SZ 13.07.2026
09:57 Uhr

(+) Oberlandesgericht München: Irakisches Ehepaar wegen Völkermordes verurteilt


Die Bundesanwaltschaft warf dem Paar unter anderem Kriegsverbrechen, Völkermord und Verbrechen gegen die Menschlichkeit vor, dazu schweren sexuellen Missbrauch von Kindern.

(+) Oberlandesgericht München: Irakisches Ehepaar wegen Völkermordes verurteilt

Ein irakisches Ehepaar ist wegen der Versklavung jesidischer Mädchen und Mitgliedschaft in der Terrorvereinigung Islamischer Staat (IS) verurteilt worden.

Das Oberlandesgericht (OLG) München verhängte eine lebenslange Freiheitsstrafe gegen den Mann und eine Jugendstrafe von neuneinhalb Jahren gegen die Frau – unter anderem wegen Völkermordes, Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit. Das Gericht sieht es als erwiesen an, dass das Paar im Irak zwei jesidische Mädchen als Sklavinnen kaufte und ausbeutete. Nach Überzeugung des Gerichts missbrauchte der Mann die Kinder zudem sexuell. Zuvor hatte er als Friseur in München gearbeitet; später soll er sich in einer Moschee radikalisiert haben.

„Die monströse Gewalt liegt so fern jeglicher Menschlichkeit, dass sie unwirklich erscheint“, hatte die Vertreterin des Generalbundesanwalts erklärt. Alles habe dem Ziel des IS gedient, den jesidischen Glauben zu vernichten. Die heute 30-jährige Frau, die inzwischen von dem Mann getrennt ist, hatte sich im Prozess entschuldigt und in ihrem letzten Wort gesagt: „Es tut mir leid.“ Der Mann hatte sich vor Gericht nicht äußern wollen.

In Raum B277 des OLG München müssen sich zwei Angeklagte für Verbrechen verantworten, die sie Tausende Kilometer von hier verübt haben sollen. Aber wenn die junge Jesidin erzählt von der Gewalt und der Verachtung des IS, ist plötzlich alles ganz nah.

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