SZ 25.07.2026
17:03 Uhr

(+) Feuer in Südeuropa: Hunderttausende von Evakuierungswelle betroffen – Frankreich mobilisiert Soldaten


Die Waldbrände in Frankreich und Spanien haben eine Evakuierungswelle ausgelöst: Hunderttausende Menschen mussten ihre Häuser verlassen. Auch Urlauber sind betroffen.

(+) Feuer in Südeuropa: Hunderttausende von Evakuierungswelle betroffen – Frankreich mobilisiert Soldaten

In Frankreich und Spanien kämpfen Einsatzkräfte weiterhin mit einem Großaufgebot gegen mehrere Waldbrände. In Spanien hat sich die Lage am Freitagabend durch die sich weiter ausbreitenden Feuer zugespitzt. Zwei separate Waldbrände in der Region Madrid hatten sich am Freitag zu einem riesigen Feuer vereinigt, mit einem weiteren Brand in Ávila in der benachbarten Region Kastilien und León sind sie bislang aber noch nicht verschmolzen. Eine höhere Luftfeuchtigkeit und niedrigere Temperaturen hatten in der Nacht auf Samstag zunächst geholfen, dass die Brände kaum vorgerückt sind und an Intensität verloren haben. Nun warnt das spanische Innenministerium davor, dass aufkommender Wind mit Böen von bis zu 60 Kilometern pro Stunde im Westen Madrids den Einsatz erschweren kann.

Die Feuer nahe Madrid waren laut Carlos Novillo, dem regionalen Minister für Umwelt, Landwirtschaft und Inneres, am Freitagabend außer Kontrolle geraten. Isabel Díaz Ayuso, die Präsidentin der Autonomen Gemeinschaft Madrid, sprach auf X vom „schlimmsten Brand in der Geschichte der Region“.

Novillo zufolge bewegte sich das Feuer am Freitagabend auf die Gemeinden Robledo de Chavela und Fresnedillas de la Oliva zu. Beide Orte befinden sich rund 60 Kilometer westlich von der spanischen Hauptstadt. Bewohner beider Gemeinden seien dazu aufgefordert worden, sich in Sicherheit zu bringen.

Inzwischen haben sich knapp 60 000 Menschen in Sicherheit bringen müssen. Hinzu kommen laut Innenministerium knapp 30 000 Menschen, die wegen der Brände ihr Zuhause nicht verlassen können.

Insgesamt soll das Feuer rund um Ávila schon 25 000 Hektar verbrannt haben. Am Samstag werden aus Italien und Griechenland Löschflugzeuge erwartet, die bei der Bekämpfung der Brände helfen sollen.

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Bereits in der Nacht auf Freitag hatte die spanische Regierung den nationalen Notstand ausgerufen. Das Innenministerium teilte mit, die Entscheidung sei wegen des gleichzeitigen Ausbruchs mehrerer Brände und widriger Wetterbedingungen getroffen worden. Durch die Ausrufung des Notstands untersteht der Einsatz nun direkt dem Innenminister. Den Behörden zufolge ist dies das erste Mal, dass dieser Schritt wegen eines ‌Waldbrandes ergriffen wurde. Die Regionalregierung von Madrid hatte ‌zuvor um Hilfe gebeten.

Am Morgen hieß es aus dem Innenministerium, das Wetter habe sich in der Nacht für die Brandbekämpfung günstig entwickelt. Daher gebe es am Wochenende eine Chance, die Brände zu bekämpfen, sagte Ministerpräsident Pedro Sánchez in einer Ansprache aus der Kommandozentrale der Einsatzkräfte. Die Lage bleibe aber schwierig. Oberste Priorität sei es, Leben zu schützen.

Auch an Frankreichs Atlantikküste wurden wegen der sich weiter unkontrolliert ausdehnenden Waldbrände inzwischen laut Frankreichs Innenminister Laurent Nuñez im Département Gironde 167 000 Menschen in Sicherheit gebracht.

