Bei der Landtagswahl in Baden-Württemberg liegen die Grünen knapp vor der CDU. Die Partei von Spitzenkandidat Cem Özdemir kommt laut vorläufigem Endergebnis auf 30,2 Prozent. Die CDU mit Spitzenkandidat Manuel Hagel erreicht demnach 29,7 Prozent. Auf der Wahlparty der Grünen brach nach der Veröffentlichung der ersten Prognose Jubel aus. „Es ist ein guter Tag für Baden-Württemberg und ein guter Tag für die Grünen“, sagte der Ko-Vorsitzende der Grünen, Felix Banaszak, im ZDF. Ricarda Lang, die frühere Vorsitzende der Grünen, sagte der ARD, man wolle der CDU wieder eine Zusammenarbeit anbieten. Grünen-Spitzenkandidat Cem Özdemir wurde auf der Wahlparty mit frenetischem Jubel begrüßt. Er dankte den Wahlkämpfern und Parteifreunden und schlug in Richtung CDU versöhnliche Töne an. „Der Wahlkampf ist zu Ende. Jetzt gilt es, dass wir gemeinsam ein neues Kapitel aufschlagen“, sagte Özdemir. „Sollte ich Ministerpräsident werden, dann bin ich Ministerpräsident für alle, auch für die, die mich nicht gewählt haben.“ Nachdem sich der Vorsprung der Grünen den Hochrechnungen zufolge verfestigte, äußerte Spitzenkandidat Hagel: „Wir nehmen das Ergebnis zur Kenntnis, in aller Demut.“ Er sagte in Richtung der Grünen: „Als CDU Baden-Württemberg haben nicht wir den Regierungsbildungsauftrag. Der Regierungsbildungsauftrag liegt bei Herrn Özdemir.“ Hagel gratulierte Özdemir persönlich und den Grünen zu einem „starken Ergebnis“. SPD setzt Abwärtstrend fort Die AfD kommt auf Platz drei mit 18,8 Prozent. Im Vergleich zu 2021 kann sie deutlich zulegen; damals wählten sie 9,7 Prozent. Der AfD-Vorsitzende Tino Chrupalla sprach von einem „Riesenerfolg“. „Wir sind der Gewinner des Abends“, sagte er im ZDF. „Wir sind jetzt auch in Baden-Württemberg Volkspartei.“ Dem vorläufigen Endergebnis zufolge gelingt der SPD mit 5,5 Prozent knapp der Einzug in den Landtag, während FDP und Linkspartei an der Fünfprozenthürde scheitern. Damit setzen die Sozialdemokraten ihren Abwärtstrend in Baden-Württemberg fort: 2021 hatte sie elf Prozent erreicht, in der Landtagswahl davor waren es noch knapp 13 Prozent. Ihr jetziges Ergebnis ist das schlechteste für die Partei in der Landesgeschichte. SPD-Generalsekretär Tim Klüssendorf bezeichnete das Wahlergebnis als „bitter“. Man sei im Zweikampf zwischen Özdemir und Hagel in den letzten Wochen vor der Wahl unter die Räder gekommen. Man hoffe nun auf Alexander Schweitzer in Rheinland-Pfalz. Der SPD-Spitzenkandidat Andreas Stoch kündigte seinen Rückzug an. Die FDP halbiert ihr Ergebnis von 2021; da hatte sie 10,5 Prozent der Stimmen geholt und war bisher mit 18 Sitzen im Landtag vertreten. Es ist das erste Mal, dass die Liberalen nicht im Stuttgarter Landtag sitzen. Der Linkspartei wird es wohl nicht gelingen, zum ersten Mal in das baden-württembergische Landesparlament zu ziehen. Die Wahlbeteiligung lag bei 69,6 Prozent. 2021 lag die Wahlbeteiligung bei 63,8 Prozent.
