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10.08.2026
17:00 Uhr
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Ein brandneues Spiel sieht mit voller Absicht so aus, als würde es auf einer 30 Jahre alten Konsole laufen. Und spielt sich auch genau so.

Das 1997 exklusiv auf Nintendos 3D-Konsole N64 veröffentlichte „GoldenEye 007“ war ein revolutionäres Spiel: Exzellente Grafik (jedenfalls für damalige Verhältnisse), beeindruckend präzise Steuerung für einen Shooter auf einer Konsole, ein spektakulär guter Mehrspielermodus – kein Wunder, dass dieses Meisterwerk von Rare bis heute als das beste James-Bond-Spiel aller Zeiten gilt.
Ein französischer Spieleentwickler, der nur unter dem Pseudonym „Replicant D6“ in Erscheinung tritt, ist ein großer Fan von „GoldenEye 007“. So groß sogar, dass er fast sechs Jahre seines Lebens in eine Hommage daran gesteckt hat. Diese Hommage ist jetzt unter dem Namen „Agent 64: Spies Never Die“ auf Steam erhältlich und trifft den Geist des großen Vorbilds mit spezialagentensicherer Präzision.
Am augenscheinlichsten wird das natürlich bei der Grafik. „Agent 64“ benennt sich nicht nur so wie die Konsole, auf der es gern laufen würde, sondern erklärt die damals unumgänglichen technischen Limitationen zu Features: Die abwechslungsarmen Texturen sind herzergreifend niedrig aufgelöst, sämtliche 3D-Objekte bestehen jeweils nur aus einer Handvoll Polygone, Grafikeffekte gibt es kaum. Klar, an manchen Sachen (wie den möglichen Ultrawide-Auflösungen oder dem weich durch Baumkronen strahlenden Mondlicht in Nachtlevels) erkennt man schon, dass wir uns aktuell im Jahr 2026 befinden. Aber ganz grundsätzlich trifft „Agent 64“ die Ästhetik des N64 im Allgemeinen und darauf laufenden Rare-Shootern wie eben „GoldenEye 007“ im Speziellen bemerkenswert gut. Man fühlt sich von der ersten Spielsekunde an wieder so, als wäre der Jahrtausendwechsel noch ein paar Jahre entfernt.
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Auch inhaltlich bewegt sich „Agent 64“ überdeutlich in den Spuren von „GoldenEye 007“: Jede Mission beginnt mit dem Zoom in den Kopf des Agenten hinein, es warten diverse Waffen, die die zahlreichen Gegner entweder per Autotargeting ins Visier nehmen oder über eine sekundäre Feuerfunktion per Fadenkreuz präzise ausgerichtet werden dürfen. Geheimagent James Bo John Walter rennt und ballert sich durch ein Bürogebäude, ein Schloss, eine verschneite, mächtig gewaltige Kommunikationsanlage hoch in den Bergen oder ein Museum. Und natürlich muss er das nicht allein tun, denn natürlich gibt es auch hier einen umfangreichen Mehrspielermodus. Aber mal der Reihe nach.
„GoldenEye 007“ hangelte sich mit einigem zeitlichen Abstand an der Story des Kinohits „GoldenEye“ von 1995 entlang. Einen Rückblick auf die Geschichte des N64 und warum „GoldenEye 007“ dabei eine so zentrale Rolle spielte, bietet unser 30-Jahre-N64-Jubiläumsartikel. Diesen Vorteil hat „Agent 64“ natürlich nicht, aber die Geschichte spielt hier ehrlicherweise auch kaum eine Rolle: Man schlüpft in den Maßanzug des alternden Agenten John Walter, der zusammen mit seiner Tochter Dana den Oberbösewicht Dominic Pulp stoppen muss. Dieser Bierdeckel voll Handlung wird hin und wieder über Ingame-Cutscenes mit Texteinblendungen weitergeführt – Sprachausgabe gibt es in „Agent 64“ nicht.
Die Kampagne ist in vier Kapitel eingeteilt, die wiederum aus jeweils vier bis fünf Missionen bestehen. Mit jedem gemeisterten Auftrag schaltet man sogenannte „Cyphers“ frei, mit denen spätere Kapitel freigeschaltet werden. Der Clou besteht nun darin, genug von diesen Cyphers zu erhalten. Eine wichtige Rolle darin spielt der gewählte Schwierigkeitsgrad: Ähnlich wie bei „GoldenEye 007“ ist das hier nicht „Easy“, „Normal“ und „Hard“, sondern „Agent“, „Special Agent“ und „64 Agent“. Diese Wahl beeinflusst nicht nur das Verhalten und die Stärke der Gegner, sondern legt auch fest, wie viele Aufgaben man innerhalb der Missionen erledigen muss, und bestimmt auch, wie viele Cyphers es für den gemeisterten Auftrag gibt.
„Agent 64“ ist darauf ausgelegt, mindestens im mittleren Schwierigkeitsgrad gespielt zu werden – legt man auf der untersten Stufe los, muss man schon am Ende des ersten Kapitels bereits abgehakte Levels nochmal in Angriff nehmen, um die Kampagne weiterführen zu können. Alternativ darf man auch Extra-Missionen („Contracts“) abschließen oder sich auf die Suche nach in den Levels versteckten Masken machen, um weitere Cyphers zu erhalten.
Dass „Agent 64“ ein Spiel alter Shooter-Schule ist, merkt man nicht nur an der Grafik, sondern auch am eigentlichen Spieldesign, das sich keine allzu große Mühe gibt, einem unter die Arme zu greifen: Tutorials gibt es hier genauso wenig wie Pfeile in Richtung der Missionsziele, was man an Ausrüstung dabei hat, muss man schon selbst rausfinden, und Verkleidungen werden nicht einfach beim Aufsammeln angelegt, sondern müssen aus dem Inventar gefischt und manuell angezogen werden. Noch dazu gibt es innerhalb der (vergleichsweise kurzen) Levels auch keine Speichermöglichkeit. Kassiert man eine feindliche Kugel zu viel, geht’s ganz zum Start zurück. Das Einzige, was dagegen hilft, ist eine der seltenen Schutzwesten. Die es auf dem höchsten Schwierigkeitsgrad aber auch nicht gibt.
Von der höchsten Stufe mal abgesehen bietet „Agent 64“ nur eine sehr moderate Herausforderung. Die immergleichen Gegner feuern zwar sehr präzise, fallen aber auch selbst schon nach wenigen Treffern um und beherrschen (mit Ausnahme einer dramatischen Sprungrolle) keine nennenswerten Taktiken. Für die vielen Waffen, von der schallgedämpften Pistole über das MG und Scharfschützengewehr bis hin zum Raketenwerfer, findet man eigentlich immer genug Munition. Und die automatische Zielerfassung ist auch auf große Distanz bemerkenswert präzise, wodurch man das standardmäßig nicht vorhandene Fadenkreuz gar nicht vermisst.
Hin und wieder muss man auch über das Gedrückthalten der rechten Maustaste (bzw. der linken Schultertaste am Gamepad) manuell zielen, um zum Beispiel Türschlösser gezielt aufzuschießen oder…okay, etwas anderes macht man mit diesem Feature eigentlich nicht. Das musste offensichtlich nur drin sein, weil „GoldenEye 007“ das auch hatte.
So viel dürfte mittlerweile wohl rübergekommen sein: „Agent 64: Spies Never Die“ macht nicht das geringste Geheimnis daraus, dass es im Großen und Ganzen „GoldenEye 007“ sein möchte, nur eben ohne die große Lizenz. Und das gelingt dem Spiel auch wirklich in praktisch jeder Hinsicht – was halt nur gleichermaßen Segen wie Fluch ist.
Shooter-Fans mit ein paar Falten im Gesicht erfreuen sich an der hemmungslos veralteten Präsentation, der eingeschränkten Bewegungsvielfalt (der feine Herr Agent kann weder springen noch sich ducken), dem unkomplizierten Missionsdesign, putzigen Freischalt-Extras wie dem in den 90ern unvermeidlichen „Big Head Mode“ oder dem umfangreichen Mehrspielermodus, der neben diversen Online-Varianten von Deathmatch oder Koop natürlich auch, Tradition verpflichtet, einen Splitscreen-Modus bietet. Sowie natürlich dem beeindruckend gut abgehenden Soundtrack, der das Spiel in der heftig rummsenden Big-Beat-Tradition der auslaufenden 90er und frühen 2000er richtig gut und sich dynamisch der Action anpassend begleitet.
Gleichzeitig ist das Spiel aber natürlich auch ein Mahnmal dafür, wie sehr sich das Genre innerhalb der letzten 30 Jahre weiterentwickelt hat. Moderne Features muss man hier mit der Lupe suchen, und jüngere Generationen dürften sich mit Fragezeichen im Gesicht abwenden. Das, was es machen möchte, macht es aber gut und sehr konsequent.
„Agent 64: Spies Never Die“ ist ab dem 11. August 2026 für PC verfügbar, Konsolenfassungen sollen später folgen.
(dahe)