FAZ 16.08.2026
17:09 Uhr

Vielseitigkeitsreiten: Michael Jung gewinnt Gold bei der Heim-WM


Olympiasieger Michael Jung gewinnt in Aachen sein zweites WM-Gold im Einzel. An ein Karriereende seines Erfolgspferdes Chipmunk denkt er trotz dessen fortgeschrittenen Alters noch nicht.

Vielseitigkeitsreiten: Michael Jung gewinnt Gold bei der Heim-WM

Vor 16 Jahren gewann Michael Jung zum ersten Mal die Goldmedaille bei der Weltmeisterschaft im Vielseitigkeitsreiten – jetzt hat er das wieder geschafft. In Aachen gelangen ihm mit seinem Pferd Chipmunk am Wochenende fehlerfreie Runden im Gelände und im Springparcours. Der Dreiundvierzigjährige siegte vor den beiden Britinnen Rosalind Canter mit Graffalo und Laura Collett mit London. Die deutsche Mannschaft mit Jung, Julia Krajewski und Nickel, Malin Hansen-Hotopp mit Quidditch sowie Libussa Lübbeke mit Caramia sicherte sich zudem vor heimischen Fans die Silbermedaille hinter den Olympiasiegern aus Großbritannien. Vor vier Jahren war das Team von Bundestrainer Peter Thomsen, der wegen eines Reitunfalls nicht in Aachen sein konnte, noch Weltmeister geworden. Ein Klappern, aber kein Abwurf Im abschließenden Parcoursspringen am Sonntagnachmittag erhöhte Canter den Druck auf Jung, als sie kurz vor ihm fehlerfrei aus dem Parcours kam. Doch anders als noch 2022 in Italien, als Jung ebenfalls in Führung liegend ins Finale gestartet war und ihn zwei Abwürfe auf Rang fünf zurückwarfen, blieben diesmal alle Stangen liegen – auch wenn es zwei-, dreimal verdächtig klapperte, als Chipmunks Hufe das Holz berührten. „Es war eine sagenhafte Woche“, sagte Jung, „der Druck war sehr groß und ich konnte mir keine Zeitfehler erlauben. Aber mein Pferd war die ganze Woche so super drauf, das ist unglaublich.“ Nach kleinen Fehlern war das deutsche Paar, das 2024 auch Olympiagold in Paris gewonnen hatte, mit 23 Minuspunkten aus der ersten Teilprüfung Dressur in die Geländeprüfung gestartet. Rund 35.000 Menschen hatten sich das Spektakel vor Ort angesehen. Als einziges Paar aus den Top-Fünf bewältigten Jung und Chipmunk den 5600 Meter langen Geländekurs ohne Strafpunkte. Für Jung war es ein besonderer Erfolg, weil sein Chipmunk mit inzwischen 18 Jahren zu den ältesten Pferden im Feld gehört. Schon 2018 startete der Wallach bei den Weltmeisterschaften in den USA, damals noch mit seiner Reiterin Julia Krajewski. Danach wechselte das Pferd in Jungs Stall, und schon im Jahr darauf gewannen die beiden Team-Gold und Einzel-Silber bei den Europameisterschaften. „Für mich ist er 18 Jahre jung“, sagte der Reiter nach dem Geländeritt im ZDF, „man merkt ihm das Alter nicht an, die Begeisterung ist noch voll da, deshalb ist auch nicht ans Ende seiner Karriere zu denken.“ Die Enttäuschung der vergangenen WM habe er zwar noch im Hinterkopf gehabt, sagte Jung vor dem Finaltag. Doch er hoffte, dass die „paar Patzer aus der Dressur vielleicht alle waren, die wir diese Woche gemacht haben. Das wäre das Beste.“ Und so kam es dann letztlich auch. Chipmunk galoppierte frisch und munter über die Ziellinie. Der zweite Platz des deutschen Teams bedeutet auch die direkte Qualifikation für die Olympischen Spiele in Los Angeles 2028.