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08.09.2026
14:17 Uhr
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Sie trägt den Streetball in sich: Caitlin Clark ist bei der Basketball-WM die Attraktion bei den US-Amerikanerinnen. Auch Steph Curry, der weltweit beste Werfer bei den Männern, ist beeindruckt.

Das gibt es also auch: Eine der weltweit besten Schützinnen trifft ein Basketballspiel lang kaum etwas. Ein mageres Pünktchen beim 55:52 der US-Amerikanerinnen gegen Italien per Freiwurf, was war nur los mit Caitlin Clark? Nichts war los, sie erwischte einfach nur einen dieser Tage, an denen jeder Versuch mit einem „Klonk“ vom Korb zurückprallt. Die Spielmacherin soll für diese Weltmeisterschaft in Berlin das sein, was man landläufig „Aushängeschild“ nennt, ihr Gesicht prangt auf Werbetafeln an Bushaltestellen und auf Bannern in den Rolltreppenaufgängen der Arena am Ostbahnhof.
Alles konzentriert sich auf sie, auch wenn es mal nicht so läuft. „Klar gibt es Momente, da ist es anstrengend, wenn einem alles zu viel wird“, sagte sie kurz vor der WM in einem Interview auf der Webseite des Weltverbandes Fiba: „Ich bekomme eine Menge Aufmerksamkeit, aber das nehme ich in Kauf, denn darum geht’s ja auch als Sportlerin.“ Clark kann mit ihrer Rolle offenbar gut umgehen. Es ist die Rolle der Leitfigur einer ganzen Sportart. Die populärsten Kleidungsstücke auf den Rängen der WM-Arenen in Berlin? Trikots der deutschen Nationalspielerin Leonie Fiebich – und Caitlin-Clark-Leibchen.
Bei der Basketball-WM staunt die Welt über die größte Basketballerin des Planeten. Die Chinesin Zhang Ziyu ist ein Fall fürs Guinness-Buch – kämpft mit ihren 2,23 Metern aber auch gegen Klischees.
Wenn sie einläuft, wie am Montagabend zum Spiel gegen Tschechien, schwappt der Applaus noch etwas lauter durch die Arena. Da traf sie schon wieder besser. Und dirigierte die Offensive ihres Teams zu einem 105:64, so wie sie es auch zum Turnierstart getan hatte: 14 Punkte und elf Vorlagen gegen China – Rekord beim WM-Debüt im US-Team –, da nahm der Wirbel um diese Frau aus Des Moines im Bundesstaat Iowa in Berlin Fahrt auf.
Jedes Sportturnier bringt seine Protagonisten hervor, und es müsste schon mit dem Teufel zugehen, wenn die Hauptstadt nicht noch endgültig Caitlin-Clark-Festspiele erleben würde. Ein schlechtes Spiel, muss man da gleich nervös werden? Bei Clark werden es die Kommentatoren, sie holten gleich uralte Statistiken heraus: Seit 1971 hatte kein US-Frauen-Nationalteam mehr so wenige Punkte in einer WM-Partie erzielt, wie diese Generation in ihrem zweiten Gruppenspiel gegen die Italienerinnen. Fast ging die Nummer sogar schief, ehe es doch noch klappte mit dem 33. Sieg hintereinander bei Weltmeisterschaften.
Das ist die Fallhöhe bei diesen Amerikanerinnen, einer Allstar-Truppe aus Vermarktungs- und Wurfkünstlerinnen der US-Profiliga WNBA. Und bei Caitlin Clark, der wohl berühmtesten Basketballerin überhaupt, mit ihren Millionen Followern und Kritikern. Enttäuscht hier gerade eine Sportlerin, von der alle erwarten, dass sie die große Show abliefert? Oder sind die Erwartungen übertrieben? Woher kommt ihr Ruhm? Die Antwort: nicht nur, aber schon auch aus dem Herzen Amerikas.
Clark spielt ihre erste Weltmeisterschaft auf Erwachsenenlevel, nachdem sie schon als Teenager, etwa bei der U19-WM, eine Attraktion war. Genauso wie danach an der Uni, wo sie plötzlich in amerikanischen Wohnzimmern auftauchte. Sie sorgte für Einschaltrekorde beim College-Basketball, als zum Beispiel 2023 fast zehn Millionen Menschen ein Finalspiel mit ihr im TV sehen wollten. Noch ehe sie mit ihrem Wechsel zum WNBA-Team Indiana Fever Profi wurde, ließ der „Caitlin-Clark-Effect“ in den USA das Interesse am Frauenbasketball steigen. Eine weiße, junge Frau, die anders als manche Bekanntheit des Männer-Basketballs nicht in prekären Verhältnissen aufwuchs, sondern einer Mittelschichtfamilie aus der geografischen Mitte der USA entstammt.
Auch wenn sie inzwischen schon 24 ist und mit Sponsoren jährlich rund zehn Millionen Dollar verdienen soll, hat sie sich eine jugendliche Coolness behalten, sie zuckt oft unbekümmert mit den Schultern, ist selbstbewusst, aber nahbar. Aus ihren Uni-Tagen brachte sie eine medial ausgeleuchtete Privatfehde mit ihrer heutigen Nationalteam-Kollegin Angel Reese mit ins Jetzt (es ging um Gesten auf dem Feld und ein Foul von Clark), aber das soll abgehakt sein. Am wichtigsten ist ohnehin: ihr „Flair“ einer Streetballerin, also jene seltene Kombination aus überbordendem Bewegungstalent und Authentizität.
Bei ihr sind es rasante Richtungswechsel im Dribbling, schnittige Pässe und ihre Würfe aus teils acht, neun Metern Entfernung. Spätestens da drängt sich der Vergleich mit NBA-Kollege Steph Curry auf, dem Phänomen des US-Basketballs, der mit seinen Treffern aus unmöglichen Winkeln und Ecken des Spielfeldes seinen Sport revolutionierte. Curry, 38, drückte bereits seine Bewunderung für Clarks Spiel aus, er nahm bei NBC Bezug auf ihr blitzschnelles Abdrücken beim Wurf, das „fast genauso schnell“ wie bei ihm erfolge. Dass sie im vergangenen Winter mit seinem Individualtrainer Brandon Payne an ihrem Wurf schraubte, erscheint nur folgerichtig.
In Berlin geht es Clark aber nicht nur um sich, sondern auch ums Wachstum des Frauenbasketballs generell. „Was mich antreibt, sind die vielen Fans in den Hallen, all diese Menschen, vor denen wir hier spielen dürfen“, erklärte sie. Gegen die Tschechinnen waren es in der vollen Uber Arena übrigens 11 693. Die meisten waren nach dem deutschen Spiel gegen Mali einfach dageblieben – um Caitlin Clark zu sehen.
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