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08.03.2026
20:19 Uhr
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Liberale und Linkspartei scheitern an Fünfprozenthürde +++ Vorsprung der Grünen auf CDU schrumpft +++ FDP- und SPD-Landeschefs kündigen Rückzug an +++ alle Entwicklungen im Liveblog

BSW spielt keine RolleErstmals tritt die von Sahra Wagenknecht gegründete Partei bei einer Landtagswahl in Baden und Württemberg an. Und scheitert krachend. Etwa 1,4 Prozent der Zweitstimmen bekommt das BSW, weniger als die Freien Wähler und nur etwas mehr als die Tierschutzpartei
Ein Direktmandat für die AfD in SichtDie Wahlkreise gehen in Baden-Württemberg an Grüne und CDU. Mit einer Ausnahme. Im Wahlkreis Mannheim I liegt der AfD-Politiker Bernhard Pepperl kurz vor Ende der Auszählung vorne bei den Erststimmen. Bei den Zweitstimmen hingegen geht der Wahlkreis deutlich an die Grünen.
Palmer schließt Eintritt in Kabinett nicht ausDer parteilose Tübinger Oberbürgermeister Boris Palmer lässt Spekulationen um ein mögliches Ministeramt in einer neuen Landesregierung in Baden-Württemberg weiter offen. „Wenn Sie das wissen wollen, müssen Sie den Ministerpräsident fragen“, sagte der frühere Grünen-Politiker Palmer dem Nachrichtenmagazin „Focus“. In der Landesverfassung stehe, dass der Ministerpräsident die Minister ernenne. Schon im Wahlkampf war Özdemir immer wieder mit Palmer aufgetreten, der die Grünen nach diversen Streits verlassen hatte.
Glückwunsch aus dem Norden für ÖzdemirDer schleswig-holsteinische CDU-Landeschef und Ministerpräsident Daniel Günther gratuliert Cem Özdemir zu seinem Erfolg bei der Landtagswahl in Baden-Württemberg. Er wünsche ihm eine glückliche Hand bei den anstehenden Gesprächen zur Bildung einer Regierung. Und: „In diese Gespräche können die CDU und Manuel Hagel selbstbewusst gehen.“
Von wem haben die Grünen Wähler gewonnen?Nach Wahlen fragen die Umfrageinstitute die Wähler auch, wen sie beim letzten Mal gewählt haben. Auch wenn sich nicht alle daran erinnern – auf diese Weise werden Statistiken zur Wählerwanderung erstellt. Sie geben einen Hinweis, bei wem Parteien erfolgreich waren. Bei den Grünen zeigt sich heute: Die Partei hat Wähler an die CDU verloren, aber von der SPD und aus dem Lager der Nichtwähler gewonnen.
Fast alle Gebiete ausgezählt: Grüne vorne11.460 von 11.570 Gebiete sind ausgezählt, meldet das Statistische Landesamt in Baden-Württemberg. Vorne liegen die Grünen mit 30,2 Prozent der Zweitstimmen. Die CDU kommt auf 29,7 Prozent.
Grüne Jugend: Gratulation, aber...Nicht alle bei den Grünen scheinen froh über den sich abzeichnenden Wahlsieg von Cem Özdemir. Der Chef der Grünen Jugend, Luis Bobga, sagt: „Dass Cem mit seinem Wahlkampf erfolgreich war, freut mich für ihn und es ist gut für die Partei. Doch geht es ja nicht darum, was gut für die Partei ist, sondern darum, was gut für die Menschen in Baden-Württemberg ist.“ Die andere Vorsitzende des Jugendverbandes Henriette Held sagt der F.A.Z.: „Der Wahlsieg ist kein Erfolg an sich.“ Özdemir müsse nun zeigen, dass er sich für „echte und soziale Klimapolitik einsetzt“.
Warum hat die CDU wohl ihren Vorsprung verspielt?In Umfragen lag die CDU zeitweise mehr als zehn Prozentpunkte vor den Grünen. Nun sieht es so aus, als ob der grüne Spitzenkandidat Cem Özdemir vor Hagel und seiner CDU landen wird. Und das, obwohl Hagel ein besseres Ergebnis erzielt hat, als es Umfragen gerade der CDU bei einer bundesweiten Wahl prophezeien. Umfragedaten aus Baden-Württemberg vom Wahltag zeigen nun: Die Politik der CDU im Bund sehen viele Wähler kritisch, zum Beispiel Friedrich Merz' Schuldenwende nach der Bundestagswahl.
