Eine ganze Nacht hindurch ist Friedrich Merz mit dem Zug nach Kiew gereist, aber um im Grauen des Krieges anzukommen, genügen ein paar Sekunden. Es ist ein freundlicher Sonntag im Frühherbst, der Himmel blau, die Sonne strahlt, und der Bundeskanzler blickt auf einen Baum, der nie wieder grüne Blätter tragen wird. Merz ist hier verabredet mit Wolodimir Selenskij. Der Präsident zeigt dem Kanzler und der in die Ukraine mitgereisten Wirtschaftsministerin Katherina Reiche die frische Ruine des historischen Gebäudes der Nationalen Akademie der Wissenschaften. Erst am Montag war hier eine russische Jetdrohne eingeschlagen. Zwei Menschen wurden getötet, sieben verletzt. Als Präsident und Kanzler sich dem verkohlten Bau nähern, ertönt schon wieder Alarm. Alltag in Kiew im fünften Jahr des russischen Angriffskrieges.
