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04.06.2026
08:45 Uhr
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Der französische Chipdesigner SiPearl zeigt seinen ersten Prozessor. Das Gesamtpaket ist etwa handtellergroß.

Auf der IT-Messe Computex in Taipeh ist erstmals SiPearls ARM-Prozessor Rhea1 zu sehen. Er ist das wichtigste EU-Projekt, um Hardware-Alternativen zu den etablierten Herstellern wie AMD, Intel und Nvidia anzubieten. Die zugrundeliegende European Processor Initiative (EPI) soll die Abhängigkeit verringern.
Das Herzstück des Rhea1 ist ein Compute-Die mit 80 ARM-Kernen vom Typ Neoverse V1. Aus Mangel an modernen europäischen Fertigungsprozessen übernimmt der taiwanische Chipauftragsfertiger TSMC die Produktion mit 6-Nanometer-Strukturen (N6P). Erst kürzlich hat SiPearl die ersten lauffähigen Exemplare von TSMC erhalten.
Um das Compute-Die herum sitzen vier High-Bandwidth-Memory-Stapel (HBM2e) mit einer Kapazität von insgesamt 64 GByte. Für mehr Speicherkapazität gibt es vier Speicherkanäle für DDR5-RAM. Die zwei Dies zwischen dem HBM sind unbelichtet und dienen lediglich der Stabilisierung des Gesamtkonstrukts. Solche Dummys sind gängige Praxis bei Serverprozessoren und KI-Beschleunigern.
Mark Mantel / heise medien
Die jahrelange Verspätung von Rhea1 lag hauptsächlich an der Finanzierung. Die sogenannte Serie-A-Finanzierungsrunde zog sich zwei Jahre länger hin als erwartet. Das Interesse in der Industrie soll trotz der inzwischen veralteten Technik hoch sein. SiPearl profitiert von der allgemein hohen Nachfrage nach Serverprozessoren aufgrund des anhaltenden KI-Booms. Bonus: Der ausgereifte 6-nm-Fertigungsprozess drückt die Kosten nach unten.
Rhea2 befindet sich derzeit in der Designphase. Er soll ein High-End-ARM-Prozessor für Rechenzentren werden. RISC-V sei noch zu jung; ARM passe bislang perfekt zum Anforderungsprofil. Aktuell läuft die zweite Finanzierungsrunde (Serie B), die SiPearl 270 Millionen Euro einbringen soll. Generell erwartet die Firma deutlich zügigere Fortschritte als bei Rhea1.
Zu den Spezifikationen von Rhea2 hielt sich der SiPearl-Chef Philippe Notton auf der Computex noch bedeckt. Lediglich eine Prozessgeneration steht schon fest: Die Firma visiert TSMCs 3-nm-Technik an. Rhea2 wechselt zudem auf Chiplet-Bauweise mit mehreren Dies.
(mma)