SZ 14.04.2026
20:27 Uhr

(+) Maibockanstich im Hofbräuhaus: Von Hengersberg bis zur Straße von Hormus


Ob Kommunalwahl oder Ölknappheit: Der Derblecker Django Asül spannt bei seinem 16. Auftritt im Hofbräuhaus ein besonders breites Themenspektrum auf. Das Promi-Publikum, die Krisen der Politik und die in Berlin mitregierende CSU liefern ihm die Vorlagen.

(+) Maibockanstich im Hofbräuhaus: Von Hengersberg bis zur Straße von Hormus
Dienstältester Starkbierredner: Django Asül hat mittlerweile große Erfahrung als Fastenprediger im Hofbräuhaus. Robert Haas

Diesmal also wieder mit dem Protagonisten. Im vergangenen Jahr hatte der Maibockanstich, neben dem Nockherberg Münchens zweite große Starkbier-Derbleck-Show, ein Dilemma: Die Koalitionsverhandlungen nach der Bundestagswahl fanden zur selben Zeit statt. Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) hatte sich den Termin zwar eigens ausbedungen, war dann aber doch in Berlin gefangen. Die Aufzeichnung aus der Heimat sah er sich zwar angeblich noch in der Nacht an. Aber Re-Live aus großer Distanz – das ist dann doch etwas anderes. Für den Derbleckten ebenso wie für den Derblecker.

Diesmal also wieder das gewohnte Miteinander. Einmarsch mit „Erzherzog-Albrecht-Marsch“, gespielt von den „Holledauer Hopfareisser“ in großer Besetzung. Und mittendrin beim großen Hallo mit mehr als 500 geladenen Gästen: Bayerns Nummer eins mit seiner Frau.

Für den Festredner des Abends war das natürlich ein Glück. Seit 2008 spricht der aus Niederbayern stammende Kabarettist Django Asül bei dem Anlass. Inzwischen hat er in der Rolle viel Erfahrung gesammelt.

Wie der umsichtige Spielmacher einer Fußballmannschaft setzt er seine Pointen. Und Söder bietet einen Ausgangspunkt, von dem aus sich die Bälle in viele Richtungen verteilen lassen.

Richtung Bundespolitik. Richtung Landespolitik. Richtung Kommunalpolitik (unter besonderer Berücksichtigung von Asüls Heimatort Hengersberg). Und sogar Richtung Weltpolitik: „Die CSU-Idee der Ausländermaut wurde nicht nur hart kritisiert, sondern verunglimpft bis zum Gehtnichtmehr. Wo wird dieses Konzept aber jetzt mit großem Erfolg umgesetzt? In der Straße von Hormus. Und selbstlos wie die CSU nun mal ist, will sie dafür nicht mal eine Lizenzgebühr.“

Ministerpräsident Söder als Mondreisenbeschleuniger, Freie-Wähler-Chef Aiwanger in ungewohnter Null-Promille-Rolle und „plempi passati“ zu Münchens abgewähltem OB Reiter: Die besten Sprüche von Django Asül beim Maibockanstich im Hofbräuhaus.

So weitgespannt wie dieses Mal war das Themenspektrum in den 16 Asül-Jahren selten. Dass die CSU in Berlin wieder mitregiert, ist Kabarettisten-Glück. Dass die Veranstaltung nach den Kommunalwahlen stattfand und nicht wie die am Nockherberg kurz zuvor, ebenfalls.

Auch die Aktualität findet Beachtung: „Die Ölmultis sind bestens vernetzt. In Bayern können sich Shell und Konsorten speziell heute zum Beispiel auf die Unterstützung der Gewerkschaft Verdi verlassen. Von Schweinfurt bis München, von Passau bis Augsburg stehen heute Busse und U-Bahnen. Das heißt: Ein Großteil der Pendler muss aufs Auto umsteigen.“

Es ist ein Vortrag in gewohnter Manier. Den Bayerischen Verdienstorden hat Django Asül schon (seit 2018), den Bayerischen Kulturpreis (2019) und den Bayerischen Kabarettpreis (2021) auch, er ist als offizieller Heimatbotschafter ernannt (2022) und Träger des Bayerischen Verfassungsordens (seit 2025). Mehr staatliche Ehre ist schwer vorstellbar.

