SZ 11.10.2026
16:18 Uhr

(+) Freizeit in München: Die Eisbach-Surfer feiern den Eisbach und sich selbst


Zwischen Community und Kommerz: Der Surf-Club München veranstaltet einen „Surf Jam" mit Filmpremiere und Party an der Welle neben dem Haus der Kunst.

(+) Freizeit in München: Die Eisbach-Surfer feiern den Eisbach und sich selbst
Gleich wird’s nass: Ziel des Abends war, ganz offiziell, „dass alle Spaß haben“.
Foto: René Hofmann

Dass es am Samstag regnete, machte den Eisbach-Surfern nichts aus, im Gegenteil. Sie werden ja sowieso nass, wenn sie auf die Welle neben dem Haus der Kunst hüpfen und nach ein paar Sekunden in den Bach plumpsen. Zudem hofften sie, dass der Regen ihnen einen höheren Wasserstand beschert und damit bessere Surfbedingungen für ihre Session am Abend. Für den hatte Nicolas Marusa vom Surf-Club München einen „Community Surf Jam“ organisiert samt anschließender Filmpremiere und Party. „Eisbach High“ nannte er das Event, bei dem Münchens beste Surfer demonstrieren wollten, was auf der Eisbachwelle alles möglich ist – sofern sie denn geritten werden kann.

„Wir hatten wie ganz München Probleme mit dem Wasser im Sommer“, erzählte Marusa. Viel besser war es freilich auch am Samstagabend nicht. Es reichte für die üblichen Tricks, aber nicht für viele neue, kreative Kunststücke. Das erhoffte Feuerwerk beschränkte sich tatsächlich auf Raketen und Pyros, die am Ufer gezündet wurden – und die der eine oder andere Surfer mit auf die Welle nahm.

Dabei hatten die Surfer auf einer Seite eigens eine Art Rampe improvisiert, auf der Mutige in die Welle rutschen konnten. Wer es schaffte, sich auf dem Brett zu halten und ein paar Meter übers Wasser zu gleiten, wurde bereits heftig gefeiert. Es gab aber auch welche, die sich mit einer aufblasbaren schwarzen Scheibe in die Fluten stürzten und treiben ließen. „Die habe ich im Keller gefunden“, berichtete der Besitzer, und dass er „gerade erst herausgefunden“ habe, „dass man damit auch surfen kann“. Im Grunde war genau das ein erklärtes Ziel von Organisator Marusa für diesen Abend: „Dass alle Spaß haben.“

Aber natürlich ging es bei dem von lauter Musik und etlichen Zuschauern auf der Brücke und an den Ufern begleiteten Event auch darum, die „Community“, als die sich die Surfer-Szene selbst bezeichnet, und ihr Anliegen noch einmal in den Mittelpunkt der Aufmerksamkeit zu rücken.

Nach dem tödlichen Unfall einer jungen Surferin im April 2025, deren Sicherheitsleine sich verfangen hatte, war die Welle von der Stadt zeitweilig gesperrt worden, um die Unglücksursache zu erforschen. Schon diese zweimonatige Unterbrechung ihres Freizeitvergnügens hatten die Surfer nur widerwillig hingenommen. Als sich dann nach einer Bachreinigung im Oktober die Welle nicht mehr aufbaute, war die Aufregung groß. Stadt und Surfer gerieten sogar in Streit darüber, wie erneut eine sichere Welle herzustellen sei. Erst in diesem Frühjahr wurde der Eisbach wieder fürs Surfen freigegeben, freilich deutlich reglementierter als früher.

Im Zuge all dieser Vorfälle hatten die Surfer im vorigen Jahr ihren Klub gegründet, um ihre Interessen nach außen besser vertreten zu können. Aber auch, um die Kultur des Münchner Eisbachsurfens am Leben zu erhalten. Im Sommer hat Nicolas Marusa einen Kurzfilm über das Gefühl an der Eisbachwelle gedreht, „Upstream“ heißt das analog auf 16-Millimeter-Film und Super 8 hergestellte Werk, das am Samstagabend erstmals vor Publikum gezeigt wurde. Im besten Fall solle er einen Anstoß geben, „an guten Lösungen für die Zukunft zu arbeiten“, hofft Marusa.

Wenn er über seine Community spricht, gerät der 23-Jährige regelrecht ins Schwärmen. Er sei schon als kleiner Junge dazugestoßen, vor etwa zehn Jahren: „Da haben die Älteren aufgepasst, dass mir nichts passiert.“ Für ihn sei der Bach, der unter der Prinzregentenstraße in den Englischen Garten sprudelt, jedenfalls mehr als nur ein Platz, an dem man ein bisschen Sport betreibt. „Es ist ein superdiverser Ort, an dem Leute aus aller Welt zusammenkommen“, sagt er, „hier ist jeder Mensch zu finden – der Chefarzt neben dem Lehrer neben Studenten.“ Im Neoprenanzug sehen alle gleich aus. „Der Eisbach ist Freiraum“, findet Marusa.

Er ist aber nicht frei von Kommerz, wie am Samstagabend ebenfalls zu sehen war. Zu den Sponsoren des Events gehörte ein bekannter Brausekonzern, dessen Mitarbeiter auch fleißig Getränkedosen an die Surfer verteilten und diese dann werbewirksam fotografierten. Auf der Homepage des Surf-Clubs werden auch Fanartikel zum Kauf angeboten. Das sogenannte Merchandising diene dazu, „ein bisschen Budget“ für den Verein zu generieren und unter anderem auch die Freigetränke für diesen Abend zu finanzieren, erklärte Marusa.

Die Party auf dem Parkplatz hinter dem Haus der Kunst stand bei vielen, die sich der Surf-Community verbunden fühlen, offensichtlich im Vordergrund. Nachdem die Zahl der aktiven Surfer zwischenzeitlich auf bis zu zwei Dutzend angewachsen war, flaute das Geschehen lange vor dem vorgesehenen Ende schon wieder ab. Bis 22 Uhr darf ja nach den städtischen Auflagen gesurft werden, gegen 21 Uhr packten aber die meisten ihre Sachen schon wieder ein. Nur ein paar hartgesottene Surfer glitten danach noch über die schwächer werdende Welle.

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