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23.04.2026
09:08 Uhr
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64 von 66 möglichen Punkten, 84:8 Tore: Die Münchnerinnen sind national eine Großmacht, die vierte Meisterschaft in Serie ist die logische Konsequenz – fehlt nur noch ein internationaler Glanzpunkt.

Zur Faszination des Fußballs gehört, dass es manchmal besonders kitschig zugeht. Plötzlich strahlen Protagonisten über beide Wangen, die gerade noch verletzt waren. Für die Fußballerinnen des FC Bayern, deren Meisterschaft sich seit Monaten abgezeichnet hat, hielt das Drehbuch dieser Saison jedenfalls noch eine besondere Pointe bereit: Ausgerechnet die seit Anfang März angeschlagene Klara Bühl und Giulia Gwinn (zuletzt mit ausgekugelter Schulter) sollten in Koproduktion den Siegtreffer bei Union Berlin zum 3:2 aufführen. Die Maßflanke der Außenstürmerin Bühl verwertete die eingewechselte Verteidigerin Gwinn mit einer Volleyabnahme (84.) und machte die Bayern damit vorzeitig zum Meister.
„Wir haben vorhin tatsächlich ein bisschen Späße gemacht“, verriet Gwinn hinterher: „Wäre doch schön, wenn wir es entscheiden.“ Und so kam es. National sind die Bayern seit Jahren eine Großmacht. Mit dem 19. Ligasieg in Serie purzeln auf vielen Ebenen die Rekorde. „Der Zug hat keine Bremse“, dröhnte es aus der Musikbox, als die Spielerinnen mit einer Attrappe der Meisterschale durch die Katakomben der Alten Försterei tanzten.
Nationalspielerin Klara Bühl spricht zum Bundesligastart über ihre Erwartungen an die neue Saison. Sie erklärt, welche Schlüsse das DFB-Team aus der Fußball-EM ziehen sollte – und erzählt, warum sie beim FC Bayern geblieben ist.
Präsident Herbert Hainer nannte die vierte deutsche Meisterschaft hintereinander „die nächste historische Großtat“. Die parallel beim Pokal-Halbfinale der Männer in Leverkusen weilenden Vorstandsbosse bauten sogleich die Brücke zwischen den Geschlechtern. „Das Männerteam ist deutscher Meister, wenige Tage später ziehen nun die Frauen mit der Schale nach: Unsere Fans können sehr stolz sein“, bekundete Sportvorstand Max Eberl. Und Chef Jan-Christian Dreesen lobte: „Die FC-Bayern-Frauen setzen Saison für Saison neue Maßstäbe.“
Genau wie die Männer spielen auch sie längst in einer eigenen Liga. Wobei die Überlegenheit bei aktuell 64 von 66 möglichen Punkten und einem Torverhältnis von 84:8 noch erdrückender wirkt. Trainer José Barcala hat dieses namhaft besetzte Ensemble bei aller individuellen Qualität noch einmal weiterentwickelt. Seine Spielerinnen funktionieren im Kollektiv mühelos, sie lieferten auch im stimmungsvollen Ambiente vor mehr als 13 000 Zuschauern gegen die Berlinerinnen wieder die letzte Antwort.
„Wir haben jedem Spiel dominant unseren Stempel aufgedrückt“, freute sich Gwinn. Im Ballbesitz hat sich ihr Team unter dem spanischen Coach noch mal verbessert, weist die beste Pass- und Zweikampfquote auf und führt nebenbei die Fairplay-Wertung an. Mit dem siebten Titel seit Gründung der Frauen-Bundesliga 1990 haben die Bayern überdies mit dem 1. FFC Frankfurt und VfL Wolfsburg gleichgezogen. Rekordmeister ist immer noch die SSG Bergisch Gladbach mit neun Titeln – eine Reminiszenz an eine von amateurhaften Strukturen geprägten Epoche, als die meisten Lizenzvereine über den Frauenfußball nur abfällig die Nase rümpften. Der FC Bayern unterhält diese Abteilung zwar seit 1970, es dauerte allerdings ewig, bis die stiefmütterliche Behandlung endete. Heute bildet der Klub wirtschaftlich wie sportlich die Benchmark.
Bundestrainer Christian Wück sagte: Die Spielerinnen hätten mit ihren Leistungen „auf höchstem Niveau Maßstäbe gesetzt, die auch für die Nationalmannschaft von großer Bedeutung sind“. Der von Wück explizit belobigte Kollege Barcala blieb wie gewohnt bescheiden. „Ich fühle mich dankbar und stolz. Das ist eine große Belohnung nach einer langen Reise“, sagte der 44-Jährige, der im roten Meisterinnen-Shirt selig lächelte. Ihn schien auch nicht zu stören, dass die bayerischen Festwochen von gewisser Enthaltsamkeit geprägt sind.
Genau wie vor vier Tagen die Männer verzichteten auch die Frauen auf jegliche Sekt- oder Bierduschen. Gwinn kündigte zwar an, beim Rückflug vielleicht das „eine oder andere Radler“ zu trinken, doch Sportdirektorin Bianca Rech hatte unmissverständlich noch in Berlin das Feierverbot ausgesprochen: „Party wird es keine geben. Wir wollen uns hochprofessionell vorbereiten.“ Zu wichtig ist das Halbfinale der Champions League gegen den FC Barcelona in der Münchner Arena an diesem Samstag (18.15 Uhr/ZDF und Disney+). Auf eine „noch größere Saison“ hofft ja nicht nur Rech, auch DFB-Kapitänin Gwinn hat „Lust auf mehr“. Und Klara Bühl bekundete: „Wir träumen schon lange vom Finale.“
Welches Kaliber die Katalaninnen darstellen, zeigte die 1:7-Lehrstunde zum Auftakt der Ligaphase. Nur zweimal sind die Münchnerinnen bislang unter die Top vier im europäischen Vereinsfußball vorgestoßen. 2019, als Barcelona (0:1, 0:1) zu stark war. Und 2021, als der FC Chelsea (2:1, 1:4) das Stoppschild aufstellte. Damals traute sich der FC Bayern noch nicht den Umzug in die Arena, sondern war auf dem Campus verblieben. Jetzt sind mehr als 20 000 Tickets verkauft. Und der FC Bayern macht weiter mobil, um jene 25 000 Menschen zu übertreffen, die zum Viertelfinale gegen ManUnited kamen.
Unabhängig von der Resonanz auf den Rängen: Es wird verdammt schwierig, auf internationaler Bühne zu reüssieren. Im anderen Halbfinale duellieren sich mit Titelverteidiger Arsenal und Rekordgewinner Lyon zwei weitere Marken, die erhebliche Investitionen tätigen. Realistischer ist für den deutschen Primus daher das nationale Double. Am 14. Mai steigt das Pokalfinale gegen den VfL Wolfsburg, der nach einem 0:0 im Nachholspiel bei Werder Bremen in der Liga 15 Punkte im Hintertreffen liegt.
Lange hatte sich VfL-Anführerin Alexandra Popp gegen den Branchenbegriff der „Wachablösung“ gewehrt. Inzwischen akzeptiert die 35-Jährige, die ab Sommer ein neues Kapitel bei Borussia Dortmund aufschlägt, die neuen Machtverhältnisse. „Man muss anerkennen, dass sie sehr gute Arbeit machen, wo relativ viel schnell funktioniert.“ Sie selbst hat nach einem Muskelfaserriss in der Wade alles darauf ausgerichtet, in Köln dann wieder auf dem Platz zu stehen. Da will eine dem FC Bayern wenigstens noch einmal die Stirn bieten. Es wäre die nächste kitschige Schlusspointe.
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