Für ihn ist es die letzte Bücherschau als Veranstalter: Juergen Boos, seit 2005 Direktor der Frankfurter Buchmesse, geht in den Ruhestand. Und gibt, wenige Wochen vor der Eröffnung der Messe, zum letzten Mal einen Ausblick auf das, was vom 7. bis 11. Oktober in den Hallen der Messe Frankfurt zu sehen sein wird. „Es ist seltsam“, sagt er in der Evangelischen Akademie auf dem Römerberg: „Ich werde es vermissen.“ Begleitet wird Boos von seinem Nachfolger Joachim Kaufmann. Der langjährige Leiter des Hamburger Carlsen Verlags ist zum 1. September als Geschäftsführer in die Buchmessen-GmbH eingetreten und löst seinen Vorgänger zum 31. Oktober ab. Er hält sich mit öffentlichen Äußerungen noch zurück. Die Bühne gebühre Boos, sagt er. Dem Mann also, der zum Schluss seiner Amtszeit nach mehr als zwanzig Messejahren die einschneidendste Veränderung seit Langem auf den Weg gebracht hat: das neue Besucherkonzept, das Lesern in den Erdgeschossen der Messehallen den Eindruck eines Literaturfestivals bieten und Fachbesuchern in den oberen Etagen eine ungestörte Geschäftsmesse erlauben soll. Von Robert Habeck bis Gisèle Pelicot Denn die Zahl der Buchkäufer nimmt ab, und die Zahl der Literaturvermittler in den sozialen Medien nimmt zu. Die Messe muss daher für sich nutzbar machen, was Boos die Wandlung „vom Leser zum Fan“ nennt, ohne Verleger, Lektoren und Agenten zu verprellen. Jede Halle erhalte im Oktober ein klares Profil, sagt er. Dem Krimi ist viel Platz in Halle 5.0 gewidmet, das Kinderbuch ist in Halle 4.0 zu finden. Nur das Wachstums-Segment New Adult wird nach zwei erfolgreich eingespielten Jahren in Halle 1.2 auf sämtliche Erdgeschosse verteilt, wohl um für Publikumsfluss zu sorgen. Bei der Platzierung habe man sich viel Mühe gegeben, sagt Boos: „Wir haben gelernt, was Besucherführung betrifft.“ Die beiden Ebenen sollen durchlässig sein, Lesern wird der Zutritt in die oberen Etagen nicht verwehrt: Viel Comic und Manga finden sich in Halle 4.0., das Comic-Zentrum aber lockt in Halle 3.1, also auf einer der Profi-Etagen. Die Ausstellerzahl bewegt sich nach Angaben eines Sprechers der Buchmesse auf Vorjahresniveau. 2025 kamen 4350. Auch die Zahl der bisher angemeldeten Fachbesucher entspreche denen des Vorjahres. Insgesamt wurden vor einem Jahr 238.000 Besucher gezählt. Das Literarische Agentenzentrum ist abermals ausgebucht, sein Gegenstück, das Publishers' Rights Center für die Lizenz- und Rechte-Spezialisten der Verlage, wächst weiter. Als Ehrengast zeigt sich die Tschechische Republik auf dem Messegelände und in der Innenstadt mit 75 Autoren wie Jáchym Topol und Jaroslav Rudiš, mehr als 100 Veranstaltungen und einem runden Dutzend Auftritten in Frankfurter Museen und Kultureinrichtungen. Zu Gast sind aber auch Autoren wie Robert Habeck, der sein neues Buch vorstellt, und Gisèle Pelicot, die am 7. Oktober in der Deutschen Nationalbibliothek auftritt. Wolf Biermann beginnt seine Tournee zum 90. Geburtstag und zum 50. Jahrestag seiner Ausbürgerung aus der DDR am selben Abend im Kongresszentrum der Messe. Weitere prominente Gäste sind Navid Kermani, Sebastian Fitzek, Nele Neuhaus und Charlotte Link sowie Shida Bazyar, eine der sechs Nominierten für den Deutschen Buchpreis, der am 5. Oktober im Kaisersaal des Frankfurter Römers vergeben wird. Ehe die Messe am 11. Oktober in der Paulskirche mit der Überreichung des Friedenspreises an den britisch-französischen Völkerrechtler Philippe Sands zu Ende geht, sind internationale Starautoren wie Colson Whitehead ebenso mit dabei wie die Kinderbuch-Lieblinge Paul Maar, Cornelia Funke und Axel Scheffler. Und Volker Schlöndorff unterhält sich mit Jenny Erpenbeck über seine Verfilmung ihres Romans „Heimsuchung“, der beim Hessischen Filmpreis mit dem Preis der Frankfurter Buchmesse für die beste Literaturverfilmung ausgezeichnet wird. Karten für Privatbesucher sind auf buchmesse.de schon erhältlich und trotz der vor einigen Jahren aus Sicherheitsgründen eingeführten Kontingentierung auch für den besonders beliebten Samstag noch zu haben. Tageskarten für Freitag und Sonntag kosten 30 Euro, für Samstag 35 Euro, Familienkarten 60 Euro, für den Samstag 70 Euro.
