Die Deutschland-Karte der Volleyball-Bundesliga bekommt in der kommenden Saison einen neuen, zugleich altbekannten Extrempunkt: Im äußersten Südosten der Republik im Landkreis Landshut schickt sich ein traditionsreicher Standort an, seine Rückkehr vorzubereiten. Die Roten Raben Vilsbiburg sehen sich zwei Jahre nach ihrem Rückzug aus der Bundesliga wirtschaftlich und sportlich gut genug aufgestellt, um wieder erstklassig agieren zu können. Die Volleyball Bundesliga (VBL) empfängt die Roten Raben mit offenen Armen. „Ich bin überzeugt, dass Vilsbiburg in die erste Liga gehört“, sagt VBL-Geschäftsführerin Kim Oszvald-Renkema im Gespräch mit der F.A.Z. Sportlich zeige der Verein als überlegener Tabellenführer der zweiten Liga Pro eine aufstiegsreife Leistung. Und auch wirtschaftlich passe es bei dem Kleinstadt-Verein mit großem ländlichen Umfeld. „Vilsbiburg hat sich gesund gearbeitet“, so der Eindruck von Oszvald-Renkema nach mehreren intensiven Meetings zwischen VBL und Verein in den vergangenen Wochen. Auch Klaus-Peter Jung, Vorsitzender des Aufsichtsrates der Roten Raben, zeigt sich zuversichtlich, dass die Neuauflage des Abenteuers Bundesliga schon ein Jahr früher als ursprünglich angestrebt gelingen könnte. Gleichwohl müsse das Budget noch erhöht werden, um bestehen zu können. 63 Sponsoren weiß der Verein in seinem Rücken. Mit jedem Einzelnen werden derzeit Einzelgespräche geführt, um das weitere Engagement abzustimmen. Jung war selbst acht Jahre lang Geschäftsführer der VBL, ehe er 2021 in den „Ruhestand“ ging – und an seinen angestammten Standort an der Vils zurückkehrte. Dort hatte er von Mitte der 1990er Jahre an fast zwei Jahrzehnte lang als Manager die Geschicke des Vereins mitbestimmt – mit zwei deutschen Meistertiteln 2008 und 2010 sowie zwei Pokalsiegen 2009 und 2014 als Höhepunkten. Dass sich nach dem freiwilligen Rückzug des Klubs 2024 nun schon wieder ein Rückweg ebnet, hat auch damit zu tun, dass die Liga „die Anforderungen nach unten schrauben musste“, wie Kim Oszvald-Renkema einräumt. Eine Entscheidung, die bereits im Vorjahr dazu führte, dass gleich drei Vereine über den sogenannten „Blockaufstieg“ den Sprung in die Erstklassigkeit wagten. Herrsching und Haching wollen „Volleyball in München groß machen“ Neben dem ETV Hamburg auch die Binder Blaubären TSV Flacht und die Volleys Borken. Alle drei haben sich in ihrer Premierensaison soweit etabliert, dass sie sportlich zumindest nicht hoffnungslos hinterherhinken – und auch wirtschaftlich tragfähig erscheinen, wenn auch auf niedrigem Niveau. Mit der Rückkehr von Vilsbiburg wäre zudem die Lücke geschlossen, die die Insolvenz des SC Potsdam im Vorjahr gerissen hatte. Die Liga könnte wieder mit der angestrebten Staffelstärke von zwölf Teams agieren. Quantitativ sogar besser aufgestellt ist die Männer-Bundesliga mit 15 Mannschaften. Und für die kommende Saison hat sich auch dort eine bayerische Besonderheit angekündigt, die allerdings nicht auf einem Comeback, sondern auf die Fusion zweier etablierter Standorte gründet. Der TSV Unterhaching und die WWK Volleys Herrsching kündigten an, künftig unter dem Namen WWK Volleys München antreten zu wollen. Als „sehr gut und sehr vernünftig“ bezeichnete Oszvald-Renkema den Fusions-Plan. „Zwei bestehende Vereine, die ihre Kräfte bündeln: Ich glaube, dass das für den Standort München positiv ist“. Die Klubs selbst kommunizierten ihr Vorhaben mit dem Slogan: „Volleyball in München groß machen“. Die deutsch-österreichische Freundschaft hielt nicht lange Haching hatte schon einmal fusioniert und war 2017 mit dem Hypo Tirol Volleyballteam Innsbruck sogar ein grenzüberschreitendes Joint-Venture eingegangen. Unter dem Namen „Alpenvolleys“ trat die deutsch-österreichische Freundschaft seinerzeit mit einer Wildcard in der Bundesliga an – musste aber nach der durch Covid abgebrochenen Saison 2019/20 aus wirtschaftlichen Gründen aufgeben. Herrsching inszenierte sich bislang als Underdog und trug den Slogan „geilster Club der Welt“ vom Ammersee in die Volleyball-Welt. Nun versuchen die beiden knapp 50 Kilometer auseinander liegenden Orte „Tradition und Kult“ miteinander zu verbinden und gemeinsam etwas zu schaffen, „das größer ist als jeder von uns allein“, so das von Herrschings Geschäftsführer Max Hauser ausgegebene Ziel. Nicht mal die Landkarte mit den erstklassigen Volleyball-Standorten wird dadurch einen Sticker verlieren, denn die Heimspiele sollen abwechselnd in Herrsching, Unterhaching sowie München ausgetragen werden. In Vilsbiburg sieht man die eigene geographische Lage übrigens nicht als randständig an. Es kommt eben nur auf die Perspektive an.
