SZ 08.03.2026
22:00 Uhr

(+) Kommunalwahl in Bamberg: Ex-Ministerin Huml scheitert bei OB-Wahl


In Bamberg war die spannendste OB-Wahl Bayerns angekündigt und es bleibt bis zur letzten Minute knapp. Dann ist klar, dass es für die Kandidaten von Grünen und SPD in die Stichwahl geht.

(+) Kommunalwahl in Bamberg: Ex-Ministerin Huml scheitert bei OB-Wahl

Die frühere Ministerin Melanie Huml von der CSU, der Grünen-Realo Jonas Glüsenkamp und Sebastian Niedermaier, der Biogärtner von der SPD als Bewerber – nach dem Ende der Amtszeit des sozialdemokratischen Langzeitamtsinhabers Andreas Starke, 69, versprach die Oberbürgermeisterwahl in Bamberg eine der spannendsten Abstimmungen bei der diesjährigen Kommunalwahl in Bayern zu werden.

Dieser Eindruck bestätigte sich am Sonntagabend bei der Auszählung der Stimmen, einem engen Rennen mit Führungswechseln, in dem Glüsenkamp zumeist leicht führte – und auch am Ende vorne lag. 30,3 Prozent der Stimmen vereinte der Grünen-Kandidat auf sich, dahinter folgten bei einer höheren Wahlbeteiligung als vor sechs Jahren (2026: 64,3 Prozent, 2020: 55,5 Prozent) Niedermaier mit 29 Prozent und Huml mit 28,2 Prozent. Besonders die Plätze zwei und drei waren lange eng umkämpft, am Ende trennten 281 Stimmen die Bewerber von SPD und CSU. Damit ziehen Glüsenkamp und Niedermaier in die Stichwahl am 22. März ein, während Huml eine schmerzhafte Niederlage erleidet.

Als eine Ursache für ihren Misserfolg machte sie kurz nach Ende der Auszählung „die Uneinigkeit in der CSU“ aus. Die Stadtratsfraktion habe „einen eigenen Wahlkampf geführt“, sagte sie. „Das hat viele Wählerinnen und Wähler irritiert.“

Dass es einen zweiten Wahlgang geben würde, stand angesichts von insgesamt acht, darunter den drei aussichtsreichen OB-Anwärterinnen und -Anwärtern zu erwarten. Nun geht der Wahlkampf in die nächste Runde.

Bis zum ersten Wahlgang am Sonntag gestaltete sich dieser in Bamberg weitgehend respektvoll. Bei einer Podiumsdiskussion vor einigen Wochen bedachten sich die Kandidierenden mit Applaus, nachdem sie ihre Positionen vorgetragen hatten, und taten sich auch nicht schwer, einander glaubhaft zu loben, als es die Moderatoren von ihnen verlangten. Glüsenkamp, bislang Zweiter Bürgermeister, setzte Niedermaier, langjähriges Stadtratsmitglied, gar in seine Top-Zehn-Liste jener Menschen, mit denen er nach dem Wahlkampf eine Kneipentour machen würde.

Inhaltlich grenzten sich Huml, Glüsenkamp und Niedermaier in den vergangenen Wochen nur in Nuancen voneinander ab. So betonten etwa alle, die Wirtschaft stärken und Kommunikationswege mit Unternehmen verkürzen zu wollen. Lediglich über das künftig dafür zuständige Gremium herrschte Uneinigkeit. Als weiteres zentrales Problem identifizierten alle Bewerber die Verfügbarkeit bezahlbaren Wohnraums in der Stadt, die unter chronischem Platzmangel leidet.

In Bamberg kämpfen eine Ex-Ministerin, ein Grünen-Realo und ein Öko-SPDler ums OB-Amt. Der Ausgang? So offen wie seit Jahrzehnten nicht.

