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15.05.2026
11:30 Uhr
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Ikkimel, die wohl expliziteste Vertreterin des beliebten Genres „Fotzenrap“, hat ein neues Album. Es ist ein bisschen radikal, ein bisschen wichtig – und leider sehr überraschungsarm.

Die Melodie krächzt, als hätte man sie auf dem Nintendo 64 aufgenommen. Darunter grölt und fiept ein Bass, die Kickdrum hämmert Four-on-the-floor. Alles klingt ein bisschen nach einem amateurhaft zusammengeschraubten DIY-Techno Rap-Beat. Darüber erzählt Ikkimel von ihrem Erfolg und davon, dass sie inzwischen wirklich jeder kennt: „Keiner fragt mehr ‚who’s that?‘“. Immer wieder. Ganz falsch dürfte das nicht sein.
Schließlich landete ihr Debütalbum – es trug den Titel „Fotze“, und wer sich mit derartigen Begriffen schwertut, springe besser direkt zur Conclusio im vorletzten Absatz – 2025 nicht nur auf Platz acht der deutschen Charts, sondern brachte gleich noch eine recht prächtige Debatte über das dazugehörige Genre mit sich. Grober Tenor: Ist das, was Ikkimel und ihre Schwestern im Geiste machen, noch feministische Selbstbestimmung oder bedient das hypersexualisierte Auftreten doch nur schwitzige Männerträume?
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Dazu erwartbare Mäkeleien an Sprache und Habitus. Ikkimel und ein paar ihrer Kolleginnen aus dem Genre, das den sprechenden Naserümpfer- und Patriarchatserschrecker-Titel „Fotzenrap“ verliehen bekam, wirken sehr bewusst und mit großer Absicht streckenweise unfassbar blöd. „Seit den Loveparades der Neunziger“, schrieb die SZ in einer großen Analyse, „hat kein so stumpf daher ballernder Pop-Trend ein so immenses Analysebedürfnis ausgelöst.“
Gesagt wurde zum Phänomen seither fast alles. Vielleicht leistet Ikkimel auch deshalb mit ihrem neuen Album, Titel: „Poppstar“, mit zwei P, kaum neue Debattenbeiträge, sondern bleibt bei der Erfolgsformel des Vorgängers: Über stumpfsinnig dahingerotzte Techno Beats rattert die Berliner Rapperin knapp dreißig Minuten lang Oneliner ins Mikrofon, die sich hauptsächlich um ihren Erfolg, Männer und Sex drehen. Etwas essenziell Neues gibt es nicht zu hören. Lediglich auf „Country Girl“ bricht die Rapperin wirklich aus ihrer musikalischen Formel aus – der schräg Autotune-verzerrte Countrysong dient aber wohl hauptsächlich dazu, Clubgästen den Rausschmiss zu signalisieren.
In der endlosen Reizüberflutung aus neongrellen Autoscooter-Beats und selten jugendfreien Textzeilen klingt das Album ansonsten leider inzwischen auch etwas monoton. Einerseits. Andererseits dürfte dieses Kriterium nach drei Vodka-E im Club die kleinste Rolle spielen, solange der Techno Beat nur laut genug wummert. Und zwischendurch liefert Ikkimel dann doch immer wieder grandiose Beispiele neo-feministischer Absurditätslyrik, fast alle davon viel zu explizit für ein Medium wie dieses, aber angemessen paraphrasiert besagen sie unter anderem: Frauenfeind ist, wer beim Cunnilingus allzu verklemmt agiert.
So geht das weiter. Bei ihren Konzerten sperrt Ikkimel Männer gerne in Käfige. Im Song „Giftmord“ plant sie, frauenfeindliche Influencer umzubringen. „Facesitting“ degradiert sie zu reinen Sexobjekten, mit denen man ohnehin keine Beziehung führen kann: „Will ich mich um jemand kümmern, dann hol’ ich mir ein’ Hund“.
Anders gesagt: Zwischen all den lyrischen Räkeleien ist „Poppstar“ mindestens auch eine Kampfansage an die Männlichkeit. Und eine Antwort auf die stete Frauenverachtung, der auch die Rapperin selbst ausgesetzt ist. Erst vergangene Woche veröffentlichte Ikkimel einige der privaten Hassnachrichten, die sie regelmäßig auf Instagram erhält: Da wird sie von fremden Männern als „Abschaum“ oder „Hure“ beleidigt, einige drohen mit sehr expliziten Gewaltfantasien, die man auch mit viel Humor nicht mehr richtig entspannt weglächeln kann. Wieder andere wünschen ihr direkt den Tod. Lohnt sich also noch immer, dem etwas entgegenzusetzen. In Ikkimels Worten, gesprochen Ende März bei einer Preisverleihung: „Es wird Zeit, dass endlich mal die Männer Angst bekommen.“
Seit den Loveparades der Neunziger hat kein so stumpf daherballernder Pop-Trend ein so immenses Analysebedürfnis ausgelöst: Ein paar Begegnungen mit den Protagonistinnen des Genres „Fotzenrap“.
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