SZ 07.10.2026
19:58 Uhr

(+) Israel: „Dieser schwarze Tag des Horrors“: Berlin gedenkt der Opfer des 7. Oktober


Am Jahrestag des Angriffs der Hamas zeigt sich die Politik solidarisch mit Israel. Das Leid der palästinensischen Bevölkerung kommt nur am Rande zur Sprache.

(+) Israel: „Dieser schwarze Tag des Horrors“: Berlin gedenkt der Opfer des 7. Oktober
Wegen der bestialischen Bilder des 7. Oktober wache er noch heute nachts auf, sagte Innenminister Alexander Dobrindt (CSU, Mitte), hier bei der Gedenkveranstaltung auf dem Berliner Bebelplatz.
Foto: Friedrich Bungert

Der dritte Jahrestag des Angriffs der Hamas auf Israel hat am 7. Oktober die politische Tagesordnung in Berlin geprägt. Der Bundestag setzte eine Debatte an, Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) sprach bei einer pro-israelischen Kundgebung. Im Mittelpunkt beider Veranstaltungen standen der Schutz jüdischen Lebens und der Kampf gegen Antisemitismus. Das Leid der palästinensischen Bevölkerung wurde nur am Rande thematisiert. Auch in anderen deutschen Städten gingen Menschen aus Solidarität mit Israel auf die Straße.

Gleichzeitig fanden zahlreiche pro-palästinensische Demonstrationen statt. Zu einer Demonstration in Kreuzberg fand sich auch die schwedische Umweltaktivistin Greta Thunberg ein. Die Veranstaltung wurde von der Polizei später „wegen wiederholt zahlreicher Verstöße gegen die Auflagen und erheblicher Gefährdung der öffentlichen Sicherheit“ beendet.

Die Zahl antisemitischer Vorfälle bleibt auf hohem Niveau. Im Jahr 2025 dokumentierten Meldestellen insgesamt 8725 Fälle. Das geht aus dem Jahresbericht des Bundesverbands der Recherche- und Informationsstellen Antisemitismus hervor. Seit dem 7. Oktober 2023 berichten viele Jüdinnen und Juden, dass sie sich auf den Straßen Deutschlands nicht mehr sicher fühlten. Manche verzichten nach eigenen Angaben darauf, Kippa oder Davidstern sichtbar zu tragen.

Über diese Entwicklung sprach Innenminister Dobrindt bei einer pro-israelischen Kundgebung auf dem Bebelplatz in Berlin, dem historischen Ort der Bücherverbrennung von 1933. Der Platz war in den vergangenen Jahren wiederholt ein Ort von Gedenkveranstaltungen für israelische Geiseln. Dobrindt gilt als langjähriger Unterstützer Israels und jüdischen Lebens in Deutschland. Neben Dobrindt sprachen auch der israelische Botschafter Ron Prosor und Roga Friedmann, die Witwe eines am 7. Oktober 2023 getöteten Israelis.

In seiner Rede wurde Dobrindt persönlich. Er sprach darüber, wie ihn die Bilder des 7. Oktober 2023 verändert hätten. Er wache noch heute nachts auf, sagte der CSU-Politiker – wegen der „bestialischen Bilder des Mordes“. Der Schmerz, sagte Dobrindt, „wird für immer bleiben, den dieser schwarze Tag des Horrors ausgelöst hat.“

Mit Blick auf die Wahlsiege der AfD in Sachsen-Anhalt und der Linken in Berlin zeigte sich der Innenminister alarmiert. „Antisemiten dürfen in Deutschland nie wieder an die Macht, nicht heute, nicht morgen, nicht übermorgen.“ Dafür applaudierten die Teilnehmer der Kundgebung. Seine Kritik richtete er sowohl gegen linken als auch rechten Extremismus. Wer in Deutschland jüdisches Leben angreife, werde erbitterten Widerstand erfahren. Dobrindt kündigte an, Antisemitismus weiter mit allen Mitteln des Rechtsstaats zu bekämpfen.

Auch der Deutsche Bundestag befasste sich mit dem dritten Jahrestag des Angriffs der Hamas auf Israel. Die Abgeordneten aller Fraktionen gedachten der Opfer, in diesem Punkt herrschte parteiübergreifender Konsens. Einige berichteten von Gesprächen mit Angehörigen israelischer Opfer. Sie thematisierten zudem die Bedrohung Israels durch Islamisten und die Gefährdung jüdischen Lebens in Deutschland. Alle Rednerinnen und Redner mahnten die historische Verantwortung Deutschlands an, Jüdinnen und Juden zu schützen.

Abgeordnete von SPD, Grünen und Linken sprachen außerdem über das Leid der palästinensischen Bevölkerung. Das unermessliche Leid in Gaza könne niemanden kaltlassen, sagte die Grünen-Abgeordnete Agnieszka Brugger. Den meisten Menschen fehle es an sauberem Wasser, Grundnahrungsmitteln und medizinischen Gerät. Gleichzeitig betonte sie: „Die Sicherheit der einen Seite kann es nicht geben ohne die Sicherheit der anderen.“ Die Co-Vorsitzende der Linken, Ines Schwerdtner, sprach von „unteilbaren Menschenrechten“. „Sie gelten im Kibbuz Ravid genauso wie in Rafah“, so Schwerdtner.

Im Paul-Löbe-Haus, das neben dem Reichstag liegt, ist aus Anlass des Jahrestages eine Ausstellung zu sehen. Bundestagspräsidentin Julia Klöckner eröffnete sie im Anschluss an die Debatte gemeinsam mit dem israelischen Botschafter. Die Ausstellung dokumentiert den Zeitraum vom Angriff der Hamas am 7. Oktober 2023 bis zur Freilassung der letzten Geisel im Oktober 2025. 733 Tage, zwei Stunden und 35 Minuten: Diese Zeitspanne gab der Ausstellung ihren Titel. Die Zeitreihe an Fotos und Texten zeigt nicht die Gewalt des Angriffs selbst, sondern dessen Folgen für Überlebende und Hinterbliebene.

Das Trauma des 7. Oktober hat die Menschen in Israel verändert: Seit Irene Nurith Cohn Leichenteile barg, fürchtet sie Muslime. Und die Friseurin Tal Weinberger schwatzt nicht mehr mit dem arabischen Straßenarbeiter.

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