|
14.05.2026
13:26 Uhr
|
Halbstündige Pausenshow beim Endspiel, dazu die Unterbrechung der Halbzeiten für Werbeblöcke: Der Fußball tritt bei der WM in eine neue, US-dominierte Phase der Kommerz-Ära ein.

Die Popsängerin Shakira stand schon bei der WM 2006 auf der Bühne. 2010 steuerte sie sogar den offiziellen WM-Song („Waka Waka“) bei. Imago
Seit diesem Donnerstag sind nun auch ein paar Eckdaten der nächsten Stufe des Fußball-Kulturbruchs durch den Weltverband Fifa bekannt. Kindgerecht inszeniert als „Sesamstraßen“-Werbeclip wurden sie veröffentlicht, unter Beteiligung der dort ansässigen Monster und Plüschfiguren, darunter Elmo.
Chris Martin, Leader der Popband Coldplay, die aus dem sogenannten Mutterland des Fußballs stammt, erklärt diesem Elmo ein paar Details zur jüngsten Neuerung aus dem Reich der Gedankenblitze der Fifa: die Halbzeitshow während des Endspiels. „Es wird gesungen, es wird getanzt, es gibt Musik, und es ist die Chance zu zeigen, wie großartig all die verschiedenen Menschen sind“, erklärt Martin. Mega? Oder Maga? Man sieht den US-Präsidenten Donald J. Trump, dessen ICE-Truppen daheim Jagd auf Nichtkaukasier machen, und der sich jenseits der nationalen Grenzen einen Spaß daraus macht, den Planeten anzuzünden, in heller Vorfreude förmlich mit den Ohren wackeln.
Worauf sich Trump auf der Ehrentribüne einstellen darf? Vorerst nicht auf seine uramerikanische Lieblingsband Village People („YMCA“). Dafür auf die südkoreanische K-Pop-Boygroup BTS, auf Shakira, die schon 2006 zum Inventar der Fifa gehörte, sowie Madonna, die bereits auf Bühnen stand, als der mittlerweile verstorbene Diego Armando Maradona noch nicht Weltmeister war, und die in den vergangenen Jahren als Soccer Mom von sich reden gemacht hat. Abgenudelte Pop-Ikonen als Symbole für den Eintritt des Fußballs in eine neue, US-dominierte Phase der Kommerz-Ära. Was 2015 mit einer Razzia des FBI gegen die Fifa in Zürich begann, endet nun mit einem Totalausverkauf der althergebrachten Liturgie des Fußballs zugunsten US-amerikanischer Stakeholder. Im Viervierteltakt.
Und das nahezu im Wortsinn: Die Spiele werden bei der WM tatsächlich geviertelt werden, damit (als „Trinkpausen“ verbrämte) dreiminütige Werbeblöcke eingestreut werden können. Es wird diese Trinkpausen auch in den voll klimatisierten, überdachten Arenen geben. Dazu also die Halbzeitshow, die beim ebenfalls werbeträchtigen Super Bowl abgekupfert wurde. Sie bedeutet, dass die Pause im WM-Finale weitaus länger dauern wird als die seit Jahrzehnten üblichen 15 Minuten. Aber möge sich ja keiner aufregen: „Wir werden ein bisschen Geld für Kindererziehung einsammeln“, sagt Martin zu Elmo.
Bislang hat noch niemand bei den Aktiven nachgefragt, deren Halbzeitprotokoll gründlich über den Haufen geworfen wird. Ihr Organismus wird komplett heruntergefahren, beim mutmaßlich wichtigsten Spiel des Jahres muss mit neuen Formen der Vorbereitung auf die zweite Halbzeit experimentiert werden. Bei den Fans ergeben Nachfragen keinen Sinn: Sie sind durch die Preispolitik der Fifa bei der WM weitgehend außen vor (oder geschröpft), ersetzt werden sie durch Kunden mit Zugängen zu Privatbank-Krediten. Auf dass der einst in nahezu jeder Hinsicht universelle Sport nun gemäß jenen Kommerz-Parametern funktioniert, die in den USA gängig sind.
Lesen Sie mehr zum Thema
In anspruchsvollen Berufsfeldern im Stellenmarkt der SZ.
Sie möchten die digitalen Produkte der SZ mit uns weiterentwickeln? Bewerben Sie sich jetzt!Jobs bei der SZ Digitale Medien
Exklusive Gutscheine für SZ-Abonnenten: