Heise 20.05.2026
10:53 Uhr

Googles 3D-Weltgenerator erzeugt jetzt echte Orte aus Street View


Googles Project Genie wird breiter verfügbar und kann nun interaktive 3D-Umgebungen aus Street-View-Aufnahmen erzeugen.

Googles 3D-Weltgenerator erzeugt jetzt echte Orte aus Street View

Google hat auf seiner Entwicklerkonferenz I/O 2026 eine neue Fähigkeit von Project Genie vorgestellt: Der 3D-Weltgenerator kann nun auf Aufnahmen aus Google Street View zugreifen und daraus erkundbare 3D-Umgebungen echter Orte erzeugen. Damit rücken KI-generierte Welten und reale Schauplätze näher zusammen.

Nutzer wählen dafür in Project Genie über ein Kartensymbol einen Ort in den USA aus, legen optional einen Stil wie „Wüstenwelt“ oder „Steinzeit“ fest und beschreiben anschließend eine Spielfigur. Daraus erzeugt Genie eine Fantasiewelt, die auf Street-View-Aufnahmen basiert. Im eigenen Blog zeigt Google als Beispiel die Golden Gate Bridge als Unterwasserwelt, die man als Taucher erkundet.

Technisch basiert die Funktion auf dem im April vorgestellten Bildgebungswerkzeug „Maps Imagery Grounding“, mit dem sich generative KI-Bilder in realen Straßenansichten von Google Street View verankern lassen. Google zufolge sind derzeit nur Orte in den USA verfügbar, weitere Regionen sollen später folgen.

Project Genie war bislang US-Nutzer vorbehalten. Mit der gestrigen Ankündigung macht Google Project Genie nun schrittweise auch außerhalb der USA verfügbar. Nutzer benötigen aber weiterhin das Premium-Abo „Google AI Ultra“. Der bisherige Tarif für 250 US-Dollar pro Monat wurde auf der Entwicklerkonferenz durch zwei neue Ultra-Tarife für 100 und 200 US-Dollar pro Monat ersetzt. Project Genie bleibt dem teureren 200-Dollar-Tarif vorbehalten, wird damit aber zumindest etwas günstiger.

Project Genie basiert auf Genie 3, Googles allgemeinem Weltmodell, das vielfältige und begrenzt interaktive Umgebungen erzeugen kann. Google erforscht solche Weltmodelle unter anderem für das virtuelle Training von KI-Agenten, Robotern und autonomen Systemen wie selbstfahrenden Fahrzeugen.

Im Januar machte Google das Modell erstmals für Anwender zugänglich und nannte diese Seite der Forschung Project Genie. Während Genie von Google DeepMind entwickelt wird, ist für Project Genie Google Labs verantwortlich.

Google bezeichnet Project Genie als experimentellen Prototyp, weil dessen Funktionen noch deutlich eingeschränkt sind: Erzeugte 3D-Umgebungen lassen sich derzeit nur rund eine Minute lang erkunden und auch die Interaktivität bleibt stark limitiert. Um eine Welt zu erzeugen, genügen Texteingaben, Bilder und nun auch reale Orte.

Bei der Ankündigung im Januar gerieten die Aktien großer Spielefirmen unter Druck, weil Anleger in KI-Modelle wie Project Genie eine mögliche Konkurrenz für klassische Spielentwicklung sahen. Unser Praxistest zeigte jedoch, dass sich die Branche vorerst keine Sorgen machen muss.

(tobe)