SZ 22.04.2026
09:55 Uhr

(+) Krieg in Nahost und seine Folgen: Das Kerosin ist knapp? Verzichtet auf Urlaubsflüge


Inlandsflüge wegen Kerosin-Knappheit verbieten? Solch ein Unsinn. Wenn man etwas streichen sollten, dann Urlaubsflüge. Auch für Gutverdiener.

(+) Krieg in Nahost und seine Folgen: Das Kerosin ist knapp? Verzichtet auf Urlaubsflüge

Wenn es so weitergeht, könnte Deutschland in einigen Wochen der Kerosin-Mangel drohen – und das passend zum Start in die Sommerferien und damit in die Urlaubszeit. Davor warnen inzwischen gleich zwei Luftfahrtverbände und sagen, dass es dann auch zu Einschnitten im Flugverkehr kommen könnte. Heißt: Wenn nicht mehr genug Sprit für alle da ist, müssen einige und am Ende sogar alle Flieger am Boden bleiben. Und auch wenn noch nicht klar ist, ob es wirklich so weit kommt, allein die Warnung wirft unweigerlich eine Frage auf, die Deutschland so tief spalten dürfte, wie sonst nur die Debatte um ein Tempolimit auf Autobahnen: Welche Flüge würden als Erste gestrichen werden – und welche dürften weiterhin starten?

Eine Methode das zu entscheiden, wäre, es einfach den Markt regeln zu lassen. Doch das wäre falsch. Denn dann würde es wohl zuerst die Inlandsflüge treffen, denn man kann von Berlin nach München oder von Frankfurt nach Hamburg auch den Zug nehmen, das ist auch umweltfreundlicher. Doch Inlandsflüge verursachen nur einen minimalen Anteil am gesamten deutschen Kerosinverbrauch. Außerdem sind die meisten Inlandsflüge keine Urlaubs-, sondern Geschäftsreisen. Nimmt man an, dass Berater, Managerinnen und sonstige Geschäftsleute nicht nur zum Spaß durch die Gegend fliegen, sind das also Reisen, die tatsächlich einen Nutzen für die Wirtschaft und damit den Erhalt des Wohlstands in Deutschland haben. Und dass es da Nachholbedarf gibt, zeigen jedes Jahr mehrfach die immer wieder enttäuschenden Konjunkturprognosen.

Statt der Inlandsflüge sollten deshalb lieber die Urlaubsflüge zuerst gestrichen oder zumindest eingeschränkt werden. Denn es gibt in Deutschland zwar das Recht auf Urlaub. Es gibt aber sicher kein Recht auf Flugreisen nach Spanien oder Italien – wohin man übrigens ebenfalls den Zug nehmen könnte – und schon gar nicht in die USA, nach Thailand oder auf die Malediven. Auch wenn die Gesellschaft sich an solche Reisen gewöhnt haben mag, sind sie doch purer Luxus. Diesen zumindest teilweise zu streichen, wäre in einer Notsituation gerechtfertigt.

Nötig wäre das allemal. Denn der Wegfall einiger Flugverbindungen würde nach marktwirtschaftlichen Gegebenheiten auf den verbleibenden Routen zu deutlich höheren Preisen führen. Auch hier wäre es nicht fair, das „den Markt“ regeln zu lassen. Denn unter insgesamt steigenden Preisen würden in der Krise vor allem Menschen mit niedrigeren Einkommen leiden, die für eine Urlaubsreise ohnehin viel länger schuften müssen, als der Manager am Gate nebenan. Um das sozial gerecht zu gestalten, bräuchte es also andere Lösungen, beispielsweise: Lose. Jeder Flug kommt in den Topf und wer gezogen wird, darf zum vorher vereinbarten Preis starten; wer nicht gezogen wird, der muss am Boden bleiben, bekommt aber sein Geld zurück. Das wäre nicht schön, aber wenigstens gerecht(er).

Und bevor nun wieder das Ende aller bürgerlichen Freiheiten heraufbeschworen wird: Ohne Beispiel ist solch ein tiefer Eingriff in die persönliche Mobilität nicht. Als beispielsweise 1973 die Bundesrepublik inmitten der bis dahin größten Ölkrise ihrer Geschichte steckte, setzte die damalige Regierung unter Kanzler Willy Brandt (SPD) ein Sonntags-Fahrverbot durch. Das Argument war damals nicht anders als heute: Damit nicht nur einige einen großen Verlust haben, sollten alle ein bisschen verzichten. Solidarisch, wie eine Gesellschaft sein sollte. Egal, ob Porsche- oder Käfer-Fahrer.

Warum sollte so etwas für einen Sommer nicht auch beim Fliegen möglich sein? Warum sollte sich Deutschland gerade bei Spaßreisen nicht ein wenig einschränken können? Nur im Notfall natürlich und wenn es sein muss. Aber selbst dann: Urlaub machen könnte man trotzdem. Nur halt nicht mit dem Flieger.

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