Heise 19.05.2026
14:45 Uhr

Skoda Epiq vorgestellt: Fern jeder Aufregung


Skoda hat mit dem Epiq ein neues, kompaktes E-SUV vorgestellt. Er setzt auf bewährte Technik und ein pragmatisches Konzept für den Massenmarkt.

Skoda Epiq vorgestellt: Fern jeder Aufregung

Kann man Erfolg vorhersagen? Die Konkurrenz muss hin und wieder heimlich verzweifeln: Volkswagen hat in den vergangenen Jahren und Jahrzehnten einige Trends verschlafen, um dann im Anschluss mit optisch wie technisch unspektakulären Modellen bei den Zulassungszahlen die anderen hinter sich zu lassen. Es bestehen berechtigte Chancen, dass dieses Rezept für den Konzern auch bei VW ID. Cross und Skoda Epiq funktionieren wird. Der Epiq, ein kleines E-SUV, wurde nun offiziell vorgestellt.

Der Volkswagen-Konzern betritt mit dem Skoda Epiq beileibe kein Segment, das von anderen Herstellern bislang ignoriert worden wäre. Mit 4,17 m ist er etwa so lang wie ein Opel Mokka. Der Radstand misst 2,6 m, also rund 17 cm weniger als im Skoda Elroq. Das wird sich im Platzangebot fraglos widerspiegeln. Allerdings hat Skoda in der Vergangenheit schon oft bewiesen, dass sie ein gutes Händchen für vergleichsweise großzügige Raumangebote haben.

Der Kofferraum fasst 475 Liter, was auch daran liegt, dass es ein tiefes Fach zwischen Hinterachse und Heckstoßfänger gibt. Zum Vergleich: Der Opel Mokka Electric fasst 310 Liter. Die Rückbank ist nicht verschiebbar. Der Gepäckraum selbst misst knapp 70 cm in der Tiefe und einen Meter zwischen den Radhäusern. Das Fach unter der vorderen Haube ist mit 25 Litern recht klein geraten. Immerhin gibt es nun eines, denn wer das in Elroq oder Enyaq haben möchte, muss nachrüsten. Falls das alles nicht reicht: Das Basismodell kann bis zu 500 kg an den Haken nehmen, die Version mit großer Batterie sogar 1200 kg. Skoda nennt als maximale Stützlast für alle Varianten 75 kg. Auch eine Dachlast scheint vorgesehen zu sein: Unter den ersten Pressebildern ist eines enthalten, auf dem der Epiq ein Rennrad trägt. Das ist erwähnenswert, denn auf dem VW ID.3 kann nichts transportiert werden.

Volkswagen hat sich für eine konservative Gestaltung entschieden. So würzen höchstens ein paar Details wie die unteren Löcher-Leisten in den Stoßfängern die Angelegenheit etwas nach, in denen die linke Öffnung rot lackiert sein kann. An anderer Stelle zeigt sich Skoda pragmatisch: Das Basismodell bekommt Stahlfelgen mit Radkappen, und wie die Türgriffe zu bedienen sind, erschließt sich, ohne auch nur eine Sekunde darüber nachdenken zu müssen. Den Trend zu ausfahrenden Hebeln macht die Marke schon aus Kostengründen nicht mit.

Denn Sparen war durchaus ein Thema. Hinten verbaut Skoda eine günstige Längslenkerachse mit Torsionsstab. Im Innenraum entspricht das Kombiinstrument genau dem, was in VW ID.3 und Cupra Born gerade aussortiert wird. Es ist ein 5,3-Zoll-Display und liefert nur die nötigsten Informationen. Auf dem Lenkrad gibt es keine Wischflächen, sondern feste Tasten und zwei Rollen. Der Tempomat wird, wie seit Jahrzehnten bei Volkswagen, über einen eigenen Hebel bedient. Auch die Schalter für Fensterheber und Spiegelverstellung sind vertraut. Rechts an der Lenksäule gibt es einen Knopf zum Starten, doch vermutlich wird Skoda das auch hier standardmäßig über die Sitzbelegung abhandeln: Einsteigen, Bremspedal einmal betätigen, Richtung vorgeben – und los geht es.

Skoda

Die Lautstärke des Infotainmentsystems wird wieder über eine Wischfläche oder eine der Rollen im Lenkrad bedient. Unter den mittleren Lüftungsdüsen sind einige Funktionen direkt zu erreichen. Ausgeliefert werden die ersten Epiq mit dem Softwarestand 6.0. Der bringt eine leicht veränderte Oberfläche mit, bei der die bislang horizontalen Leisten oben und unten an die Seiten verlegt wurden. Ganz allgemein lässt sich die Oberfläche ziemlich weitreichend so gestalten, dass der Fahrer an die Funktionen herankommt, die er oft nutzt. Android Auto und Apple CarPlay lassen sich selbstverständlich kabellos nutzen. Es gibt nur eine induktive Ladeschale, obwohl Platz für zwei gewesen wäre.

Auch bei den möglichen Extras enthält sich Skoda jener Spielereien, die in dieser preissensiblen Klasse vermutlich ohnehin nur eine Minderheit der Kunden ordern würde. Bestellt werden kann unter anderem Matrix-Licht, beheizbares Lenkrad, schlüsselloser Zugang und ein Soundsystem von Canton. Das Smartphone als Schlüssel und die Möglichkeit, den Epiq selbstständig einen Parkplatz anfahren zu lassen – gesteuert von außen über ein Handy – sind in Vorbereitung. Beides sind in dieser Klasse noch keine selbstverständlichen Extras. Anders als im Elroq gibt es im Epiq wieder eine optionale Verglasung des Dachs. Öffnen lässt es sich leider nicht, aber im Gegensatz zum BMW iX3 spart sich Skoda wenigstens eine motorisierte Blende nicht.

Der Volkswagen-Konzern bricht an einer Stelle mit der bisherigen Praxis: Hinten sind wieder Scheibenbremsen eingebaut. Bislang hatten Modelle, die den Modularen E-Antriebs-Baukasten (MEB) nutzen, meist Heckantrieb und Trommelbremsen hinten. Rekuperiert wurde dann über die Hinterräder, die Betriebsbremse war nur im Ausnahmefall gefragt. Skoda liefert die Erklärung für die Umstellung auf Scheibenbremsen hinten im Epiq gleich mit. Anders als in den größeren Modellen wird im Epiq und den anderen Setzlingen, die den MEB+ nutzen, über die Vorderachse rekuperiert. Damit, schreibt Skoda, würden die hinteren Bremsen häufiger beansprucht, die Oxidation der Bremsscheiben sei begrenzt. Ich habe im Opel Corsa-e gänzlich andere Erfahrungen gemacht, aber vielleicht bekommt Volkswagen das ja sehr viel besser hin. Der Epiq sei übrigens der erste Skoda, der One-Pedal-Driving ermöglicht.

Zum Start des Epiq sind drei Antriebsvarianten geplant. Alle haben Frontantrieb, etwas anderes ist auf dieser Plattform auch nicht vorgesehen. Die technischen Eckdaten sind von anderen Modellen auf dieser Basis bereits bekannt. Die kleine Batterie setzt auf Lithium-Eisen-Phosphat (LFP) und hat 37,5 kWh netto. Der große Speicher bringt nutzbare 51,5 kWh mit und verwendet als Zellchemie eine Mischung aus Nickel, Mangan und Kobalt.