den Gründen beim Tennisturnier in Indian Wells.

(+) Serena und Venus Williams: Als Mittvierziger zu Olympia 2028?

Sei so übergeschnappt, dass du danach die tollste Geschichte darüber hast, wie alles funktioniert hat! Natürlich kalifornisch, dieser Satz – zu bestaunen überall, wo Sport getrieben wird. Zuletzt auch beim Tennisturnier in der Wüste. „Be so delusional today so your future self has the best story how it all worked out“, steht auf dem Schild zu Trainingsplatz eins in Indian Wells. Venus Williams übt, und es gibt zwei Gesprächsthemen: Wie diese Frau mit 45 immer noch die Bälle übers Netz jagt. Wie übergeschnappt, was ist das für eine tolle Geschichte: Das Mädchen aus der Gangsterstadt Compton im Süden von L.A. mit einem Schläger und einem Traum: 21 Grand-Slam-Triumphe, davon 14 im Doppel zusammen mit Schwester Serena. Dazu vier Olympiasiege, drei mit Serena.

Die legt noch 23 Einzel-Grand-Slams und ein Olympia-Einzel-Gold drauf. Das zweite Gesprächsthema deshalb: Wenn Serena Williams sich mehr als drei Jahre nach ihrem offiziellen Karriereende 2022 wieder ins Anti-Doping-Programm ihres Sports eingliedern lässt, dann hat sie etwas Großes vor. Etwas, das für eine Heldensaga taugt. Dafür braucht es aber einen Erfolg, gescheiterte Träumer gibt es ja genug. Und es braucht einen Triumph auf Serena-Niveau. Sie wird ihrem Karrierebuch keine Gute-Laune-Seiten zufügen, wie es der inzwischen 40 Jahre alte Schweizer Stan Wawrinka macht. Der betont seit Jahren glaubhaft, wie sehr er immer noch die Existenz als Tennisprofi liebe. Nach dieser Saison soll aber wirklich Schluss sein.

Was also hat Serena Williams vor?

„Ich glaube, dass sie ein Comeback geben wird“, sagt Novak Djokovic in Indian Wells. Dann wird er vage, wie alle anderen Befragten: „Wann und wo, Einzel oder Doppel? Ich weiß es nicht.“ Schelmisches Grinsen, als wüsste er was, oder als hätte er längst die roten Fäden zur Antwort verknüpft: „Wenn ich Serena wäre, würde ich ebenfalls nichts verraten. Auf jeden Fall sind alle aufgeregt und gespannt.“

Warum nimmt die frühere Tennisgröße am Anti-Doping-Programm teil? Und warum schweigt sie zu Spekulationen über eine Rückkehr? Die inzwischen 44-Jährige gibt sich durch und durch geheimnisvoll.

Die größtmögliche Bühne? Die realistischste Chance auf einen Triumph am Ende des Abenteuers? Die bestmögliche Geschichte vor sonnig-schönster Kulisse? Klar, Sommer 2028, Olympia in L.A., im Doppel mit Venus.

Ein Spektakel wäre es, ein sogenanntes „Must See“-Event. Und so ist es auch in Indian Wells: Venus verliert sowohl im Einzel als auch im Mixed ihre erste Partie – in jeweils voller Arena. Zu ihren Trainingseinheiten kommen mehr Leute als zu den männlichen Größen Carlos Alcaraz und Jannik Sinner. Zwei Tage nach dem Ausscheiden in allen Konkurrenzen übt Venus Williams Grundschläge hart cross, sie geht möglichst schnell vor ans Netz, spielt Volley-Stopps. Es ist eindeutig Doppel-Training. Ob das ein Hinweis ist, dass sie bald mit der Schwester antreten wird? Antwort: „Das sollten Sie unbedingt Serena fragen!“ Sie grinst schelmisch wie Djokovic, sie weiß: Serena hat gesagt, nichts sagen zu wollen. Weil Venus auch schweigt, liegt die Chance auf eine offizielle Bestätigung der Pläne bei nahezu null.

„Ich glaube, dass die zwei in ihrer Heimat L.A. bei Olympia im Doppel antreten werden“, sagt die einstige Doppelspezialistin Naomi Broady beim TV-Sender Sky Sports: „Was für ein Spektakel.“ Broady ist nicht mehr auf der Tour aktiv, sie kann frei reden. Die Stimmung in Indian Wells: wie seit jeher, wenn es um Serena geht. Ein paar nette Worte – und dann in unterschiedlichen Formulierungen, siehe Djokovic, die gleiche Botschaft: Ich plaudere nicht aus, was Serena sicher längst als Event oder Essay mit Produktplatzierung geplant hat. Sie hat 15 Kilo abgenommen seit der aktiven Karriere, und das aktiv vermarktet als Werbefigur für eine Abnehmspritze. Eine mögliche Storyline: wie sie sich mithilfe von Spritze und anderen Produkten aus der Venus-und-Serena-Kollektion auf Olympia vorbereitet, abseits vom Tour-Stress.

