Heise 26.05.2026
17:08 Uhr

China weitet Ausreisebeschränkungen für KI-Talente aus


Um KI-Fachkräfte im Land zu halten, weitet China bestehende Reiseauflagen auf Angestellte privater Firmen aus. Das könnte den gegenteiligen Effekt haben.

China weitet Ausreisebeschränkungen für KI-Talente aus

China verschärft die Kontrolle über KI-Talente: Wer an fortgeschrittener KI arbeitet und als strategisch wichtig für das Land eingestuft wird, muss Auslandsreisen künftig von den Behörden genehmigen lassen, berichtet Bloomberg.

Zu den Betroffenen zählen demnach unter anderem Start-up-Gründer, Forscher und KI-Führungskräfte privater Firmen wie Alibaba und DeepSeek. Unklar ist laut dem Bericht bislang, wie weit die Maßnahmen innerhalb der Branche reichen, welche Positionen betroffen sind und welche weiteren Rollen noch darunterfallen könnten.

Reisebeschränkungen für Personen in strategisch wichtigen Bereichen gab es bereits früher. Neu sei, dass die Regierung nun gezielt Talente aus der KI-Branche und Angestellte von Privatfirmen ins Visier nimmt. Zwar hätten einige KI-Ingenieure aus der Privatwirtschaft schon zuvor Auslandsreisen bei den Behörden melden müssen. Eine vorherige Genehmigung sei jedoch nicht zwingend erforderlich gewesen.

Die Ausweitung der Reisebeschränkungen folgt auf den Streit um die KI-Firma Manus. China hatte die Übernahme des ursprünglich in China gegründeten und später nach Singapur verlegten KI-Start-ups durch Meta untersagt und die beteiligten Unternehmen aufgefordert, bereits unternommene Schritte rückgängig zu machen. Im Zuge der Prüfung durften Manus-CEO Xiao Hong und Chefforscher Ji Yichao das Land nicht verlassen.

Der Fall zeigt, dass Peking KI-Kompetenz zunehmend als strategische Ressource behandelt. Im KI-Wettlauf mit den USA standen bislang vor allem KI-Chips und die dafür nötige Halbleitertechnik im Vordergrund. Die neuen Reiseauflagen erweitern diese Logik auf die Personen hinter diesen Technologien: Wer an KI arbeitet, wird selbst zum sicherheitspolitischen Faktor. Dass die Maßnahmen nun auch private Firmen treffen, macht den Eingriff für Chinas KI-Branche besonders heikel.

Für China ist das ein Balanceakt. Einerseits sollen die Reiseauflagen verhindern, dass strategisch wichtiges Know-how ins Ausland abfließt. Andererseits könnten sie genau jene Fachkräfte abschrecken, die China im Wettbewerb mit den USA dringend braucht. Für KI-Talente, die international arbeiten und forschen wollen, könnten heimische Firmen an Attraktivität verlieren. Manche könnten sich zudem gedrängt sehen, schon früher ins Ausland zu gehen, um sich internationale Karrierewege offenzuhalten und staatlichen Eingriffen wie im Fall Manus zu entgehen.

(tobe)