Heise 17.07.2026
12:34 Uhr

CD-Verkäufe in den USA steigen, obwohl viele Käufer keinen CD-Player haben


In den USA steigen die CD-Verkäufe, angetrieben von K-Pop, Sammelleidenschaft und der Sehnsucht junger Hörer nach vergangenen Musikjahrzehnten.

CD-Verkäufe in den USA steigen, obwohl viele Käufer keinen CD-Player haben

Die CD-Verkäufe in den USA stiegen in den ersten sechs Monaten des Jahres sprunghaft um 16 Prozent auf 16,3 Millionen Einheiten, berichtet das US-Marktforschungsinstitut Luminate. Damit entwickelten sie sich deutlich stärker als die Vinyl-Verkäufe, die gegenüber dem Vorjahreszeitraum lediglich um 2,4 Prozent zulegten.

Luminate führt das starke CD-Wachstum auf mehrere Faktoren zurück: CDs sind vergleichsweise günstig, werden zunehmend gesammelt und profitieren von erfolgreichen K-Pop-Veröffentlichungen. Gerade K-Pop-Alben erscheinen oft in mehreren Editionen mit unterschiedlichen Covern und Beigaben, sodass Fans mitunter mehr als eine Ausgabe kaufen. Der Aufschwung geht jedoch über das Genre hinaus: Selbst ohne BTS und andere K-Pop-Künstler wäre der CD-Absatz im ersten Halbjahr 2026 noch um 6,7 Prozent gestiegen.

Dazu passt ein breiterer Retrotrend unter jungen Hörern: 60 Prozent der Gen Z geben laut Luminate inzwischen an, am häufigsten Musik aus den 1990er-Jahren oder früher zu hören. 2021 waren es noch 18 Prozent.

Dass es dabei nicht nur ums Musikhören geht, zeigt ein weiterer Befund: Etwa die Hälfte der CD-Käufer aus der Gen Z und der Millennial-Generation besitzt laut Luminate-Bericht gar keinen CD-Player. Die Marktforscher deuten dies als Hinweis darauf, dass sich die CD vom funktionalen Tonträger zum erschwinglichen Sammlerobjekt entwickelt hat. Für jüngere Generationen gehe es beim Kauf physischer Musik demnach ebenso um den ästhetischen Wert des Besitzes und die direkte finanzielle Unterstützung der Künstler wie um das Abspielen der Musik selbst.

Trotz des starken CD-Wachstums führt Vinyl den US-Tonträgerabsatz mit 21,8 Millionen gegenüber 16,3 Millionen Einheiten weiterhin an, wie aus weiteren Luminate-Zahlen hervorgeht. Abgeschlagen folgen Kassetten mit rund 205.000 Verkäufen. Insgesamt stieg der US-Tonträgerabsatz gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 7,8 Prozent. Die Nachfrage verteilt sich ungleich auf die einzelnen Genres: Rock entfällt auf 44,5 Prozent der physischen Albumverkäufe, gefolgt von Pop mit 16 Prozent und R&B/Hip-Hop mit 13,2 Prozent.

Auch das Musikstreaming in den USA wächst weiter, wenn auch weniger stark als der Tonträgerabsatz: Die Zahl der On-Demand-Audiostreams stieg dort im ersten Halbjahr 2026 um 4,8 Prozent auf 732,7 Milliarden Abrufe. Weltweit legte sie mit 9,8 Prozent auf 2,8 Billionen Abrufe deutlich stärker zu. Bei den Audiostreams dominieren die Genres R&B/Hip-Hop mit 24,6 Prozent, gefolgt von Rock mit 18,7 Prozent und Pop mit 12 Prozent.

KI-generierte Musik ist laut Luminate längst mehr als eine kuriose Randerscheinung: So kam etwa der Song „Livin’ on Borrowed Time“ von Breaking Rust im ersten Halbjahr 2026 in den USA auf 19 Millionen On-Demand-Audiostreams. Von einem breiten Durchbruch kann allerdings noch keine Rede sein: In der US-Rangliste aller Titel belegte der Song lediglich Platz 4304.

(tobe)