Wieder ein neuer Klub, wieder eine neue Stadt, wieder ein Umzug. Keine große Sache mehr für Dennis Schröder. „So ist das Business“, sagt der 32-Jährige fast emotionslos zu seinem nächsten Wechsel in der NBA. Es geht für den Basketballstar gut 500 Meilen nach Süden, von den Cleveland Cavaliers zu den Charlotte Hornets. Die Franchise ist die mittlerweile zwölfte Station für den Welt- und Europameister in Nordamerika, dem „Wandervogel-Rekord“ von Ish Smith (13) kommt Schröder immer näher. Erst Ende der vergangenen Woche sickerte der Trade in US-Medien durch, dabei war die Sache schon lange klar. „Ich wusste es schon seit einem Monat“, erzählt der Point Guard, der sich derzeit mit dem deutschen Nationalteam auf den Supercup am Wochenende in Hamburg vorbereitet, im Interview mit der Braunschweiger Zeitung. Auch wenn es ein Rückschritt ist, was die Erfolgsaussichten angeht, sieht Schröder den unfreiwilligen Abschied durchaus positiv. Schröder will wieder aus dem Schatten treten „Ich glaube, es ist für mich sportlich die bessere Situation“, sagt der Nationalmannschaftskapitän, „weil ich dort so spielen kann, wie ich normalerweise spiele.“ Es geht für ihn darum, wieder aus dem Schatten zu treten, denn in Cleveland hatte Schröder auf seiner Position die Superstars James Harden und Donovan Mitchell vor sich. „Dann musst du irgendwie anders effektiv sein, und das war eine Rolle, die extrem schwierig war“, sagt der Spielmacher rückblickend. In Charlotte wird er wohl wieder mehr Minuten bekommen und den Ball öfter selbst in der Hand haben. Einen zusätzlichen Reiz bietet die Tatsache, dass er mit zwei anderen Deutschen in North Carolina auflaufen wird. Charlotte hatte zuletzt im Draft Hannes Steinbach (Nr. 14) und Christian Anderson (Nr. 18) ausgewählt, Schröder wird nebenbei zum Mentor. „Für die beiden ist das natürlich ein Segen, dass sie jemanden haben, mit dem sie quatschen können – Hannes sogar in der Heimatsprache. Ich glaube, es wäre auch toll gewesen, hätte ich das damals gehabt“, so Schröder. Schröder über Anderson: „Für ihn ist nur der Himmel die Grenze“ Besonders wertvoll dürfte die nächste Saison für Anderson werden. Denn Schröder kann sich gut vorstellen, dass der 20-Jährige ihn irgendwann ablösen wird. „Wenn ich mich entscheide, von der Nationalmannschaft zurückzutreten, dann wird er der Nächste sein“, hat der Braunschweiger einmal gesagt. „Für ihn ist nur der Himmel die Grenze.“ Bei aller Gelassenheit bringt der Wechsel zu den Hornets natürlich auch Probleme mit sich. Denn die Nachbarschaft in Cleveland war für Schröders Nachwuchs, der NBA-Profi hat zwei Söhne und eine Tochter, die richtige. „Da waren viele Kinder, mit denen sie spielen konnten.“ Grundsätzlich sei der Umzug nichts Ungewöhnliches. „Die Medien machen es schlimmer, als es ist“, meint Schröder: „Die Teams bezahlen alles für uns, wir leben genauso weiter, wie wir vorher auch gelebt haben. Die Kinder machen Homeschooling, unsere Familie kommt zwei- bis dreimal im Jahr zu Besuch – es ändert sich nichts.“ Für Schröder, der das Transfersystem der NBA noch im Vorjahr als „moderne Sklaverei“ bezeichnet hatte, gilt vorerst die volle Aufmerksamkeit dem Nationalteam. Doch im Hintergrund ist einiges zu organisieren – mal wieder.
