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20.03.2026
16:27 Uhr
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Insgesamt ist die Zahl der Straftaten in München im Jahr 2025 leicht gesunken. Doch gerade im Gewaltbereich sind die Zahlen alarmierend. Auch die Zahl politisch motivierter Taten steigt.

Die Zahl der Straftaten in München ist im Jahr 2025 im Vergleich zum Vorjahr leicht zurückgegangen. Dies berichtete Polizeipräsident Thomas Hampel bei der Vorstellung des Sicherheitsreports am Freitagnachmittag. Demnach sank die Zahl der polizeilich relevanten Taten von 100 338 auf 98 478, was einem Rückgang von 1,8 Prozent entspricht. Damit bleibt die Stadt leicht hinter dem Trend den ganzen Freistaat betreffend zurück. Hier sank die Kriminalitätsrate um 3,3 Prozent, wie Innenminister Joachim Herrmann (CSU) bereits am Montag bekanntgab.
Von allen angezeigten Straftaten wurden 62,9 Prozent aufgeklärt, 2,6 Prozentpunkte mehr als im vergangenen Jahr. Dies sei „ein erfreulicher Erfolg für die konsequente Ermittlungsarbeit“, so Polizeipräsident Hampel.
Der Sicherheitsreport ist ebenso wie die polizeiliche Kriminalstatistik (PKS), aus der die Zahlen für Bayern stammen, nur begrenzt aussagekräftig: Sie verzeichnen alle Vorgänge, bei denen die Polizei tätig geworden ist. Wie die Verfahren später ausgehen, ob es zu einer Verurteilung kommt oder sie auf andere Weise beendet werden – Freispruch, Einstellung, Schuldunfähigkeit –, darüber sagen die Statistiken nichts. Dennoch lassen sich anhand der Zahlen im Jahresvergleich Trends und Entwicklungen erkennen.
Am meisten Aufsehen erregt hat gewiss der islamistisch motivierte Anschlag auf einen Demonstrationszug in der Seidlstraße vom 13. Februar 2025. Ein Mann hatte ein Auto von hinten bewusst in die Menschenansammlung gelenkt. 44 Menschen wurden verletzt; eine Frau und ihr zweijähriges Kind starben. Die Hauptverhandlung vor dem Staatsschutzsenat des Oberlandesgerichts München begann am 16. Januar 2026. Die Anklage wirft dem Angeklagten zweifachen Mord und 44-fachen versuchten Mord vor.
An Tag 17 wird ein Ausschnitt der polizeilichen Vernehmung des Angeklagten abgespielt. Über die Hintergründe der Tat erfährt man dadurch aber wenig, dafür über den Zustand des Attentäters. Die SZ dokumentiert jeden einzelnen Prozesstag.
Die sogenannten „Straftaten gegen das Leben“ haben 2025 im Vergleich zum Jahr davor exorbitant zugenommen. 54 Taten verzeichnet die Statistik gegenüber 28 im Jahr 2024 – das ist eine Zunahme von 92,9 Prozent. Allerdings war die Zahl der Fälle im Jahr 2024 die niedrigste seit zehn Jahren. Im langfristigen Mittel liegt die Zahl der Tötungsdelikte in München bei etwa 40 pro Jahr. In 43 Fällen lautet der Tatvorwurf auf Mord – 28 Taten und 186,7 Prozent mehr als 2024.
Die häufigsten Taten in der Polizei-Statistik sind traditionell die Gewaltdelikte – so auch 2025. Der Bericht weist 5133 Fälle aus, das sind 2,0 Prozent mehr als 2024. Der Großteil davon sind schwere oder gefährliche Körperverletzungen mit 3882 Fällen (plus 3,2 Prozent). Die Zahl der Raubdelikte hingegen ging zurück – von 822 im Jahr 2024 auf 695, ein Minus von 15,5 Prozent.
