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22.07.2026
10:37 Uhr
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Laut einer Umfrage wächst der Anteil der Kinder und Jugendlichen, die Australiens Social-Media-Sperre umgehen. Wer sich daran hält, gilt eher als „uncool“.

Australiens Social-Media-Sperre für Kinder und Jugendliche wird immer häufiger umgangen, primär wegen des Gruppenzwangs und weil vor allem die „Coolen“ weiterhin auf den Diensten aktiv sind. Das ist das Ergebnis einer Studie zum Nutzungsverhalten in Australien, an der das Max-Planck-Institut für Verhaltensökonomik mitgewirkt hat. Der Befragung zufolge ist der Anteil der 14- bis 15-Jährigen, die in den Tagen davor eine der für sie verbotenen Plattformen genutzt haben, von 64 Prozent im April auf 92 Prozent im Juni gestiegen. Bei der Einrichtung eines Kontos hatten mehr als ein Fünftel der Befragten Hilfe von Eltern, älteren Geschwistern oder anderen Erwachsenen. Der Großteil konnte das eigene Konto weiter benutzen, weil es gar nicht gelöscht wurde.
Am 10. Dezember 2025 wurde in Australien das erste Mindestalter für die Nutzung sozialer Netzwerke in einer Demokratie eingeführt. Das zugrundeliegende Gesetz war im November 2024 vom Parlament verabschiedet worden. Die Maßnahme zielt vorrangig darauf ab, Kinder und Jugendliche vor schädlichen Inhalten, Mobbing, Cybergrooming, sexualisierter Gewalt und Suiziden im Zusammenhang mit Online-Missbrauch zu schützen. Vom Verbot für Minderjährige unter 16 Jahren sind zehn Plattformen betroffen: Facebook, Instagram, Kick, Reddit, Snapchat, Threads, TikTok, Twitch, X und YouTube. Weil immer mehr Staaten ähnliche Sperren planen, wird Australiens Weg mit großer Aufmerksamkeit beobachtet. Vor diesem Hintergrund wurde die jetzt vorgestellte Studie durchgeführt.
Wie die Forschenden erläutern, haben sie zeigen können, dass altersbezogene Verbote zwar den Zugang zu Plattformen erschweren können, ihre tatsächliche Wirkung hänge aber stark von sozialen Faktoren ab. Es sei entscheidend, ob Freundinnen und Freunde und Klassenkameraden weiterhin auf den Plattformen bleiben. Wer Instagram, TikTok & Co. verlasse, während die dableiben, habe Angst, etwas zu verpassen (FOMO oder „fear of missing out“). Am Ende kehrten sie wieder zurück, und zwar genauso wie man es jetzt beobachtet. Laut der Befragung würden sich die Jugendlichen erst komplett verabschieden, wenn rund zwei Drittel ihrer Altersgruppe mitziehen. Davon sei man weit entfernt.
Ermittelt hat die Forschungsgruppe weiterhin, dass jene, die den Ausstieg tatsächlich durchziehen, „uncool“ und im Vergleich eher unbeliebt sind. „Wer sich an die Regeln hält, gewinnt damit kein Ansehen“, erklärt Christopher Roth vom Max-Planck-Institut. Wenn der Ausstieg aber nicht sozial belohnt und für selbstverständlich gehalten werde, fehle die wichtige soziale Rückendeckung. Die habe in den USA und Australien einst dafür gesorgt, dass das Rauchen an den Rand gedrängt wurde: „In Australien lässt sich das nicht beobachten.“ Die Analyse ist damit der jüngste Beitrag zu einer Debatte über Social-Media-Verbote, der Zweifel an Australiens Vorgehen schürt. Trotzdem deutet vieles darauf hin, dass auch in Europa immer mehr Staaten dem folgen werden. Erst am Dienstag hat Frankreich eine Sperre beschlossen.
(mho)