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03.07.2026
04:00 Uhr
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Kroatien gelingt in der 103. Minute scheinbar der Ausgleich gegen Portugal – aber die Technik meldet sich. Luka Modrić ist raus, Ronaldo schießt ein Tor, auf das er sehr lange gewartet hat.

In der 109. Minute – nicht der Verlängerung, nein, in der 109. Minute der regulären Spielzeit – pfiff der norwegische Schiedsrichter Espen Eskås dieses Spiel ab. Luka Modrić nahm sein Haarband ab und schaute ungläubig. Er war gerade ausgeschieden, mit 40 Jahren werden es seine letzten WM-Minuten gewesen sein, wobei man vor vier Jahren in Katar auch schon gedacht hatte, es seien seine letzten WM-Minuten. Aber Modrić hatte keine Gefühle für Trauer. Er konnte nicht fassen, was er gerade gesehen hatte. Mit seinen 40 Jahren spielte er die vollen 109 Minuten durch – und dann so was. Momente später kam Cristiano Ronaldo zu ihm, um ihn zu umarmen. Die beiden haben bei Real Madrid lange zusammengespielt. Für Ronaldo geht die Reise weiter, Portugal hat dieses Sechzehntelfinale 2:1 gegen Kroatien gewonnen. Aber wie.
Erst schien Ronaldo selbst die Geschichte dieser Partie zu werden. Er spielte lange Zeit mal wieder wie sein eigenes Denkmal, stand also oft rum. Dann kam die 68. Minute, ein Elfmeter. Er trat an, so breitbeinig, wie nur er denkt, dass man Elfmeter schießen muss. Er traf, es war sein allererstes Tor in einem WM-K.-o.-Spiel, er tilgte also einen der letzten weißen Flecken auf seiner Fußballlandkarte. Es war das 1:1, nachdem Ivan Perišić auf Vorlage von Josip Stanišić Kroatien in Führung gebracht hatte.
Die Fußball-Granden betreten ein letztes Mal gemeinsam die WM-Bühne. Über zwei ehemalige Mitspieler, die sehr unterschiedlich auf ihre Teams wirken – und nicht immer viel füreinander übrig hatten.
Dann dachte man, Gonçalo Ramos würde die Geschichte des Spiels werden. Ramos ist der Stürmer, der immer draußen sitzt, weil ja Ronaldo spielen muss. Ramos köpfte in der vierten Minute der Nachspielzeit eine Flanke des starken Rafael Leão zum 2:1 für Portugal ins Netz. Es schien die Entscheidung zu sein, Ronaldo war da längst ausgewechselt.
Aber das Schiedsrichterteam hatte zehn Minuten Nachspielzeit angezeigt. Beide Teams, Portugal und Kroatien, hatten zuvor Tore wegen knapper Abseitspositionen aberkannt bekommen. Es war in der zweiten Halbzeit ein wilder Schlagabtausch gewesen, in dem sich beide Torhüter, besonders aber Portugals Diogo Costa auszeichneten.
Und weil Ramos dann in der Nachspielzeit traf, wurde natürlich auch noch Nachspielzeit auf die Nachspielzeit draufaddiert. Und in der 103. Minute schlug Ivan Perišić noch eine letzte Flanke, sie fand Mario Pašalić, von dem der Ball auf den kurz zuvor erst eingewechselten Joško Gvardiol prallte. Er traf ins Tor. Jubel. Ekstase. Modrić wurde 20 Jahre jünger.
Aber dann meldete sich erneut der VAR. Stand Gvardiols Vorbereiter Pašalić im Abseits? Erst schien es, dass der Ball vom Rücken eines Portugiesen zu ihm gelangt sei. Oder war Freiburgs Igor Matanović noch dran gewesen? Im Ball ist ein Chip, ein 500-Hertz-Bewegungssensor. Und als Eskås zum Bildschirm ging, um die Szene zu überprüfen, zeigte der mit einer Kurve an, dass Matanović beim Kopfballversuch mit seinen Haaren am Ball gewesen sein musste. Das gilt als Berührung durch den eigenen Mitspieler, Pašalić war damit vor Gvardiols Treffer im Abseits. Das Tor zählte nicht. Ronaldo ballte beide Fäuste, Modrić winkte ab. Eskås pfiff noch mal an, Modrić kam noch mal an den Ball, aber dann war Schluss.
„Man denkt, man hat getroffen und man freut sich – und dann kommt der VAR“, sagte später Kroatiens Nationaltrainer Zlatko Dalić. Man habe gesehen, „in welchem Ausmaß Emotionen gekillt werden. Das nimmt einem den Spaß am Fußball“, sagte der Coach. Der VAR könne manchmal hilfreich sein. „Aber es killt die Emotionen, das ist nicht leicht, damit umzugehen. Der Fußball sollte fair sein, aber mit VAR sind wir zu weit gegangen“, sagte Dalić.
