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13.05.2026
10:20 Uhr
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Der Sänger, Menschenfreund und Buntvogel Udo Lindenberg wird 80, und zum Jubiläum schenkt ihm die ARD eine angemessen joviale Doku.

„Ach so, sag ich … das wär’ doch … mach ich auch“: Udo Lindenberg im Fahrstuhl des Hotels Atlantic, in dem er seit vielen Jahren wohnt. Und lebt. Tine Acke/NDR/ARD
Merke: Bei geplanten Karrierewechseln immer erst mal recherchieren. Lohnt mitunter enorm, weil man ohne Recherche ja nicht wissen kann, ob das Ziel wirklich besser ist als der Start, und falls es nicht besser wäre, könnte man sich den Weg wiederum direkt sparen. Wege sind schließlich oft aufwendig.
War insofern – Linkedin gab es noch nicht, und Jobcenter arbeiteten selten auf dem Niveau von heute – klug von Udo Lindenberg, direkt an die verfügbare Quelle zu gehen. Im Düsseldorf der frühen Sechzigerjahre war diese Quelle unter anderem ein Mann namens Benny Quick, frühen Fans bekannt als Charly aus Essen, der bürgerlich sehr anders hieß, und gerade einen Song namens „Motorbiene“ veröffentlicht hatte. Ein Stück Musik, das das Frauenbild in Eiche rustikal mit Doo-Wop, Motorengebrumm und dem Wort „Sozius“ verband und damit leidlich erfolgreich war. Lindenberg machte damals gerade für ein paar kurze Wochen eine Ausbildung im Hotel Breidenbacher Hof, plante aber, das Gastspiel demnächst zu beenden.
Also ging er zu Quick und stellte diese wichtige Recherchefrage: „So’n leben als Popstar: Ist das richtig geil?“
Quick, so paraphrasiert Lindenberg die Episode in der Doku, die die ARD ihm zum nahen 80. Geburtstag spendiert, habe darauf erwidert, dass das Ganze tatsächlich lohnend sei, weil: „Lange Autos. Jede Menge Frauen. Auch Männer. Alles, was du willst.“ Geld eh. „Das Konto ist brechend voll. Passt nichts mehr drauf.“ Gut angenuschelte Conclusio des damals grob 16-jährigen Lindenberg: „Ach so, sag ich … das wär’ doch … mach ich auch.“
Hat er dann ja auch tatsächlich gemacht, mit der ihm eigenen Geradlinigkeit, die mit ein paar Steilkurven, Loopings und Abzweigungen durchs All relativ direkt zum Ruhm führte. Beziehungsweise führte sie erst mal in eine bezaubernde Jazz-Kaschemme, die alle nur Onkel Pö nannten, obwohl sie über der Tür ja den noch viel lakonischeren Namen Onkel Pös Carnegie Hall trug. Und von da unter anderem nach München, Jazz-Rock mit Klaus Doldinger, „Tatort“-Titelmelodie eintrommeln und so weiter. Aber dann doch sehr bald solo: riesengroß.
Und auch nicht wahnsinnig viel später vor allem riesendicht. In seinen allerschlimmsten Zeiten brachte er vier Promille Alkohol ins Blut und überlebte trotzdem irgendwie. Viel mehr als das war es dann aber auch nicht mehr. Um vom Ruf zu retten, was längst nicht mehr übrig war, soll ihm seine Plattenfirma irgendwann Geld dafür geboten haben, dass er kein neues Album macht. So schlecht waren (und verkauften sich) die davor. Und das alles wird nur dadurch noch eindrücklicher, dass er ja tatsächlich zurückkam: größer, besser, erfolgreicher als vorher. Erstes Nummer-eins-Album mit Anfang 60. Erste Nummer-eins-Single mit Ende 70.
Weithin unwahrscheinlich diese Geschichte, die die wunderbar gefiederte Doku mit dem etwas unverständlich scheußlichen Namen „Udo – Rebell. Rockstar. Ikone.“ erzählt. Es gibt im Rock’n’Roll-Zirkus ja nun kaum abgegriffenere Wörter als diese drei (außer vielleicht „Rock’n’Roll-Zirkus“), und das große Mysterium an Udo Lindenberg ist doch, dass er in grob 60 Karrierejahren nicht sehr oft abgegriffen war.
Vom Titel abgesehen macht Regisseurin Cornelia Quast dann allerdings ganz enorm viel richtig in diesen 90 Minuten, in denen es nicht eine einzige Stimme aus dem Off gibt. Was erzählt wird, erzählen die Bilder. Und die Menschen – darunter die Tokio-Hotel-Zentralfiguren Bill und Tom Kaulitz, Rapper Apache207, Sängerin Inga Humpe und die Schauspieler Maria Furtwängler, Anna Loos und Jan Josef Liefers. Dazu, natürlich, die beiden weltgrößten Lindenberg-Fans, -Versteher, -Analysten, -Deuter und -Begleiter: Jan Delay und Benjamin von Stuckrad-Barre.
Was die Menschen, die alle Fans bis Freunde sind, sagen, ist dem Anlass angemessen sektlaunig, jovial und gewogen. Und darin sehr oft toll. Die Stylistin Niko Kazal: „Udo ist so der Typ Flottvogel, würd’ ich sagen. Fliegt überall hin und her. Und ist ein Menschenfreund.“ Sänger Jan Delay, über seinen ersten Kontakt mit Lindenbergs Musik: „Boom! Die Welt war eine andere.“ Der Schriftsteller Benjamin von Stuckrad-Barre: „Udo hat sich die Welt angeguckt und gesagt: Das geht besser. Ich denk’ mir eine aus. Deutsche Sprache: Ja, ganz nett, aber ich mach die jetzt geil. Ich mach die so, dass sie Spaß macht.“
Die Sängerin Ulla Meinecke, über einen Anruf irgendwann inmitten von Lindenbergs Comeback: „Ich kann mich erinnern an dieses Telefonat. Da rief er an: ‚Was passiert mir hier? Das ist ja unglaublich.‘ Ich sag: ‚Chef, wozu die Aufregung?! Kaum 40 Jahre im Geschäft, schon Nummer eins.‘“
Und zwischen alldem der Sänger, Menschenfreund und Buntvogel Udo Lindenberg selbst: „Den Rest kennt ihr, ihr wart ja auch dabei.“ Und wer nicht dabei war, ist es mit dieser Doku immerhin ein bisschen, und viel mehr kann so ein Film dann ja auch nicht leisten.
UDO Rebell. Rockstar. Ikone. Montag, 18. Mai, 20.15 Uhr. Und in der ARD-Mediathek.
Jan Delay und Benjamin von Stuckrad-Barre, Deutschlands größte Lindenberg-Fans, über 80 Jahre Udo, „meterlange Schecks“, die Entwertung der Musik, Entenhausen und die restliche Welt.
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