Heise 20.07.2026
13:58 Uhr

Stromausfall Berlin: Beschuldigte wehren sich gegen Auswertung von Mobilgeräten


Nach einem Anschlag auf die Berliner Stromversorgung wehren sich vier Tatverdächtige gegen die Beschlagnahmung von Smartphones und anderen Geräten.

Stromausfall Berlin: Beschuldigte wehren sich gegen Auswertung von Mobilgeräten

Nach dem Anschlag auf die Stromversorgung des Technologieparks Adlershof im September 2025 haben die Behörden vier Tatverdächtige ermittelt, die derzeit vor Gericht gegen die Auswertung beschlagnahmter elektronischer Geräte vorgehen. Das erklärte die Generalstaatsanwaltschaft Berlin gegenüber der dpa und bestätigte damit einen Bericht der Welt am Sonntag (WamS) vom Wochenende.

Im Fall des Sabotageakts auf die Stromversorgung rund um den Technologiepark Adlershof im September 2025 hätten die Behörden vier mutmaßliche Beteiligte im Visier, die der linksextremen Szene zugerechnet würden, heißt es in dem Bericht. Bei einer Großrazzia im März seien bei der Gruppe Mobiltelefone und hochentwickelte elektronische Geräte sichergestellt worden. Diese hätten dazu gedient, Kameras, Wanzen und Mikrofone aufzuspüren. Alles deute auf ein hochkonspiratives Vorgehen hin.

Die Verdächtigen haben nun Rechtsmittel gegen die Durchsuchungsbeschlüsse und die Beschlagnahmungen eingelegt. Eine Entscheidung der Berliner Generalstaatsanwaltschaft stehe noch aus, sagte deren Sprecher. Sollte der Widerspruch Erfolg haben, müssten die Geräte wieder ausgehändigt und könnten gegebenenfalls nicht als Beweismittel verwendet werden.

Am 9. September 2025 hatte ein nächtliches Feuer das Starkstromkabel im Südosten Berlins weitgehend zerstört. In einem Bekennerschreiben im Internet war von einem Angriff auf den Technologiepark Adlershof und die dortigen Firmen und Forschungseinrichtungen aus den Bereichen IT, Robotik, Bio- und Nanotechnologie, Raumfahrt sowie Sicherheits- und Rüstungsindustrie die Rede. Betroffen waren zeitweise rund 50.000 Privathaushalte und rund 2000 Gewerbebetriebe.

Parallel habe das Bundeskriminalamt im Verfahren zum Brandanschlag vom Januar im Berliner Südwesten konkrete Tatverdächtige ermittelt, heißt es weiter. Ziel des Brandanschlags war eine Kabelbrücke in der Nähe des Kraftwerks Lichterfelde. Rund 45.000 Haushalte waren tagelang ohne Strom. Zu dem Anschlag hatte sich eine linksextreme Vulkangruppe bekannt.

Die Sicherheitsbehörden verzeichnen laut der WamS aktuell Ermittlungserfolge im Bereich des gewaltbereiten Linksextremismus, der verstärkt in den Fokus internationaler Kooperationen rücke. In Washington berieten demnach kürzlich auf Einladung des US-Außenministeriums Vertreter aus mehr als 60 Staaten über transnationalen linksextremen Terrorismus, wobei auch das Bundesinnenministerium vertreten gewesen sei. US-Außenminister Marco Rubio habe in diesem Rahmen den Berliner Blackout vom Januar als anschauliches Beispiel hervorgehoben.

(vbr)