SZ 13.05.2026
16:23 Uhr

(+) Historie: Mit Disziplin und Rotwein


Zumindest nachträglich gilt die Große Koalition von 1966 bis 1969 als Erfolgsgeschichte. Was aber hatte sie, was ihrer Wiedergängerin seit 2025 fehlt?

(+) Historie: Mit Disziplin und Rotwein
Ein ungleiches Bündnis: Der SPD-Vorsitzende Willy Brandt (links) und CDU-Kanzlerkandidat Kurt Georg Kiesinger beantworten am 24. November 1966 in Bonn Fragen nach der Möglichkeit einer Großen Koalition. Wolfgang Weihs/dpa

Der künftige Minister legte seinen Amtseid ab und schloss mit dem Zusatz: „So wahr mir Gott helfe.“ Wenige Jahre zuvor wäre diese Personalie unvorstellbar gewesen. Ein 60-jähriger Mann wurde ernannt zum Minister für gesamtdeutsche Fragen, der im Zentralkomitee der Kommunistischen Partei im Exil gewesen war und eine undurchsichtige Rolle im Moskau Stalins gespielt hatte, zur Zeit der „großen Säuberungen“ in den späten Dreißigerjahren. Noch dazu galt er als Rüpel erster Klasse und sollte im Bundestag eine Rekordzahl an Ordnungsrufen im Bundestag erhalten. Kurz, Herbert Wehner, einer der starken Männer der SPD, war Mitte der Sechzigerjahre ein Albtraum für die Konservativen – und für innerparteiliche Gegner, die er mit „Genosse Arschloch“ und anderen Beleidigungen einschüchterte.

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