Luka Modrić übte deutliche Kritik: Der Schiedsrichter habe gesagt, „er habe den Ball berührt, aber wir haben uns die Wiederholungen angesehen, und man kann nirgendwo sehen, dass er den Ball berührt“, so Modrić. Auch den Elfmeterpfiff für die Portugiesen könne er nicht nachvollziehen: „Ich glaube, wäre es andersherum gewesen, der VAR wäre niemals eingeschritten.“
Portugals Trainer Roberto Martínez verwies auf den Chip im Ball. „Es ist klar, warum sich der VAR einschaltete. Der Sensor zeigte an, dass der Ball berührt wurde. Das ist eines der Beispiele, das zeigt, wie Technologie dem Sport hilft“, sagte er. „Der Chip bewies, dass erst Matanović am Ball war, und deshalb war es Abseits. Es ist schade, dass es heute einen Verlierer geben musste, aber es war keine Fehlentscheidung.“
Portugal trifft damit im Achtelfinale auf Spanien. Kroatien, das bei den vergangenen beiden Weltmeisterschaften den zweiten und den dritten Platz belegt hatte (und das mit nur 3,8 Millionen Einwohnern damit die im Verhältnis zur Bevölkerungszahl wohl beste Fußballnation der Welt ist), ist raus. Ronaldo darf damit weiter Rekorde jagen. Seinen heiß ersehnten K.-o.-Runden-Treffer hat er nun, und mit 26 WM-Spielen zieht er an Lothar Matthäus vorbei. Nur seine ewige Nemesis Lionel Messi ist in dieser Kategorie noch vor ihm.
Für die Portugiesen war es ohnehin ein besonderes, ein emotionales Spiel. Vor genau einem Jahr war ihr Mannschaftskamerad Diogo Jota bei einem Autounfall tödlich verunglückt. Bei diesem Turnier sei „jeder Tag schwierig“ für sein Team, sagte zuletzt Trainer Roberto Martínez. „Denn in jedem Training gibt es Momente, in denen Diogo Jota wieder in unseren Erinnerungen ist.“ Aber: „Diogo ist unser Licht. Er wollte die Weltmeisterschaft gewinnen. Und das ist nun gewissermaßen zu einer Verpflichtung und zu einem Vorbild für uns geworden.“
Portugal begann jedenfalls so, wie es dem Offensivspieler Jota gefallen hätte: dominant und spielbestimmend. Schon in der dritten Minute spielte Nuno Mendes mit einem Steilpass Rafael Leão frei, dessen Hereingabe Bruno Fernandes nicht im Tor unterbrachte. Dominik Livaković hielt. Beim ersten Ballkontakt von Ronaldo buhte das kroatische Publikum, und es zog die Bekundung des Missfallens auch durch, als Ronaldo in der neunten Minute seine erste Minichance hatte. Er kam aber nicht richtig zum Kopfball.
Ronaldos nächster Versuch war einer dieser Freistöße, die er trotz seiner überschaubaren Erfolgsquote immer noch schießen darf. Er knallte den Ball zentral in die Mauer und traf dabei den ehemaligen Dortmunder Marin Pongračić an der Leiste. In der 30. Minute hatte er noch seine bis dahin beste Chance: Nach einem Diagonalpass von João Cancelo rutschte er, vom Münchner Stanišić bewacht, am Ball vorbei.
Was lief für die deutsche Nationalmannschaft bei der WM schief? Was war eigentlich der Plan? Und was waren die Fehler des Bundestrainers? Ein Erklärungsversuch.
Kroatiens Trainer Zlatko Dalić erlaubte sich übrigens bei der Bewachung des eigenen Tores einen eigentlich unerhörten Luxus. Er setzte in Luka Vušković und Gvardiol mal eben ungefähr 130 Millionen Euro Abwehr-Marktwert auf die Bank. Das Ziel, kein Tor zuzulassen, klappte zunächst trotzdem, weil Fernandes (33.) und Leão per Direktabnahme in der Nachspielzeit der ersten Halbzeit erneut gute Chancen ausließen. Portugal war nach 45 Minuten in fast allen Werten überlegen, Kroatien hatte überhaupt nur zwei Abschlüsse.
Doch Kroatien kam offensiver aus der Kabine, Mateo Kovačić hatte direkt die mit Abstand beste Chance, seinen Schuss aufs kurze Eck wehrte Costa noch ab. Es folgte in Halbzeit zwei ein Feuerwerk an Chancen, in der 57. Minute zählte Matanovićs Tor wegen Abseits nicht, eine Minute später knallte Leão einen Schuss an die Latte, kurz darauf wurde Ronaldo ein Tor wegen Abseits aberkannt. Nach Perišićs Führung und Ronaldos Ausgleich per Elfmeter scheiterte der mittlerweile überragende Kovačić zweimal und Matanović einmal an Portugals Torhüter Costa. Petar Sučić freute sich schon per Babyjubel über das 2:1, aber auch er stand im Abseits. All das war nur die Ouvertüre für die Schlussphase dieser völlig verrückten Partie.
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