Etwas turbulenter wurde der Wahlkampf erst in den vergangenen Tagen. Auslöser war eine Einlassung des nach 20 Jahren aus seinem Amt scheidenden und bis dahin auffallend zurückhaltenden OB Andreas Starke (SPD) im Fränkischen Tag. Man dürfe sich „nicht von rechter und populistischer Agitation beeindrucken lassen“, wie sie von der AfD oder von Bambergs unabhängigen Bürgern (BuB) betrieben werde, sagte er und appellierte: „Wählen Sie Demokraten in der Demokratie!“

Hintergrund seines Aufrufs war unter anderem eine Reihe an Forderungen zum Umgang mit dem „Ankerzentrum“, der großen und umstrittenen Erstaufnahmeeinrichtung für Geflüchtete im Bamberger Osten, mit denen die BuB-Stadtratsfraktion vor einem Jahr für Empörung gesorgt hatte – zu den Vorschlägen zählten neben Schwimmbadverboten für männliche Bewohner der Unterkunft auch nächtliche Ausgangssperren.

Bei Bambergs unabhängigen Bürgern, die ebenso wenig wie die AfD einen eigenen OB-Kandidaten stellten, witterte man nach dem Interview mit Verweis auf die Neutralitätspflicht von Amtsträgern eine unerlaubte Einmischung Starkes vor der Wahl. Im Lager von Grünen und SPD taugte dagegen eher das von der CSU im Falle ihres Wahlsiegs angestrebte „bürgerliche Bündnis“ für Kritik, dürften diesem nach freimütiger Auskunft von CSU-Kreischef Gerhard Seitz doch auch BuB angehören.

Das Ergebnis vom Sonntag wird man indes auch in der Staatskanzlei zur Kenntnis genommen haben – Huml war die Wunschkandidatin von Ministerpräsident Markus Söder. Dass die 50-Jährige antreten würde, zeichnete sich schon früh ab, gleichwohl hielt sie sich recht lange bedeckt.

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Im Wahlkampf bekam die frühere Europa- und Gesundheitsministerin und heutige Landtagsabgeordnete Huml prominente Unterstützung, etwa von Kabarettistin Monika Gruber, Dressurreiterin und Neu-CSUlerin Lisa Müller und CDU-Generalsekretär Carsten Linnemann. Auch SPD-Kandidat Niedermaier, 37, empfing namhafte Helfer wie Vizekanzler Lars Klingbeil und Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius. Jonas Glüsenkamp dagegen verzichtete darauf, sich mit Grünen-Parteiprominenz sehen zu lassen.

Ohnehin tat der amtierende Personal- und Klimareferent der Stadt einiges, um nicht allzu Grün zu wirken. Der 38-Jährige stand zwar auf Platz zwei der Liste der Partei, trat aber als überparteilicher Kandidat an und auf, und verfasste sein eigenes Wahlprogramm. Inspirieren ließ sich Glüsenkamp dafür bei Bürgerversammlungen. Dem Vorbild Martin Heiligs folgend, der vergangenes Jahr in Würzburg erster bayerischer Grünen-OB wurde und es ähnlich praktiziert hatte, gründete sich überdies die „Wahlinitiative für Jonas Glüsenkamp“, der sich bis zum Wahlsonntag mehr als 300 Bambergerinnen und Bamberger angeschlossen haben.

Mit seiner vereinenden Herangehensweise war Glüsenkamp im Wahlkampf indes nicht alleine, auch Niedermaier wählte einen ähnlichen Ansatz. Er lebe das Überparteiliche, sagte der Sozialdemokrat unter anderem mit Verweis auf seine Familie. Seine Schwester Anna Niedermaier sitzt ebenso wie er im Bamberger Stadtrat – für die CSU.

Er sei als „Underdog“ angetreten, sagte Niedermaier am Sonntagabend. Nun geht der Wahlkampf für ihn weiter. Glüsenkamp will in der Stichwahl mit seinem Amtsbonus punkten, sagte er am Sonntagabend. Vor sechs Jahren scheiterte er in der Stichwahl gegen Amtsinhaber Starke. Jetzt bringe er sechs Jahre Erfahrung als Bürgermeister mit.

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