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06.05.2026
12:12 Uhr
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Überraschend gute Stimmung beim Münchner Chiphersteller: Nicht nur bei KI, sondern sogar aus der Automobilindustrie kommen mehr Aufträge. Schon werden die Produktionskapazitäten knapp.

Halbleiter-Produktion bei Infineon in Dresden: Dort wird Anfang Juli eine neue Fabrik eingeweiht. Robert Michael/dpa
Allgemeine Wirtschaftsflaute, Krieg in Iran und in der Ukraine, Engpässe bei der Versorgung mit Rohstoffen, Zölle durch die US-Regierung unter Donald Trump: Die Lage der Weltwirtschaft ist, vorsichtig ausgedrückt, nicht gut. Doch es gibt Ausnahmen, sogar unter deutschen Konzernen. Der Halbleiterhersteller Infineon berichtete am Mittwoch von überraschend guten Geschäften – und hebt sogar die Prognose an.
„Wir bereiten uns auf einen breiten Aufschwung vor“, sagte Infineon-Chef Jochen Hanebeck. Der Auftragseingang bei Infineon sei in den vergangenen Monaten um ein Viertel gestiegen und habe per Ende März ein Volumen von 25 Milliarden Euro erreicht. Bei einigen Halbleitern sei die Produktion bis ins kommende Geschäftsjahr hinein ausgebucht, nun würde geprüft, wie die Kapazitäten weiter ausgebaut werden können. Man müsse die Produktion „so schnell hochfahren, wie es geht“. Die Erholung werde sich weiter ausweiten, so die Prognose, und zwar trotz der anhaltenden geopolitischen Krisen. Man habe aus der Vergangenheit gelernt, sagte Finanzvorstand Sven Schneider. Infineon habe inzwischen mehrere Zulieferer, etwa für Helium, das bei der Chipproduktion besonders wichtig ist und das nun wegen des Iran-Kriegs knapp werden könnte.
Infineon ist einer der wenigen verbliebenen großen Halbleiterkonzerne, der seinen Sitz noch in Europa hat. Die wichtigsten Konkurrenten sitzen in den USA und in Asien, etwa der weltgrößte Chipkonzern TSMC in Taiwan. Die Deutschen produzieren vor allem spezialisierte Halbleiter, unter anderem auch für die Autoindustrie, und bezeichnen sich als weltweit führenden Anbieter für Autochips, beliefert werden alle großen Hersteller, von BMW bis zu Geely in China.
„Wir konnten unseren Vorsprung gegenüber wichtigen Wettbewerbern sogar ausbauen“, sagte Hanebeck zum Autogeschäft. Besonders die Autoindustrie meldete zuletzt schlechtere Geschäfte. Infineon teilte dagegen mit, dass die Nachfrage nach Halbleitern aus der Automobilindustrie nun wieder anziehe. „Die Kunden beginnen, ihre niedrigen Lagerbestände wieder aufzufüllen“, berichtete Hanebeck. Der französisch-italienische Wettbewerber STM hatte sich vergangene Woche ähnlich geäußert. Der weltgrößte Chiphersteller TSMC hatte Mitte April ebenfalls von insgesamt guten Geschäften berichtet.
Auch künstliche Intelligenz ist ein wichtiger Treiber. Infineon liefert Produkte für die Stromversorgung für die neuen KI-Rechenzentren. Die großen Digitalkonzerne investieren gerade viele Milliarden weltweit in den Aufbau dieser Rechenzentren – und brauchen dazu auch Halbleiter von Infineon. Die Dynamik in diesem Geschäft nehme weiter zu, betonte Hanebeck. Allein im Bereich KI soll sich der Umsatz im laufenden Jahr auf 1,5 Milliarden Euro verdoppeln. Außerdem gewinne generell der Ausbau der Energieinfrastruktur an Fahrt und sei ein wichtiger Treiber für das Industriegeschäft.
Anfang Juli wird Infineon offiziell seine neue Chipfabrik in Dresden eröffnen. Die Fertigung starte „genau zum richtigen Zeitpunkt“, freute sich Hanebeck. Der Konzern investiert rund fünf Milliarden Euro an der Elbe, davon kommt etwa eine Milliarde Euro aus staatlicher Unterstützung. Infineon hat bereits seit Mitte der Neunzigerjahre einen großen Standort in Dresden, der nun um eine weitere Fabrik erweitert wurde. Auch TSMC will derzeit eine neue Produktion in Sachsen errichten und noch deutlich mehr investieren als die Deutschen. Daran ist Infineon mit einem kleinen Anteil beteiligt. Dresden hat sich in den vergangenen Jahrzehnten als weltweit bedeutender Chipstandort etabliert und zu einem sogenannten Cluster entwickelt. Das heißt, es gibt nicht nur Werke, sondern auch Forschung und Entwicklung, eine Reihe kleinerer und spezialisierter Unternehmen und Zulieferer sowie eine enge Zusammenarbeit mit den Hochschulen.
Der Dax-Konzern unterhält neben der Zentrale bei München drei große Produktionsstandorte, neben Dresden sind das Villach in Österreich und Kulim in Malaysia. Daneben gibt es kleinere Standorte etwa in China oder in den USA. Überall sollen nun die Kapazitäten besser genutzt werden, um die steigende Nachfrage zu bedienen. Hanebeck setzte die Prognose für das laufende Jahr 2025/26, das im September endet, angesichts der guten Entwicklung nach oben. Es wird nun mit einem Jahresumsatz von 16 Milliarden Euro gerechnet, das wäre ein Plus von etwa zehn Prozent. Die Gewinnmarge soll bei etwa 20 Prozent liegen.
Der Konzern mit rund 57 000 Mitarbeitenden strukturiert zudem um, aus vier werden drei Geschäftsbereiche. Die Infineon-Aktie war bereits in den vergangenen Monaten deutlich nach oben gegangen und liegt derzeit bei etwa 60 Euro, so hoch wie noch nie. An der Börse wird der Dax-Konzern mit mehr als 78 Milliarden Euro bewertet.
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