Das womöglich stärkste Indiz, dass sie Olympia 2028 im Auge haben: Die meisten Profis ordnen die Sommerspiele sportlich hinter den vier Grand Slams und den 13 Events der Masters-Serie ein. Das Wimbledon-Finale wird in zwei Jahren am 16. Juli stattfinden, Olympia bereits am 14. Juli eröffnet. Das heißt: Die Tennisprofis kommen nach der europäischen Sandplatz-Saison und dem kurzen Rasen-Ausflug direkt nach L.A. auf Hartplätze. Danach geht es direkt weiter: zu zwei Masters-Events und den US Open in New York. Der Zeitplan kommt denen entgegen, die sich auf einen Block konzentrieren: Doppel bei Olympia, kurze Abschiedsauftritte in Kanada und Cincinnati, Olympia-Gold-Party bei den US Open.

Das wäre die tolle Geschichte, die sportlich deshalb realistisch wird: Doppel ist einerseits deutlich weniger laufintensiv, was der dann 47 Jahre alten Venus Williams und Serena kurz vor dem 46. Geburtstag entgegenkommen dürfte. Auch der dritte Satz fällt fast weg; bei Olympia wird lediglich ein Tiebreak bis zehn Punkte gespielt. Außerdem starten dort Länder-Duos, die oft nicht arg eingespielt sind. Legendäre Ausnahme war das Doppel-Gold 1992 für Boris Becker und Michael Stich in Barcelona. Venus und Serena sind das vielleicht am besten eingespielte Doppel der Geschichte. Sie wissen, wie man Doppel-Gold bei Olympia gewinnt. Sie haben es bereits dreimal geschafft. Zum ersten Mal vor 26 Jahren in Sydney.

Die Anlage im Dignity Health Sports Park, wo das Olympia-Turnier in L.A. gespielt wird, liegt zehn Autominuten entfernt vom East Rancho Dominguez Park in Compton. Dort haben Serena und Venus einst mit Vater Richard im Regen geübt, belästigt von Gangstern, und von einem besseren Leben geträumt. Verewigt in „King Richard“ mit Will Smith als Papa Williams, der Kinofilm wurde 2022 mit einem Oscar prämiert.

„Sportlerin, die jetzt Firmengründerin und Geschäftsfrau ist“, heißt es in der Instagram-Selbstbeschreibung von Serena. Vielleicht zum ersten Mal hat sie die Gelegenheit, alles zu verknüpfen und alles zu kontrollieren. „HerStory“ ist noch ein solcher Begriff, den man überall in Indian Wells sieht. Frauen erzählen ihre eigene Geschichte, und das tun die Tennis-Unternehmerinnen Serena und Venus Williams. Die sieht man spätabends in Indian Wells mit zehn Typen in mintgrünen Shirts. Es sind Mitarbeiter einer Getränkefirma, in die Venus investiert hat. Sie plaudert eine halbe Stunde lang mit den Jungs; es geht herzlich, familiär zu. Man gesellt sich zum Tross von Venus und erfährt, dass die aus zwei Gründen Tennis spielt: aus Spaß an der Freude, und weil die Bühne Indian Wells diesen zehn Leuten immens helfe, die Firma aufzubauen und zu vermarkten.

Olympia 2028 ist eine ungleich größere Plattform. Es sind noch mehr als zwei Jahre Zeit, alles vorzubereiten. Der erste Auftritt ist vor diesem Hintergrund letztlich nur einer von mehreren Schritten in Richtung Los Angeles. Größtmögliche Bühne bedeutet dort freilich auch: Risiko des schlimmstmöglichen Scheiterns. Serena will das genau so, vermutet Patrick Mouratoglou, der zehn Jahre lang ihr Trainer war: „Champions wie sie brauchen diesen Kick zwischen Triumph und Desaster. Und zwar ein Leben lang.“

Carlos Alcaraz verwehrt Novak Djokovic den 25. Grand-Slam-Erfolg und schreibt selbst Geschichte: Der 22-Jährige ist nun der jüngste Tennisspieler, der alle vier Major-Titel gewonnen hat. Djokovic bleibt zumindest eine Gewissheit.

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