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22.04.2026
14:38 Uhr
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In Dresden hergestellte Mini-Chips landen künftig in In-Ear-Headsets. Bei Ankers Thus laufen KI-Modelle in NOR-Flash.

Der Netzteil- und Powerbank-Spezialist Anker geht unter die Anbieter von KI-Chips. Anders als viele Start-ups bringt Anker allerdings nicht den x-ten KI-Beschleuniger für Server, sondern einen auf winzige Endgeräte spezialisierten Nischen-Chip mit dem Namen Thus. Er ist primär für In-Ear-Headsets gedacht, in denen er etwa bei Telefonaten die Umgebungsgeräusche zuverlässiger unterdrücken soll als bisherige Alternativen.
Thus ist ein NOR-Flash-Speicherbaustein ohne klassische CPU-Kerne oder Matrix-Einheiten. Stattdessen moduliert ein Controller die Widerstände der NOR-Gatter so, dass sie die notwendigen Matrizen abbilden (Compute in Memory, CIM). NOR steht für „not or“; entsprechende Gatter führen die NICHT-ODER-Operationen aus.
Das Prinzip gab es schon in den 90er-Jahren. Damals bot Mitsubishi 3DRAM an, das einfache Operationen einer arithmetisch-logischen Einheit übernehmen konnte. Im KI-Zeitalter bekommt Compute in Memory wieder stärkere Bedeutung.
Das CIM-Prinzip hat zwei Vorteile, die In-Ears zugutekommen: Es spart Platz und kommt mit einigen Milliwatt elektrischer Leistung aus, da die Daten nicht energieintensiv zwischen CPU und Speicher hin und her wandern müssen. Anders als Ankers Bildmaterial andeutet, ist Thus nur wenige Quadratmillimeter klein.
Auf der Schattenseite ist die Rechenleistung vergleichsweise gering. Rund fünf Milliarden Rechenoperationen pro Sekunde soll Thus schaffen. Die KI-Einheiten in modernen Mobilprozessoren wie Intels Core Ultra 300 sind um den Faktor 10.000 flotter. Laut Anker reicht Thus für KI-Modelle mit mehreren Millionen Parametern.
Ein Chipauftragsfertiger stellt die Thus-Chips in Dresden her; weitere Details dazu nennt Anker nicht. X-Fab und Globalfoundries produzierten in der Region NOR-Flash. Ende 2023 hat Globalfoundries zusammen mit Microchip einen Fertigungsprozess angekündigt, der passen würde: 28SLPe.
Die Technik des Anker Thus erinnert an die des 2022 angekündigten WTM2101 der chinesischen Firma Witmem. Der nutzt die "memBrain"-Technik der Microchip-Sparte SST. SST kombiniert die hauseigenen SuperFlash-Speicherzellen mit Logik-Funktionsblöcken, um Multiply-Accumulate-(MAC-)Rechenoperationen auszuführen, ohne die in den Flash-Zellen gespeicherten Gewichte des KI-Algorithmus erst in einen Arbeitsspeicher laden zu müssen.
In Zukunft soll Thus zu einer Plattform werden, der weitere Chipableger für andere Anwendungsgebiete entspringen. Erste Produkte mit den Chips dürften in den kommenden Monaten erscheinen, etwa Headsets der Anker-Marke Soundcore.
memBrain-Infos hinzugefügt.
(mma)