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04.06.2026
13:13 Uhr
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Apple eröffnet in Berlin sein erstes europäisches Developer Center. Apple-VP Susan Prescott erläutert, warum es Berlin wurde, und wozu das Center noch dient.

Warum fliegen App-Entwickler und Medienvertreter eigentlich noch so gerne nach Kalifornien, wenn sie im Apple Park auf Großleinwand doch nur den gleichen Keynote-Film gezeigt bekommen, den jeder auch im Netz sehen kann? Diese berechtigte Frage wurde mir als jemand, der jetzt dreimal vor Ort in Cupertino dabei sein durfte, in den vergangenen Jahren immer wieder gestellt. Und die Antwort darauf ist eine zutiefst menschliche: Weil es einfach doch etwas anderes ist, Menschen vor Ort zu begegnen, anstatt sie nur auf dem Bildschirm zu sehen.
Mit vielen Menschen sind solche Begegnungen persönlicher, vertrauensvoller und aus Sicht eines Journalisten: schlichtweg ergiebiger. Zwischentöne, Anmerkungen hinter vorgehaltener Hand, Mimik, Gestik. Nicht nur das Bild, das man von den Menschen sieht, wird durch die persönliche Begegnung plötzlich dreidimensional. Und das betrifft Gespräche mit angereisten App-Entwicklern und Apple-Mitarbeitern gleichermaßen. Nebenbei: Wenn neue Hardware – wie seinerzeit die Vision Pro – vorgestellt wird, ist die Präsenz sowieso ein Vorteil, um sie gleich einmal für die Zwecke der Berichterstattung ausprobieren zu können.
Apple hat die Vorteile der Präsenz speziell für seine Arbeit mit Entwicklern offenbar auch abseits der jährlichen WWDC entdeckt. Obwohl das Unternehmen seit Jahren sehr stark auf Online-Lernen setzt und seine Entwicklerkonferenz primär im Netz abhält, hat es die sogenannten Developer Center geschaffen, ein reines Präsenzangebot. Das klingt zunächst nach einem Widerspruch. Ein solches Entwicklerzentrum wird jetzt auch in Berlin eingerichtet – als erstes in Europa.
So ganz neu ist diese Präsenz-Arbeit mit Entwicklern nicht. Diese Einrichtungen institutionalisieren vielmehr das, was Apple in einem lockeren Rahmen – etwa im App Store Foundations Program –, in Workshops oder Einzelterminen an seinen Standorten schon die ganze Zeit gemacht hat: Entwicklern direkte Ansprechpartner an die Hand geben, echtes Hands-on bei Programmierproblemen und Rat und Tat in allen Entwickler-Lebenslagen. Und in den vergangenen Jahren war natürlich auch das Ausprobieren neuer Hardware, wie der Vision Pro, ein großes Thema.
Hört man Berichte von Entwicklern, die so ein Center schon mal aufgesucht haben, steht zuvorderst das Klären von Fragen rund um neue Entwicklerwerkzeuge auf der Liste. Wie implementiert man die neue API? Gerade nach einer WWDC ist das für viele eine drängende Frage. Die Präsenzarbeit setzt dort an, wo Tutorial-Videos im Netz und die Dokumentation aufhören. Vergangenes Jahr wurde auch viel gefragt: Wie soll die eigene App das neue Liquid-Glass-Design am besten umsetzen? Solche Fragen stehen typischerweise nach der Apple WWDC ganz oben auf der Agenda. Und nicht uneigennützig gibt Apple den App-Entwicklern auch Tipps rund um Vermarktung und Monetarisierung. Abos statt Einmalkauf – manchem Nutzer ist es ein Graus, für den Entwickler eine wiederkehrende Einnahme und Apple verdient am Ganzen mit.
Laut Susan Prescott, Vice President Worldwide Developer Relations, sollen die Developer Center aber auch gemeinschaftsfördernd sein. „Vielleicht findest du jemanden, der nur 10 Meilen entfernt wohnt und die gleiche Leidenschaft hat wie du“, sagt sie im Gespräch mit heise online. „Die Entwickler-Community trifft sich mit anderen Entwicklern, und das ist etwas, das sie lieben.“ Apple wolle auch Community-Events ermöglichen, die von der Community selbst gestaltet werden.
Und warum ausgerechnet in Berlin? „Wir haben mehrere Dinge abgewogen. Wir wollten unbedingt eine zentrale Lage, damit es für Entwickler aus ganz Europa möglichst einfach ist, dorthin zu kommen“, sagt Prescott. Zudem habe die Stadt eine „tolle Atmosphäre, die unserer Meinung nach genau zu den Entwicklern, Kreativen und Unternehmern spricht, die wir ansprechen wollen“. Apple hätte Alternativen gehabt: In London ist der UK-Hauptsitz in der mächtigen Battersea Power Station, München ist durch sein Chipzentrum auch ein großer Standort und in Paris gibt es ebenfalls eine sehr kreative Szene.
Details zum Eröffnungstermin und dem genauen Standort in Berlin-Mitte gibt es noch nicht. Laut Apple Newsroom wird das Developer Center noch in diesem Jahr eröffnen, ein genaues Datum steht bislang nicht fest. Denkbar ist, dass es schon bald nach der WWDC losgeht. Auf Fotos, die Apple veröffentlicht hat, ist bereits alles fertig eingerichtet.
Mit der Entscheidung für einen Standort in der EU schließt Apple eine auffallende Lücke auf der Weltkarte der Developer Center. Neben dem Hauptsitz in Cupertino befanden sich die Center bislang in aufstrebenden Märkten wie China, Singapur und Indien. Nicht aber in Europa, wo viele Entwickler sitzen, die im App Store erfolgreich sind. Die EU mit ihrer harten Regulierung, speziell des App Stores, schien ein Ort zu sein, den Apple aus Sorge vor unangenehmen Themen wie alternativen App Stores und Interoperabilität lieber meidet.
Tatsächlich weicht auch Susan Prescott im Gespräch elegant der Frage nach DMA und Regulierung aus. Sie betont aber, dass das Center auf europäische Bedürfnisse eingehen will – auch durch Zuhören: „Wir hören aktiv zu. Das ist wirklich wichtig.“ Sprich: Für Apple könnte es auch eine Chance sein, direkt von den Entwicklern vor Ort zu hören, wie sie die Geschehnisse rund um die Regulierung beurteilen.
Und Gründe, zuzuhören, gibt es nicht nur wegen der EU-Regulierung: In der Entwicklerszene hat es in den vergangenen Jahren immer wieder rumort. Sei es die Höhe der Abgaben, die Entwickler leisten müssen, Wartezeiten beim App Review, kontroverse Entscheidungen, was in den App Store kommt und was nicht – auch hier menschelt es sehr und Onlinediskussionen neigen dazu, sich hochzuschaukeln. Daran ein Ohr zu haben, scheint eine kluge Strategie zu sein. Und es ist, so hörte ich von Entwicklern, die Gelegenheit hatten, direkt mit Apple zu sprechen, schon so, dass auch sehr offen darüber gesprochen wird.
(mki)