Gewaltdelikte mit sexuellem Hintergrund – etwa Vergewaltigung oder schwere sexuelle Nötigung – stiegen im Vorjahresvergleich um 22,8 Prozent auf 383 Fälle. Seit 2021 stieg die Zahl sogar um 66,5 Prozent. An sämtlichen „Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung“ verzeichnet der Bericht 3294 – dazu gehört zusätzlich noch etwa Exhibitionismus oder sexueller Missbrauch von Kindern. Bei diesem Tatbestand stieg die Zahl der Fälle auf 258, das sind 65,4 Prozent mehr als im Vorjahr.
Erschreckender fiel die Statistik nur bei allen Straftaten aus, die mit Kinderpornografie zu tun haben: 1181 gegenüber 351 im Vorjahr, das ist eine Steigerung um 236,5 Prozent. Bei Vergewaltigungen wies Polizeipräsident Hampel darauf hin, dass in rund drei Viertel der Fälle eine Vorbeziehung zwischen Täter und Opfer besteht: „Schwere Sexualdelikte im öffentlichen Raum, bei denen Frauen zufällig Opfer werden, sind die Ausnahme.“
Bei den insgesamt 2028 politisch motivierten Straftaten wurden im vergangenen Jahr 793 dem rechten Spektrum zugeordnet (Vorjahr 755), mehr als doppelt so viele wie dem linken mit 362 Taten (Vorjahr 197). Einer ausländischen Ideologie wurde 283 Taten zugerechnet, 50 einer religiösen. Auch bei politisch motivierten Gewaltdelikten liegen die Rechten vorn, die Zahl ist allerdings von 64 auf 46 gesunken. Dem linken Spektrum zugeordnet wird eine Vielzahl von Brandstiftungen auf Einrichtungen der kritischen Infrastruktur, etwa auf die Diensthunde- und die Reiterstaffel des Polizeipräsidiums. Ein Tatverdächtiger wartet derzeit auf seinen Prozess, ob der Gesamtkomplex dadurch aufgeklärt wird, ist fraglich.
Die Zahl der Kinder, Jugendlichen und Heranwachsenden unter den Tatverdächtigen ist ungefähr gleich geblieben, sie liegt bei 8453 gegenüber 8419 im vergangenen Jahr. Dabei sind die Zahlen bei Kindern (minus 7,0 Prozent) und Jugendlichen (minus 4,1 Prozent) rückläufig. Hingegen steigt die Zahl der Tatverdächtigen bei den Heranwachsenden, also bei Personen, die zwischen 18 und 21 Jahre alt sind auf 3566, ein Plus von 8,7 Prozent.
Unter dem Stichwort „Besondere Einsatzlagen“ führt der Sicherheitsreport eine Tat in der Lerchenau an, die allerdings unmittelbare Auswirkungen auf das gleichzeitig laufende Oktoberfest hatte: Am 1. Oktober hatte ein Mann das Wohnhaus seiner Eltern in Brand gesetzt und zuvor seinen Vater erschossen, seine Mutter und seine Tochter durch einen Schuss schwer verletzt. Auf der Flucht wurde er von Polizisten gestellt und erschoss sich vor ihren Augen. Danach fanden die Ermittler einen Brief, der als Bombendrohung gegen das Oktoberfest angesehen wurde. Daraufhin beschlossen die Behörden, die Theresienwiese zu räumen. Dies geschah einigermaßen ruhig und gesittet. Bomben wurden nicht gefunden.
Der Zuständigkeitsbereich des Polizeipräsidiums München ist die Stadt und der Landkreis mit zusammen etwa 1,96 Millionen Einwohnern. 5426 Vollzugsbeamte und -beamtinnen kümmern sich um die Sicherheit der Bevölkerung, davon sind 1523 weiblich. Bei den Beamtinnen und Beamten der Kriminalpolizei sind 426 der 1314 Mitarbeitenden weiblich.
Ein Gespräch mit Fabian Frese über Rassismus unter Kollegen, seinen Frust bei der Aufklärungsarbeit und darüber, warum ein großer Teil der Polizeibeamten ein durchaus ambivalentes Verhältnis zu autoritären Haltungen hat.
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