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10.05.2026
12:02 Uhr
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Wer darf in die Champions League? Beim 3:1 zeigt ein entfesselter VfB Stuttgart, wie sehr er sich für dieses Ziel interessiert – anders als Leverkusen, das nicht mehr viel mit der Xabi-Alonso-Elf gemein hat.

„Von allen zu wenig“, „Sinnbild der Saison“: Robert Andrich (links) gab nach dem Spiel einigermaßen frustriert seine Statements ab. Tom Weller/dpa
Robert Andrich gehörte noch nie zu den Spielern, bei deren Aussagen man sich als neutraler Zuhörer langweilen musste. Am frühen Samstagabend passierte es allerdings zum ersten Mal, dass er mit seinem Kommentar zum Spiel einem ganzen Berufsstand die Arbeit wegnahm: dem der Journalisten. Von denen sich einige bekanntlich einen Spaß draus machen, schon dezente Kritik zu einer „Wutrede“ hochzujazzen.
Was Andrich aber zuerst bei Dazn und später in der Mixed Zone sagte, war wirklich eine. Und sie ordnete das Spiel genau richtig ein: „Es war von allen zu wenig. Wir sind über 90 Minuten nicht ansatzweise da hingekommen, dass wir Stuttgart schlagen konnten“, sagte der Leverkusener Kapitän und lieferte die Analyse gleich mit. „Heute war ein Sinnbild unserer Saison. Sobald es eng und brenzlig wird, schaffen wir es nicht, als Mannschaft zusammenzustehen.“ Man habe schlicht zu „viele Charaktere“ im Team, „die ziemlich viel mit sich selbst ausmachen“.
Mit einer geradezu staatstragenden Ernsthaftigkeit erkämpft sich der FC Bayern den Sieg bei den abstiegsbedrohten Wolfsburgern – auch wenn Harry Kane den Gastgebern zuvor in eine Falle tappt.
So und nicht anders war es in diesem Spiel zu beobachten gewesen, an dessen Ende aus dem Dreikampf um den vierten Champions-League-Rang eher ein Zweikampf geworden ist. Leverkusen tut jedenfalls gut daran, nach diesem 1:3 für die kommende Spielzeit mit der Europa League zu planen, während Hoffenheim und Stuttgart am kommenden Samstag vermutlich unter sich ausmachen, wer neben dem FC Bayern, Borussia Dortmund und RB Leipzig (und vielleicht dem Europa-League-Sieger Freiburg) in der Königsklasse antritt.
Dabei hatte eigentlich alles ganz gut angefangen für Bayer 04, das nach wenigen Sekunden durch Aleix García in Führung ging. Danach kam allerdings nicht mehr viel von den behäbigen Gästen. Unpraktischerweise trafen sie auch noch auf eine Stuttgarter Elf, die nicht in ihrer für diese Saison beachtlich guten Normalform spielte – sondern noch besser. Flüssig, flott und scharf liefen die Kombinationen, und allein der entfesselte Ermedin Demirovic hätte vier, fünf weitere Tore schießen können, wenn der Gast nicht im vielgescholtenen Mark Flekken seinen besten Mann im Tor gehabt hätte. Zum frühen Ausgleich reichte es dennoch für Demirovic (5.), dem Trainer Sebastian Hoeneß entgegen seiner Gewohnheiten ein Sonderlob zuteilwerden ließ: „Medo muss heute genannt werden. Er hat ein überragendes Spiel gemacht, hat gearbeitet wie eine Wildsau und war in allen Aspekten des Spiels top.“
Maximilian Mittelstädt (45.+7) per Elfmeter und Deniz Undav mit energisch eingesprungenem Außenrist-Kick (58.) besorgten den Rest, nachdem Chris Führich, Jamie Leweling und vor allem Angelo Stiller während großer Teile des Spiels eine andere, deutlich höherwertige Sportart betrieben hatten als die seltsam sediert wirkenden Gäste mit ihren mitunter tapsig wirkenden Verteidigern Jarell Quansah und Edmond Tapsoba. In einer Konstellation, in der drei punktgleiche Mannschaften auf Sieg spielen mussten, weil sie die Gewissheit einte, dass Platz fünf diesmal nicht für die Champions League reicht, hatte Stuttgart genau das getan: auf Sieg gespielt. Leverkusen hingegen untermauerte den Eindruck, den regelmäßige Beobachter in den vergangenen Monaten immer wieder gewinnen durften: Fußballerisch, in Sachen Spielwitz und Tempo, klafft eine Lücke zwischen den Rheinländern einerseits und Hoffenheim sowie Stuttgart andererseits.
Und es klafft eine noch viel größere Lücke zwischen dem Leverkusen der Gegenwart und dem unter Xabi Alonso. Viel zu selten – beispielsweise vergangene Woche gegen Leipzig – blitzt auch heute noch auf, dass diese Mannschaft deutlich mehr kann, als sie zeigt. Komfortabler hat es da der VfB, der vergangene Woche in Hoffenheim einen glücklichen Punkt holte, aber im Kraichgau zu keiner Phase des Spiels so unterlegen war wie Leverkusen am Samstag das ganze Spiel über. „Besser kann es heute nicht laufen. Es war genau das, was wir gebraucht haben“, sagte dann auch ein bestens gelaunter Deniz Undav, der mittlerweile in eigener Sache so ausdrucksstark nichts sagt („Ich weiß, was sie an mir haben und was ich an ihnen habe“), dass man sich eine Vertragsverlängerung glatt vorstellen könnte. Zu den Spielern, denen Trainer Hoeneß attestierte, sie seien „über sich hinausgewachsen“, zählte Undav ebenso wie die meisten anderen Feldspieler. Nur Keeper Alexander Nübel entzog sich jeder Beobachtung. Leverkusen wollte einfach nicht genug von ihm.
Der VfB sollte nun am kommenden Samstag in Frankfurt tunlichst nicht verlieren, um Leverkusen (zu Hause gegen den HSV) nicht doch noch herankommen zu lassen. Wirklich hilfreich wäre aber wohl nur ein Sieg, ansonsten könnte Hoffenheim mit einem Dreier in Mönchengladbach noch am VfB vorbeiziehen. Angesichts von so viel potenzieller Dramatik am letzten Spieltag überraschte es dann auch ein wenig, dass die Cannstatter Kurve bei den Feierlichkeiten nach dem Spiel schon zwei Wochen vorausdachte – und mit dem Wunsch, man möge den Bayern die Lederhosen ausziehen, den Pokalsieg einforderte.
Ob er eine ähnliche Prioritätensetzung wie die Fankurve habe und den Pokalsieg dem Liga-Erfolg vorziehe, wurde Hoeneß daraufhin gefragt. Und war angemessen irritiert: „Warum muss ich mich jetzt festlegen? Verstehe ich nicht.“ Selbstredend wolle man beide Finalspiele gewinnen. Erst das in Frankfurt und dann das in Berlin.
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