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02.06.2026
17:40 Uhr
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Tennisprofi Alexander Zverev fegt mit 7:6, 6:1, 6:3 über das spanische Talent Rafael Jódar hinweg. Noch eine Hürde – dann wird es ernst mit dem ersten Grand-Slam-Titel.

Der Dienstag war ein ganz furchtbarer Tag in Paris, wettermäßig. Die Phase der Hitzewelle ist in dieser zweiten Turnierwoche der French Open ohnehin vorbei, doch nun goss es phasenweise wie aus Schläuchen. Für das Viertelfinale von Alexander Zverev hatte das immerhin eine kleine, nicht unbedeutende positive Folge. Das Dach über dem Hauptstadion, dem Court Philippe-Chatrier, wurde geschlossen. Hallentennis war angesagt bei diesem Sandplatzklassiker im Westen der Stadt, damit herrschten Bedingungen, die dem deutschen Weltranglistendritten liegen. Einerseits.
Denn andererseits präferiert Zverev eher hohe Temperaturen. So dauerte es etwas, bis er in die Gänge kam. Aber es sollte letztlich ein ganz wunderbarer Tag für Zverev werden: Er blies nämlich den Großangriff seines jugendlichen Herausforderers kurzerhand ab. Recht unspektakulär sogar. Dramen scheint Zverev bei dieser Turnierausgabe anderen Akteuren zu überlassen.
Der 29 Jahre alte Tennisprofi aus Hamburg setzte sich – nach einem bräsigen Start, der ihm einen 2:5-Rückstand eingebracht hatte – wie in den vier Partien zuvor souverän durch, diesmal mit 7:6 (3), 6:1, 6:3 gegen das spanische Ausnahmetalent Rafael Jódar. Der 19-Jährige aus Madrid erlebt seit einem Jahr einen nahezu beispiellosen Aufstieg und ist bereits 29. der Weltrangliste. Zverev steht somit bei seiner elften Teilnahme in Paris zum fünften Mal im Halbfinale. Und er hat insgesamt sein elftes Grand-Slam-Halbfinale erreicht.
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Alles tolle Werte, aber dass sich Zverev trotzdem nicht ekstatisch auf den feuerroten Belag warf und recht höflich nur die Arme hob, hat natürlich mit seiner Mission zu tun. Jetzt oder nie, lautet das Motto. Er will unbedingt seinen ersten Grand-Slam-Sieg erringen. Die Chance ist groß wie niemals zuvor für ihn, den bislang Unvollendeten, der schon drei Grand-Slam-Finals verlor und so manch andere Enttäuschung bei den vier wichtigsten Turnieren in Melbourne, Paris, Wimbledon und New York erlebte.
Die drei großen Widersacher Jannik Sinner (Zweitrunden-Aus), Carlos Alcaraz (fehlte verletzt) und Novak Djokovic (Drittrunden-Aus) können Zverev jedenfalls nicht mehr stoppen. Er wäre der erste deutsche Grand-Slam-Sieger seit Boris Beckers Triumph 1996 in Melbourne bei den Australian Open. „Ich möchte so weitermachen“, sagte Zverev bei dem kurzen Interview entspannt auf dem Platz. „Ich will meine weiteren Matches gewinnen.“ Jede weitere Andeutung verkniff er sich.
Der Erfolg gegen Jódar ist vor allem als ein mentaler Sieg für ihn zu sehen. Keiner der Verbliebenen im Feld steht vor ihm in der Weltrangliste, was ihm die Favoritenrolle eingetragen hat. Und tatsächlich: Zverev hält diesem neuen Druck weiterhin vorzüglich stand, das ist die neueste Nachricht aus Paris. Im Halbfinale am Freitag trifft er auf den Tschechen Jakub Mensik, 20, der den ein Jahr jüngeren Brasilianer João Fonseca 6:4, 6:3, 7:6 (7:3) besiegte. Gegen Mensik spielte er in diesem Jahr einmal und gewann.
