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25.08.2026
16:08 Uhr
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Julian Draxler ist als einer von wenigen Weltmeistern von 2014 noch immer Profifußballer, in Katar bei Al-Ahli. Er blickt auf die Liga und sein Leben dort, die Zeit bei PSG mit Neymar Jr., Messi und Mbappé – und seine Zukunftspläne.

Zu dem am Abend anstehenden Pokalspiel seines Heimatklubs Schalke 04 beim Halleschen FC hat sich Julian Draxler zwar nicht geäußert, zu dessen Hauptdarsteller dagegen schon. Edin Dzeko, sagte er, sei zeit seiner Karriere „ein absoluter Weltklassestürmer“ gewesen, „und wenn er jetzt auch ein bisschen älter ist – er kann der Mannschaft sehr viel geben und ist immer noch für einige Tore gut“. Prophetische Worte: Ein paar Stunden später schoss Dzeko zwei Tore bei Schalkes 5:2-Sieg in Halle, und an zwei weiteren Treffern war der 40-Jährige wesentlich beteiligt – als Einwechselspieler. Dennoch wurde es ein Pokalabend mit Überlänge und Leidensmustern, die Trainer Miron Muslic für wesenstypisch hält: „Wir sind heute den schwierigen Weg gegangen, den Schalke-Weg – das sind wir gewohnt.“
Möglich, dass Draxler im 5000 Kilometer entfernten Doha seinen Schalkern live zugesehen hat, auch wenn in Katar, wo er seit drei Jahren lebt, im Moment des Abpfiffs die Grenze zu Mitternacht schon lange überschritten war. Über den schwierigen Schalke-Weg braucht ihm ohnehin keiner etwas zu erzählen. Den hat er selbst in den 14 Jahren erlebt, in denen er dem Klub angehörte, bis er Ende August 2015 einigermaßen überstürzt das Weite suchte. Wie sehr ihn der Stress beim damals dauerhaft gehetzten Traditionsklub davontrieb, ließ sich daran erkennen, dass der VfL Wolfsburg sein erster Fluchtpunkt wurde. Von dort gelang ihm der Sprung zu Paris Saint-Germain, wo er 2023 den Dienst quittierte, um anschließend, sicher nicht ganz zufällig, im Herkunftsland des PSG-Finanziers zu landen. An der Quelle sozusagen.
Dort saß er am Montag im quietschgrünen Trikot seines Klubs Al-Ahli beim Medientermin, der ihn mit der SZ zusammenführte, und erzählte erst mal eine Geschichte wie aus den mörderischen Krimis, in der ein Darsteller nach dem anderen um die Ecke gebracht wird. Immer wenn er sich über den Verbleib seiner Kameraden aus dem WM-Team von Rio de Janeiro informiere, sei es wieder einer weniger, sagt er. „Dann ist wieder ein Bild mit einem X versehen – und das heißt Karriereende.“ Zuletzt hatte sich Lukas Podolski abgemeldet, außer den Torhütern Manuel Neuer und Ron-Robert Zieler sind bloß noch vier Feldspieler übrig: Thomas Müller in Vancouver, Matthias Ginter in Freiburg, Mario Götze in Frankfurt – und der bald 33-jährige Julian Draxler in Doha. Dass ein Fußballer am Arabischen Golf seine Karriere ausklingen lässt, das ist nichts Ungewöhnliches. Dass er sich dabei so viel Zeit lässt, schon.
Der spanische Weltmeister Xavi Hernández hat seiner Laufbahn in Barcelona noch vier Fußballerjahre in Katar folgen lassen, Weltmeister Draxler wird es sogar auf fünf Jahre bringen, falls er seinen zwischenzeitlich verlängerten Vertrag erfüllen sollte. Was im Moment nicht unwahrscheinlich ist, denn der in Gladbeck geborene Ex-Nationalspieler (58 Einsätze) findet in dem Zwergstaat am Rande der Brennpunkte im Nahen Osten fast alles vor, was ihn glücklich macht: Er kann unter professionellen Bedingungen Fußball spielen („es gibt nichts oder nur ganz wenig, was ich lieber mache“) – und niemand bedrängt ihn im privaten Leben. Mit seiner Frau und seinen beiden Kindern könne er ungestört vor die Tür gehen, ganz anders, als er es in Frankreich, Deutschland und Portugal erlebt habe. „Ich muss mich nicht verstecken“, sagt er, „es ist das ganz normale Leben, das ich in Europa nie hatte.“ Die Auswirkungen des Iran-Krieges, als im Frühling auch Katar bombardiert wurde, habe er mitbekommen, sagt Draxler, doch seit April sei die Lage so ruhig wie zuvor.
Temperaturen von mehr als 40 Grad, die im Sommer in Doha selbstverständlich sind, verlangsamen naturgemäß den Fußballbetrieb. Die Quatar Stars League ist keine Hochgeschwindigkeitsliga, sie hat bei Weitem nicht so viele internationale Stars zu bieten wie die kostspielig aufgerüstete Konkurrenz im Nachbarland Saudi-Arabien. Und es gibt nicht wenige Regionalliga-Klubs in Deutschland, die mehr Zuschauer haben als die katarischen Spitzenvereine. Doch die Liga sei „positiv verrückt“, findet Draxler: „Es fallen viele Tore, und man weiß nie, was passiert.“ Es sei denn, der Weg führt – wie am vergangenen Samstag – zum Rekordmeister Al-Sadd. Prompt starteten Draxler und Al Ahli mit einer 1:3-Niederlage in die Saison.
Für Julian Draxler ist es kein Problem, dass er in Deutschland tendenziell in Vergessenheit geraten ist. Jogi Löw hielt ihn für einen der talentiertesten Spieler, die ihm je im Nationalteam begegnet sind, der Bundestrainer hatte große Pläne mit ihm. Doch die Karriere des Mittelfeldspielers erfüllte sich nur in Andeutungen. Ungefähr in dem Maße, wie er auf seine Zeit in Paris zurückblickt, als er mit Neymar Jr., Lionel Messi und Kylian Mbappé spielte. Draxler hatte seinen Spaß an der Seite der großen Diven, aber im Konkurrenzkampf geriet er in die zweite Reihe, die Laufbahn stagnierte. Doch für einen Klubwechsel war das Leben in Paris einfach zu gut. „Zu meiner Zeit gab es mehr große Namen und Stars bei PSG“, sagt er jetzt, aber die großen Erfolge seien erst danach gekommen: „Sie geben Luis Enrique und der Vereinsführung absolut recht. Die Rädchen im Team greifen ein bisschen besser zusammen.“
Mancher Fan mag Julian Draxlers Werdegang kritisieren, er selbst kann es einordnen und erscheint nicht unzufrieden. Wenn er eines Tages aufhöre („ein paar Jahre habe ich noch vor mir“), dann würde er sich freuen, als Spieler mit feiner Technik in Erinnerung zu bleiben, sagt er. Aber er will dann ohnehin im Fußball weitermachen: „So was wie Sportdirektor würde mir gefallen.“ Vielleicht ist er dann ja wieder bereit für den schwierigen Schalker Weg.
Julian Draxler über seine Rolle beim Confed Cup, warum er sich neben Debütanten gerne ein bisschen alt fühlt - und wieso ihm der Wechsel nach Paris ebenso gut getan hat wie Felix Magath.
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