Wenn Saskia Esken sich in eine Debatte einschaltet, darf man gewiss sein, dass es nicht mehr allzu komplex zugeht. So ist es auch jetzt, da sie sich auf Instagram zu dem Podcast „ungeskriptet“ von Ben Berndt geäußert hat. Berndt hatte dort zuletzt den AfD-Politiker Björn Höcke zu Gast. Der darf geschlagene viereinhalb Stunden lang aus dem Nähkästchen plaudern und sich als liebender Familienvater, barmherziger Samariter und glühender Patriot, der schon immer dem Guten, dem Großem dienen wollte, präsentieren. Politisch knifflig wird es erst nach zweieinhalb Stunden Wohlfühlsingsang, mit dem sich Höcke als sanfter Märtyrer inszeniert. Höckes „kulturelle Kernschmelze“ Dann, erst dann, geht es zur Sache; geht es um die angeblich zerstörte „Vertrauensgesellschaft“, die „kulturelle Kernschmelze“ und die „Kartellparteien“, die sich angeblich „ein neues Volk“ schaffen und ein „großes Mordkomplott gegen das deutsche Volk“ schmieden. Das hört sich der nette Podcaster Berndt ebenso verständnisvoll an wie all die Schilderungen persönlichen Leids, die Höcke zuvor losgeworden ist. Ins Schwitzen kommt der AfD-Politiker nur, weil es in Berndts Studio so warm ist. Also legt er sein Jackett ab. Das Gespräch kommt bei Youtube auf mehr als vier Millionen Aufrufe. Der „Spiegel“ hat den Podcast vor einer Woche fachlich auseinandergenommen, der Rechtsanwalt Joachim Nikolaus Steinhöfel hat dem in der „Welt“ widersprochen und dem „Spiegel“ eine unfaire Herangehensweise bescheinigt, und seither geht es Schlagzeile um Schlagzeile. „Ich sage mal: Blacklisting hilft“ Da darf – auf dem vorläufigen Höhepunkt – Saskia Esken nicht fehlen. Und was macht sie? Sie wettert dagegen, „einem Faschisten wie Björn Höcke vier Stunden lang eine Bühne zu bieten“ und empfiehlt „Unternehmen, deren Werbung in einem solchen Podcast ausgespielt wird“, mal zu „schauen, wie sich das abstellen lässt“. „Ich sag mal: Blacklisting hilft“, gibt Esken zu Protokoll. Sie will dem Podcaster also den Geldhahn abdrehen und ihn auf einer schwarzen Liste sehen. Sie macht genau das, wonach ein vermeintlich unpolitischer Harmlosheini wie der durchtrainierte Podcaster Berndt und erst recht Höcke und die AfD lechzen. Sie gibt das nächste Beispiel für das Unvermögen der vermeintlichen „Kartellparteien“ und nährt die Opferlegende derjenigen, die unsere Demokratie vor diesen angeblich retten wollen. Inhaltlich hat die schwarzlistige Saskia Esken indes gar nichts auf der Pfanne. Sie und die SPD wissen nur eines: Wie man die AfD immer größer macht und dem Land, der Regierung (und der eigenen Partei) maximal schadet.