Die Flammen breiten sich nach Osten in Richtung des Ballungsraums von Bordeaux aus. Allein in der Nacht wurden in mehreren Gemeinden im Umland der Großstadt 57 000 Menschen in Sicherheit gebracht. Die Gebiete Le Haillan, Eysines und Merignac in der Nähe von Bordeaux würden geräumt, ⁠teilte die oberste Verwaltungsbeamtin des Departements Gironde, Sophie Brocas, am Samstag auf der Kurznachrichtenplattform X mit. Nach Angaben des Innenministers mussten außerdem 31 000 Menschen im benachbarten Département Landes wegen der Brände ihre Häuser verlassen.

Wegen der Waldbrände in der Region wird auch die letzte Etappe der Tour de France verkürzt. Ein Teil der ursprünglich eingeteilten Sicherheitskräfte soll stattdessen die Einsatzkräfte in den Waldbrandgebieten verstärken, die Etappe startet nun in Paris statt wie geplant in Thoiry.

Die Stadt Bordeaux sei derzeit nicht unmittelbar bedroht. Der beißende Rauchgeruch ist aber inzwischen bis in die Stadt vorgedrungen. Unterschiedliche Angaben gab es zunächst zur Lage am Flughafen Bordeaux-Mérignac: Während Innenminister Nuñez wegen der starken Rauchentwicklung von einer Schließung gesprochen hatte, teilte der Flughafen mit, der Betrieb laufe weiter. Einschränkungen gibt es demnach lediglich beim öffentlichen Nahverkehr zum Flughafen.

Das Feuer hat sich nach Angaben der Präfektur Gironde inzwischen auf 19 000 Hektar Fläche ausgedehnt. 100 Gebäude seien von den Flammen beschädigt, 53 Häuser und ein Campingplatz zerstört worden. Die Behörden sprechen von einem Feuer „beispiellosen Ausmaßes“. Mehr als 1200 Feuerwehrleute und 18 Löschflugzeuge sind im Einsatz. Zudem soll ein Militärflugzeug vom Typ A400M mit einem speziellen Löschsystem eingesetzt werden, das bis zu 20 Tonnen Löschmittel abwerfen kann. Die Zahl der Soldaten, die die Feuerwehr bei den Löscharbeiten unterstützen, werde von 500 auf 1000 erhöht, teilte Premierminister Sébastien Lecornu mit. In die Region Gironde werden 1,5 Millionen FFP2-Masken geliefert, um die Einsatzkräfte und die Bevölkerung vor dem gesundheitsschädlichen Rauch zu schützen. 42 Feuerwehrleute wurden wohl überwiegend leicht verletzt. Die Bevölkerung kam bisher nicht zu Schaden.

Seit dem Morgen waren Urlauber und Bewohner von Cap Ferret aus auch mit Schiffen in Sicherheit gebracht und nach Arcachon gebracht worden. Von dort setzte die Bahn zum Weitertransport zusätzliche Züge nach Bordeaux ein. Um bei den Evakuierungen zu helfen, boten die Austernfischer der Region auch ihre Boote an. Die Landwirte unterstützten die Löscharbeiten auf Bitten der Feuerwehr mit der Bereitstellung von 40 Tankwagen.

Südlich von Bordeaux im Bereich des Ortes Biscarrosse hatte ein Lieferwagen auf einer durch einen Wald führenden Landstraße wahrscheinlich wegen eines technischen Defekts Feuer gefangen und die Flammen griffen schnell auf die Natur über.

Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) bot Frankreich unterdessen Unterstützung an. Die Waldbrände in Frankreich hätten verheerende Auswirkungen und er habe Präsident Emmanuel Macron Mitgefühl ausgesprochen, schrieb der Kanzler in einer französischsprachigen Mitteilung auf der Plattform X. „Wir sind bereit, Frankreich im Rahmen des EU-Katastrophenschutzmechanismus zu helfen. Unsere Gedanken sind bei den Betroffenen und den Einsatzkräften.“

Auch in Italien gibt es zahlreiche Waldbrände. Besonders betroffen sind die Mittelmeerinsel Sizilien und die Region Kalabrien. Allein auf Sizilien wurden mehrere Dutzend Feuer gemeldet. Die Behörden befürchten eine Verschärfung der Lage durch eine neue Hitzewelle. Immer wieder werden die Flammen durch den aus Afrika kommenden Scirocco-Wind angefacht.

Mit Material der Nachrichtenagenturen dpa und Reuters.

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