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28.05.2026
09:10 Uhr
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Ein Google-Ingenieur soll mit internen Firmendaten auf Polymarket über 1,2 Millionen US-Dollar verdient haben – jetzt landet er vor Gericht.

Ein Google-Softwareingenieur ist am Mittwoch in New York wegen Insiderhandels auf dem Wettmarkt Polymarket angeklagt worden. Der italienische Staatsbürger mit dem Polymarket-Nutzernamen „AlphaRaccoon“ soll mit vertraulichen Unternehmensdaten mehr als 1,2 Millionen US-Dollar Gewinn erzielt haben, teilte das US-Justizministerium mit.
„Die Anklage bekräftigt eine jahrzehntealte Botschaft: Unternehmensinsider dürfen keine vertraulichen Geschäftsinformationen nutzen, um in unseren Märkten Profit zu machen“, lässt sich der Bundesanwalt für den Southern District of New York darin zitieren. „Insiderhandel untergräbt die Integrität unserer Märkte, und Amerikaner wollen, dass dieses von Gier getriebene Verhalten untersucht und verfolgt wird.“
Laut der Anklageschrift setzte „AlphaRaccoon“ zwischen Oktober und Dezember 2025 auf verschiedene Kontrakte auf Polymarket, in denen es um Google-Suchergebnisse ging – darunter Wetten darauf, welche Personen und Begriffe im Google-Jahresrückblick erscheinen würden. Dabei soll er auf vertrauliche Google-interne Daten zurückgegriffen haben, die er als Mitarbeiter des Unternehmens einsehen konnte. Er traf laut Klageschrift dadurch eine Reihe auffällig präziser Vorhersagen.
Unter anderem soll er korrekt gewettet haben, dass der Sänger D4vd die meisttrendende Person im Google-Jahresrückblick 2025 wird – eine Wette, deren Erfolgswahrscheinlichkeit von Polymarket zu diesem Zeitpunkt auf etwa null Prozent geschätzt wurde. Insgesamt soll „AlphaRaccoon“ mit solchen Wetten mehr als 1,2 Millionen US-Dollar eingenommen haben. Zudem soll er versucht haben, die Quelle dieser Einnahmen zu verschleiern. Ihm werden Betrug und Geldwäsche vorgeworfen.
Google erklärte gegenüber ABC News, der Mitarbeiter habe auf Material zugegriffen, das prinzipiell allen Angestellten offen stand. „Die Nutzung solcher vertraulichen Informationen für Wetten ist jedoch ein schwerer Verstoß gegen unsere Richtlinien“, teilte das Unternehmen mit. Der Mitarbeiter wurde demnach beurlaubt.
Der Google-Angestellte erschien am Mittwoch vor einem Bundesgericht in New York und wurde auf Kaution von 2,25 Millionen US-Dollar freigelassen.
Es ist der zweite bekannte Fall, in dem die US-Justiz jemanden wegen Insiderhandels auf Prediction-Market-Plattformen anklagt. Im April wurde ein US-Soldat verhaftet, der laut Anklage klassifizierte Informationen über die Militäroperation zur Festnahme des früheren venezolanischen Präsidenten Nicolás Maduro genutzt hatte, um rund 400.000 US-Dollar auf Polymarket zu verdienen.
In beiden Fällen hat die Prognosemarkt-Plattform Polymarket eigenen Angaben zufolge eng mit Ermittlern zusammengearbeitet. „Wir haben das gemeldet, weitergeleitet und den gesamten Prozess über kooperiert“, schrieb CEO Shayne Coplan auf X.
Coplan war in der Vergangenheit immer wieder mit Aussagen aufgefallen, die Insiderhandel auf Polymarket verharmlosen. Zuletzt schärfte die Plattform aber ihre Richtlinien deutlich nach: „Insiderhandel ist streng verboten“, heißt es auf der Webseite von Polymarket. Auch die Konkurrenzplattform Kalshi verbietet Insider Trading offiziell.
Kalshi, das als US-regulierte Derivatebörse unter der Aufsicht der CFTC operiert, hat eigenen Angaben bereits 200 Untersuchungen wegen verdächtiger Trades eingeleitet. Polymarket dagegen tat sich lange mit einer klaren Linie schwer. CEO Coplan sagte etwa im November 2025 in einem Interview mit CBS News: „Ich denke, es ist gut, wenn Menschen einen Informationsvorsprung im Markt haben.“ Beim Axios BFD Summit erklärte er, Insiderhandel könne auf Polymarket sogar vorteilhaft sein, weil er die Preisgenauigkeit verbessere.
Der Ausschuss des US-Repräsentantenhauses für Government Oversight leitete am Freitag Untersuchungen gegen Insiderhandel auf beiden Plattformen ein. Der Senat hat seine Mitglieder bereits im April vom Handel auf Prediction Markets ausgeschlossen.
(dahe)