Heise 10.06.2026
05:04 Uhr

EU: WhatsApp muss andere KI-Chatbots kostenfrei zulassen, sonst droht Zwangsgeld


WhatsApp soll rivalisierende KI-Chatbots innerhalb von fünf Tagen kostenfrei erlauben. Es ist eine bislang selten genutzte EU-Zwangsmaßnahme. Meta protestiert.

EU: WhatsApp muss andere KI-Chatbots kostenfrei zulassen, sonst droht Zwangsgeld

Die EU-Kommission hat Meta Platforms angewiesen, WhatsApp für konkurrierende KI-Chatbots kostenfrei zu öffnen. Das soll der Facebook-Konzern innerhalb von fünf Arbeitstagen umsetzen, sonst drohen Zwangsgelder in erheblicher Höhe. Denn laut EU-Kommission könnte die bislang erhobene Gebühr für andere Chatbots „schweren und nicht wiedergutzumachenden Schaden für den Wettbewerb“ verursachen. Meta Platforms bezeichnet es als Kompetenzüberschreitung und kündigt Rechtsmittel an.

Meta Platforms hat den eigenen KI-Chatbot „Meta AI“ in WhatsApp integriert, aber das soll nach Ansicht der EU-Wettbewerbshüter anderen Anbietern nicht verschlossen bleiben. Deshalb leitete die EU-Kommission eine Untersuchung gegen Meta ein. Sie geht davon aus, dass Meta seinen Konkurrenten den Zugang zu WhatsApp-Daten erschwert und damit gegen europäisches Wettbewerbsrecht verstößt. Die Wettbewerbshüter drohten mit Zwangsmaßnahmen, woraufhin Meta im März konkurrierende KI-Assistenten temporär für ein Jahr und gegen eine Gebühr wieder auf WhatsApp zuließ.

Doch diese Gebühr könnte ebenfalls ein mutmaßlicher Verstoß gegen Wettbewerbsregeln sein. Denn nach einer Analyse erklärte die EU-Kommission, „dass die überarbeitete Richtlinie offenbar denselben Effekt hat, nämlich den Ausschluss von KI-Assistenten von Drittanbietern aus WhatsApp, und somit auf den ersten Blick gegen EU-Wettbewerbsregeln verstößt“. Deshalb wurde bereits im April berichtet, dass die EU Meta anweisen wird, konkurrierende KI-Chatbots in WhatsApp zuzulassen – zu „den gleichen Bedingungen wie vor dem 15. Oktober“, also kostenfrei.

Das hat die EU-Kommission jetzt umgesetzt und „einstweilige Maßnahmen gegen Meta verhängt, um für freien Zugang konkurrierender KI-Assistenten zu WhatsApp zu sorgen“. Der EU-Beschluss ordnet an, „dass Meta den Zugang von allgemeinen KI-Assistenten Dritter zur Programmierschnittstelle von WhatsApp for Business zu denselben Bedingungen wie vor dem 15. Oktober 2025 wiederherstellen muss, als dieser Zugang für alle diese KI-Assistenten kostenlos war“. Das soll Meta innerhalb von fünf Arbeitstagen umsetzen.

Es handelt sich um eine einstweilige Maßnahme. Diese soll gewährleisten, dass der Wettbewerb bis zum Abschluss des Kartellverfahrens nicht dauerhaft beeinträchtigt wird. „Auf von raschen Veränderungen geprägten Märkten kann der Wettbewerb lange vor Erlass eines abschließenden Beschlusses ausgeschaltet werden“, erklärt Teresa Ribera, Exekutiv-Vizepräsidentin für einen sauberen, fairen und wettbewerbsfähigen Wandel. „Die einstweiligen Maßnahmen werden deshalb für die gesamte Dauer der Untersuchung gelten, damit wir einen Schaden verhindern, der fast nicht wiedergutzumachen wäre.“

Sollte der Facebook-Konzern der Anordnung nicht Folge leisten, kann die EU-Kommission Geldbußen verhängen, die bis zu 10 Prozent des im Geschäftsjahr vor dem Verstoß erzielten Gesamtumsatzes betragen können. Angesichts des 2025 erzielten Jahresumsatzes von etwas mehr als 200 Milliarden US-Dollar könnte dies Meta Platforms erheblich treffen. Zudem drohte die EU-Kommission bei Zuwiderhandlung mit täglichen Zwangsgeldern von bis zu 5 Prozent des durchschnittlichen Tagesumsatzes.

Die Reaktion von Meta Platforms erfolgte prompt und ist eindeutig. „Die Europäische Kommission hat entschieden, dass OpenAI und einige der weltweit größten Unternehmen das kostenpflichtige Produkt WhatsApp Business unentgeltlich nutzen dürfen“, erklärte der Konzern laut BBC. „Dies stellt eine regulatorische Überschreitung der Befugnisse dar, die von den vielen europäischen Unternehmen subventioniert wird, die dafür bezahlen. Wir werden dagegen Rechtsmittel einlegen.“

Schon im April hatte ein Meta-Sprecher zu den sich abzeichnenden EU-Maßnahmen erklärt: „Das bedeutet, dass eine kleine Bäckerei in Frankreich, die für die Nutzung des Dienstes zur Annahme von Croissant-Bestellungen bezahlt, die Kosten für OpenAI tragen wird. Kleine europäische Unternehmen sollten nicht für OpenAI aufkommen müssen.“ Laut Politico ist dies erst das zweite Mal in mehr als zwei Jahrzehnten, dass die EU-Kommission zu einer solch dringenden Anordnung gegriffen hat.

(fds)