Als dienstältester Starkbierredner bei der – ebenfalls staatlichen Hofbräu – arbeitet er sich diese Mal besonders an Freie-Wähler-Chef und Vize-Ministerpräsident Hubert Aiwanger ab: „Wenn Ästhetik reichen würde, wäre der Hubert längst Bundeskanzler.“

Zusammen mit dem Hausherrn, Bayerns Finanzminister Albert Füracker, dessen Begrüßungsrede auch dieses Mal fernsehtauglich launig ausfiel („einsam ist der Mensch erst, wenn er vom Finanzamt vergessen wird“), bildet Asül die Konstanten der Veranstaltung. Veränderungen finden schon statt, aber hauptsächlich im Drumherum.

Im vergangenen Jahr hatte Kabarettistin Kathi Wolf einen Auftritt. Als Kellnerin Kathi mahnte sie das Publikum unter anderem: „Behaltet eure Griffel bei euch! Ihr seid’s im Wirtshaus, nicht im Streichelzoo!“ Das Bemühen, die Show um eine weibliche Perspektive zu erweitern, war deutlich spürbar. Wirklich zünden konnte die Idee beim – überwiegend männlichen – Publikum im Saal aber nicht.

In diesem Jahr wurden Karin Obermaier und Judith Ruhland geladen, die das Duo „Lausdeandl“ bilden. Ihre zwei Auftritte – mit den Titeln „Hawed’ehre“ und „Sie ist deppert, er ist deppert“ – rahmten Fürackers Begrüßung ein.

Akkordeon, Trompete, zweistimmiger Gesang, bodenständiger Charme und augenzwinkernder Humor: So beschreiben sich die beiden selbst. Womit auch ziemlich genau beschrieben ist, worin sich der Charakter des staatlich orchestrierten Maibockanstichs von dem der privatwirtschaftlichen Konkurrenz der Salvatorprobe mit bisweilen bitterbösen Singspielen auf dem Nockherberg unterscheidet.

Zum ersten Mal seit einem Vierteljahrhundert fand die Veranstaltung im Festsaal des Hofbräuhauses unter einem neuen Brauerei-Direktor statt: Jörg Lehmann hat das Amt im Januar von Michael Möller übernommen.

„Wenn man zum Maibockanstich hier stehen darf, ist man endgültig angekommen“, so der in Berlin geborene Lehmann: „Auch der erste Maibock-Braumeister von Hofbräu kam aus dem Norden nach München – so wie ich. Offenbar hat München seit jeher ein gutes Händchen darin, norddeutsche Fachkräfte gut zu integrieren.“

Dass sich das Event unter ihm grundlegend ändert, steht nicht zu erwarten. Django Asül beendete seine Rede jedenfalls mit der Wendung, wenn es gefallen habe, könne man sich ja im kommenden Jahr wiedersehen. Stehend vorgetragen wurde der Applaus daraufhin in diesem Jahr allerdings nicht.

Meeresbiologin Fiona-Elaine Strasser arbeitet dort, wo andere Urlaub machen. Warum ihr Leben nicht immer so märchenhaft ist, wie es auf Instagram aussieht und wieso die größten Meeressäuger wie der gestrandete Buckelwal in der Ostsee Menschen so faszinieren.

Lesen Sie mehr zum Thema

In anspruchsvollen Berufsfeldern im Stellenmarkt der SZ.

Sie möchten die digitalen Produkte der SZ mit uns weiterentwickeln? Bewerben Sie sich jetzt!Jobs bei der SZ Digitale Medien

Exklusive Gutscheine für SZ-Abonnenten: