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26.05.2026
13:37 Uhr
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Laut neuesten Forschungen schrumpft nicht nur in entwickelten Industrieländern die Geburtenrate, sondern global. Wir haben ein paar aktuelle Zahlen dazu.

Schrumpfende Bevölkerungszahlen gehören eigentlich zu den Top-Themen der Science-Fiction. Man denke an Philip K. Dicks Meisterwerk „Träumen Androiden von elektrischen Schafen?“, die Grundlage für den Kultfilm „Blade Runner“ oder an den Roman „Im Land der leeren Häuser" von P.D.James. Auch Margaret Atwoods „Der Report der Magd“ könnte man dazu zählen. Nun wird es immer mehr ein aktuelles Thema der Forschung zur globalen Bevölkerungsentwicklung.
Die Menschheit stirbt nicht aus, aber sie schrumpft im globalen Maßstab, und das zum ersten Mal seit 200.000 Jahren. 2023 sei das Jahr, an dem erstmals die weltweite Fertilität unter das sogenannte Bestandserhaltungsniveau von 2,1 fiel. Das behauptet der Ökonom und Demografieforscher Jesús Fernández-Villaverde von der Universität von Pennsylvania.
Dieser „Child Peak“ könnte auch 2022 oder 2024 gewesen sein, weil längst nicht alle Daten aller Länder für diese Jahre vorliegen, aber die schrumpfende Tendenz sei unverkennbar. Fernández-Villaverdes Modellrechnungen für die Zukunft deuten auf gewaltige Umbrüche hin: Würde Thailand – ohne Einwanderungen mitgezählt – die derzeitige Fruchtbarkeitsrate von 0,8 für die nächsten 200 Jahre behalten, die Bevölkerung von 63 Millionen auf 2 Millionen schrumpfen.
In jedem Fall ist das, was Fernández-Villaverde im Interview anführt, etwas drastischer als manche offizielle Statistik. Das deutsche Bundesamt für Bevölkerungsforschung meint unter Berufung auf Zahlen der Vereinten Nationen bei einer Modellrechnung „langfristig eine Konvergenz der weltweiten Fertilität knapp unter dem Bestandserhaltungsniveau“ zu erkennen. Die Menschheit schrumpft, aber überall und zunehmend konvergent. Die USA schrumpfen mit einer zusammengefassten Geburtenziffer (Total Fertility Rate oder TFR) von 1,57 Kindern für gebärfähige Frauen, während 2,1 Kinder nötig sind, um ohne Einwanderung die Bevölkerungsgröße konstant zu halten.
Der Trump Account, ein Programm, in dem die US-Regierung 1000 Dollar pro Kind bereitstellt für ein Investment in Aktienmärkte, hat an dieser Situation bisher noch nichts geändert. Doch was ist mit Tunesien (1,56), Mexiko (1,55) oder der Türkei (1,48)? Ganz zu schweigen vom bereits erwähnten Thailand, das bei einer TFR von 0,98 in 200 Jahren von 2 Millionen Eingeborenen bevölkert sein wird. Aber ist es wirklich ein Crash, wie es manche Meldungen prognostizieren?
Fernández-Villaverde untersuchte in seiner Dissertation Kolumbien mit einer TFR von 2,8-3 und berechnete 2001 die TFR für 2026 mit 1,8. Nun musste er feststellen, dass sie bei 1,1 liegt und kein Ausreißer ist. Ganz Lateinamerika verzeichnet einen enormen Rückgang der Geburtenziffer. Bezogen auf diese Ziffer kann man sich die Frage stellen, welche Reaktionen sinnvoll sind. Fernández-Villaverde stammt aus Madrid und würde gerne die hässlichen Wohnsilos in den Vorstädten durch Netzformen im Sinne von Stadtplaner Ildefons Cerdà ersetzen, die wegfallenden Schulen durch Begegnungsstätten der lokalen Gemeinschaft.
Tech-Bros denken ganz anders und loben die KI, die uns beim Schrumpfen rettet. Das ist natürlich zu kurz gedacht, weil KI in allen möglichen Ausprägungen nicht in die Sozial- und Rentensystem der Länder einzahlt, wie ein Leser im heise-Forum launig anmerkte. Andere sehen heftige politische Verteilungskämpfe, von denen rechtspopulistische Parteien profitieren.
Bei einer TFR von 1,35 sind viele Antworten möglich. Aber es gibt auch Fragen: Warum landen ausgerechnet deutsche Universitätsstädte mit einer eher jungen Bevölkerung oftmals im hinteren Feld der Geburtenrate? Das bayrische Landesamt für Statistik hat eine wohl bundesweite Erklärung parat: Junge Studentinnen seien in diesen Städten zumeist eher mit Studium und dem Berufseinstieg beschäftigt als mit der unmittelbaren Familienplanung.
(mawi)