Das Match begann sofort intensiv, das erste Aufschlagspiel Jódars ging viermal über Einstand und dauerte acht Minuten, ehe er es sich sicherte. Als Zverev zum 1:1 ausglich, standen 17 Minuten auf der Uhr. Das konnte ja heiter werden, sollten die beiden diesen Abnutzungskampf so beibehalten. Jódar schnappte sich das erste Break, aber ein schwaches Aufschlagspiel bei 5:3 kostete ihn den Satz. Er ließ Zverev zurück ins Match, der sich mit 7:6 (3) nach 67 Minuten bedankte. Die Erfahrung machte sich bemerkbar. Jódar patzte zu oft, seine Anfangseuphorie wirkte eingedämmt.
Zverev blieb bei sich, schaffte das Break zum 3:1, wenngleich er nicht atemberaubend gut agierte. Es reichte, dass er solide das herunterspielte, was er kann. Jódar verlor den Anschluss. Auch wenn er einen gewissen Hype erfuhr, durfte man nicht vergessen: Für Jódar war das erst sein zweites Grand-Slam-Turnier. Bei den Australian Open im Januar gab er sein Debüt auf dieser großen Bühne. In Melbourne musste er sogar noch durch die Qualifikation und kam dann bis zur zweiten Runde im Hauptfeld. Vielleicht spürte er doch, dass er im Verlaufe des Turniers in Paris dreieinhalb Stunden länger auf dem Platz gestanden hatte als Zverev. Zweimal siegte er im fünften Satz. Zverev jedenfalls war der Chef und diktierte das Match ebenfalls im dritten Satz. Der Klassenunterschied war sichtbar.
Nach 2:25 Stunden verwandelte Zverev den ersten Matchball. Und als hätte sich der Wettergott etwas Feines ausgedacht, donnerte eine Gewitterwolke just in dem Moment über dem Stadion, als Zverev einen letzten Vorhandschuss die Linie hinunter unerreichbar für Jódar ins Feld drosch.
Sollte Zverev die Hürde im Halbfinale nehmen, kann er wirklich an den Titel glauben. In der oberen Hälfte der Viertelfinals muss Zverev keinen fürchten, drei Italiener sind noch im Wettbewerb. Am Mittwoch spielen Matteo Berrettini und Matteo Arnaldi gegeneinander, Flavio Cobolli duelliert sich mit dem Kanadier Felix Auger-Aliassime, dem einzig verbliebenen Top-Ten-Spieler neben Zverev. Gegen alle hat Zverev eine positive Matchbilanz. Ob er Druck verspüre? „Ich war in der Situation schon mal“, antwortete Zverev in der Pressekonferenz. „Ich bin jetzt hier, ich gebe jetzt das Interview, dann geh’ ich was essen, dann geh’ ich Massage machen, spiele Mario Kart und geh’ schlafen.“ Für ihn steht fest: „Für mich ändert sich mein Leben nicht, ob ich im Halbfinale gegen Djokovic spiele oder gegen einen von den jungen Jungs. Ich weiß, dass es ein toughes Match wird. Für mich ändert sich von der Vorbereitung her nichts.“
Zverev wirkte richtig locker. Und so, als zerbreche er sich tatsächlich kein bisschen den Kopf angesichts seiner verlockenden Perspektive. Nur an einer Stelle in der Presserunde wurde er tiefsinniger. Als es um seine Großmutter Natalia ging, die erstmals auch dabei ist. „Mein Großvater ist leider gestorben vor einiger Zeit“, erklärte Zverev. „Wir haben sie nach Europa gebracht. Es ist halt relativ schwierig, ein Visum zu bekommen. Das hat etwas länger gedauert, weil sie immer noch einen russischen Pass hat. Jetzt hat sie ein Visum und reist so ein bisschen mit. Und genießt halt das Leben auch so ein bisschen. Sie genießt ihre Enkelkinder und ihre Großenkelkinder.“ In Sotschi, wo Natalia lebt, hätte sie wenig zu tun. „Deswegen versucht sie, so viel wie möglich bei uns zu sein.“ Vielleicht stieß sie ja im genau richtigen Moment zur Familie und kann bald Erstaunliches bewundern.
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