Als der Provinzbeamte Xi Jinping 1987 zum zweiten Mal heiratete, war Peng Liyuan der weitaus prominentere Teil der Ehe. Er war Vizebürgermeister der Stadt Xiamen, sie eine der bekanntesten Sängerinnen patriotischer Volkslieder und Militärmusik der Volksrepublik. Kennengelernt hatten sie sich ein Jahr zuvor. Xi war damals seit fünf Jahren von seiner ersten Frau geschieden, einer Diplomatentochter, die nach England ausgewandert war. Millionen Chinesen kannten die hübsche Sopranistin Peng Liyuan aus der jährlichen Fernsehgala zum Frühlingsfest, wo sie in Militäruniform ihre Lieder vortrug. 1980 war Peng in die Volksbefreiungsarmee eingetreten, fünf Jahre später in die Kommunistische Partei. Sie studierte am Chinesischen Konservatorium zu Peking und soll es in den militärischen Kulturabteilungen bis in den Rang des Generalmajors gebracht haben. Immer wieder trat Peng vor der Truppe auf. Mit Xis Aufstieg und seiner Präsidentschaft nahm Peng dann eine andere Rolle ein. Im Gegensatz zu den Ehefrauen der vorherigen Staatschefs aber blieb sie weithin sichtbar und nahm auch international eine Rolle ein. Peng Liyuan begleitet ihren Mann auf vielen Auslandsreisen, so auch in dieser Woche wieder nach Washington. Mit Melania Trump unterhielt sich Peng ohne Dolmetscher auf Englisch. Die Präsidentengattinnen besuchten das Smithsonian National Museum of Asian Art, wo Peng bei einer Vorführung des chinesischen Volkslieds „Jasminblüte“ mitsummte. Am Freitag stand noch ein Besuch beider Ehepaare im Nationalmuseum auf dem Programm. Tochter Xi Mingze studierte in Harvard Seit Jahren spielt Peng Liyuan eine Rolle als eine Art Kulturbotschafterin. 2015 etwa besuchte sie die Musik- und Kunsthochschule Juilliard in New York, die später einen Ableger im chinesischen Tianjin gründete. Zuvor hatte sie schon Michelle Obama in Peking in Kalligraphie unterwiesen und 2015 ihren Mann nach Washington begleitet. In dieser Zeit hatte sie auch noch eine familiäre Beziehung nach Amerika. Die einzige gemeinsame Tochter Xi Mingze studierte Berichten zufolge von 2010 bis 2014 in Harvard, wo sie unter einem Pseudonym eingeschrieben war. Anders als Xi Jinping, der dem „roten Adel“ entstammt und dessen Vater in Peking chinesischer Vizeministerpräsident war, entstammt Peng unpolitischeren Verhältnissen. 1962 wurde sie in der Provinz Shandong geboren, ihr Vater war Leiter eines Kulturzentrums und ihre Mutter Opernsängerin. Immer wieder wird darüber spekuliert, wie viel politischen Einfluss Peng auf den chinesischen Staats- und Parteichef hat. Das geht auch auf Erfahrungen mit Maos Witwe Jiang Qing zurück, die in der Kulturrevolution eine unrühmliche Rolle spielte. Ein Führungsamt in Partei und Staat bekleidet Peng nicht.