Özdemir ist beliebtDer Grünen-Spitzenkandidat zählt Umfragen zufolge zu den beliebteren Politikern des Landes. Im Wahlkampf setzte er auf seine große Bekanntheit nach Jahren in der Bundespolitik. Umfragen vom Wahltag zeigen, dass eine Mehrheit seine Arbeit dabei positiv einschätzt.
Hagel lässt AfD abblitzenMit den Stimmen der AfD hätte Manuel Hagel eine Mehrheit. Aber der CDU-Politiker macht deutlich, dass er nicht daran denkt, die Brandmauer zu überwinden. „Für mich ist kein Amt der Welt so wichtig, dass ich mich mit Stimmen der AfD dort hineinwählen lasse“, sagt der CDU-Spitzenkandidat im SWR. „Es kommt für mich nicht infrage, dass ich mit Stimmen der AfD zum Ministerpräsidenten gewählt werden würde, auch wenn's die rechnerische Möglichkeit gibt.“ AfD-Spitzenkandidat Markus Frohnmaier hingegen wirbt um die CDU: „Herr Hagel, das Angebot steht: Die AfD ist eine bürgerlich-konservative Partei. Vielleicht schaffen wir's ja auch irgendwann mal auf einen Espresso.“
Der grüne Vorsprung schrumpftCem Özdemir bleibt dabei, dass er sich noch nicht zum Sieger erklärt. Er wolle regieren, ob als Ministerpräsident oder als Juniorpartner. Wirtschaft und Klimaschutz seien kein Gegensatz, CDU und Grüne hätten den Auftrag das Land zu führen. In der jüngsten Hochrechnung der ARD liegen die Grünen bei 30,4 Prozent und damit knapp vor der CDU, die bei 29,7 Prozent liegt. CDU-Spitzenkandidat Hagel hingegen geht wohl von einer Niederlage aus. Er sagt am Abend immer wieder, dass seine Partei im Vergleich zur Wahl 2021 zwar deutlich zugelegt „aber trotzdem verloren“ habe.
FDP-Chef Rülke tritt abDie FDP ist wohl gescheitert, ihr Parteichef geht. Hans-Ulrich Rülke hat in Stuttgart angekündigt, dass er den Landesvorsitz abgeben will. Erstmals verpassen die Liberalen den Einzug in den baden-württembergischen Landtag. Die Partei verliert etwa 6 Prozentpunkte im Vergleich zur Wahl vor fünf Jahren und landet heute laut der aktuellen Hochrechnung bei 4,4 Prozent.
Hagel kritisiert Stil des WahlkampfesCDU-Spitzenkandidat Manuel Hagel kritisiert den Stil in den letzten Tagen des Wahlkampfs. Der CDU sei es immer wichtig gewesen, „dass wir unseren Wahlkampf mit Anstand führen, mit Stil führen und vor allen Dingen entlang von den Inhalten, wo wir überzeugt sind, dass sie für unser Land wichtig sind“. Leider habe es aber Angriffe unter der Gürtellinie gegeben. „Aber das ist nicht mein Thema. Das müssen andere für sich verantworten und nach dem 8. März kommt der 9. März. Da müssen alle wieder runter vom Baum.“
Kretschmann geht gernWinfried Kretschmann ist der einzige grüne Ministerpräsident, den es in Deutschland je gab. Bis jetzt. Mit großer Wahrscheinlichkeit folgt sein Parteifreund Cem Özdemir auf ihn in der Stuttgarter Staatskanzlei.Kretschmann sagt am Wahlabend: „Wir hinterlassen erstmal, was unsere Aufgaben betrifft, ein gut bestelltes Haus“. Özdemir sei ein „talentierter Nachfolger, der so viel Erfahrung, Weitsicht und Umsicht hat, dann geht man auch gerne aus dem Amt.“