Heise 12.05.2026
08:55 Uhr

Entlastung der Stromnetze: Parkende Elektroautos laden Elektrofähren auf


Die Hochschule Osnabrück und die Reederei Norden-Frisia wollen den elektrischen Fährbetrieb nachhaltiger gestalten – mit Energie von Elektroautos.

Entlastung der Stromnetze: Parkende Elektroautos laden Elektrofähren auf

Die niedersächsische Hochschule Osnabrück hat zusammen mit der Reederei Norden-Frisia ein Forschungsprojekt zum bi-direktionalen Laden von Elektrofähren über parkende Elektroautos begonnen. In dem Projekt „Bi-direktionale Integration von Elektrofahrzeugen“ soll untersucht werden, wie das regionale Stromnetz entlastet werden kann, um Fährverbindungen mit elektrisch betriebenen Fähren vom Festland zu den ostfriesischen Inseln zu realisieren. Der bisher auf fossile Verbrennung basierende Fährverkehr soll so gegen eine umweltfreundlichere Variante ersetzt werden.

Der Ansatz des Forschungsprojektes besteht in der Integration von Elektroautos zum Aufladen der Elektrofähren über ein Vehicle-to-Grid-System (V2G). Elektroautos, die auf dem Parkplatz der Reederei Norden-Frisia abgestellt sind, werden dabei über eine dort seit 2024 installierte 1700-kWp-Photovoltaikanlage (PV) mit stationärem elektrischem Speicher während des Parkvorgangs aufgeladen. Die dabei gespeicherte Energie nutzen die Forscher und die Reederei dazu, um damit eine vollelektrische Personenfähre aufzuladen, die seit März 2025 zwischen Norddeich Mole und der Insel Norderney im Fährbetrieb im Einsatz ist.

Sobald die Fähre im Hafen angekommen ist, fließt die in den Batterien der Elektroautos gespeicherte Energie in das Ladesystem der Fähre, um deren Batterien aufzuladen. Neben dem Strom aus den dezentralen Energiespeichern wird dabei zusätzlich der Strom aus der Photovoltaikanlage zum Aufladen der Elektrofähre genutzt. Die Forscher und die Reederei erhoffen sich dadurch eine deutliche Entlastung des lokalen öffentlichen Stromnetzes. Der vor Ort produzierte Strom über die PV-Anlage könne besser ausgenutzt und das öffentliche Stromnetz entlastet werden, so der Ansatz der Forscher der Hochschule Osnabrück.

„Durch die Nutzung von Fahrzeugen als dezentrale Energiespeicher wird der Anteil regenerativer Energie maximiert, das Netz entlastet und die Fahrzeugbatterien in einem ‚Wellness-Betrieb‘ gehalten“, sagt Hans-Jürgen Pfingster, Professor für Elektrotechnik an der Hochschule Osnabrück und einer der beiden Leiter des Projekts.

Die Hochschule Osnabrück und die Reederei Norden-Frisia wollen nun bis Januar 2027 herausfinden, wie mit solchen bi-direktionalen Ansätzen nachhaltige Geschäftsmodelle und Energieversorgungssysteme für eine fossilfreie Mobilität auch im Fährbetrieb geschaffen werden können.

Das Projekt erhält bis zum Projektende von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (BDU) Fördergelder in Höhe von 164.894 Euro.

(olb)